Kappelrodecker Hexensteig – Rundwanderung im mystischen Schwarzwald
Tourencharakter
Ein Weg, der seinen Namen verdient. Wer den Kappelrodecker Hexensteig geht, betritt keine gewöhnliche Wanderroute – er taucht ein in eine Landschaft, die seit Jahrhunderten Geschichten erzählt. Felsige Pfade winden sich durch dichte Wälder, Weinreben fangen das Licht, und irgendwo zwischen Granitblöcken und alten Sagen fragt man sich, ob der Nebel im Tal wirklich nur Nebel ist.
Die Rundwanderung im Schwarzwald misst rund 18 km, überwindet etwa 745 Höhenmeter im Auf- und Abstieg und fordert gute Kondition sowie sichere Schritte. Kein Sonntagsspaziergang – aber jede Mühe wert.
Die Rundwanderung misst rund 18 km und ist mit etwa 6 Stunden reiner Gehzeit zu planen. Auf und ab überwindet man je rund 745 Höhenmeter – zwischen dem tiefsten Punkt bei 239 m und dem höchsten bei 699 m ü. NHN. Start und Ziel ist das Zuckerbergschloss in Kappelrodeck.
Der Kappelrodecker Hexensteig ist ein zertifizierter Qualitätswanderweg – ausgezeichnet für seine abwechslungsreichen Pfade, Aussichtspunkte und die eingebetteten Sagen des Achertals. Die Markierung zeigt eine weiße Hexe auf braunem Grund: unübersehbar, einprägsam, fast schon selbstironisch.
Empfohlene Laufrichtung: gegen den Uhrzeigersinn. So folgt man der Logik des Weges und hat die steilsten Anstiege im Rücken, wenn es bergab geht.
Hintergrundinformationen
Sagen, Stein und Schwarzwälder Atmosphäre
Das Achertal trägt seine Geschichten offen mit sich. Wer hier wandert, folgt nicht nur einem markierten Pfad – er folgt Überlieferungen, die seit Generationen weitergegeben werden: von Hexen, die nachts auf Pferden ritten, von weißgekleideten Gestalten im Wald, von Felsen, die Namen tragen, weil man ihnen einst Bedeutung gab.
Der Hexensessel gewährt einen freien Blick auf Schloss Rodeck – und erzählt von der Hexe vom Dasenstein. Der Hexenwald dahinter ist das Reich des weißgekleideten Mädchens. Am Hexentanzplatz – tief im Wald, eine schiefe Schutzhütte, ein überdimensionaler Besen – hängt die bekannteste Sage des Weges:
Ein Bauer hatte zwei Knechte. Zum dürren kam nachts eine Hexe. Drei Wörter, und er war ein Ross. Die Hexe saß auf und ritt zum Hexentanz. Als der Bauer alles erfuhr, legte sich der dicke Knecht in sein Bett. Als die Hexe wiederkam, sprach er die Worte. Jetzt war sie das Ross. Er ritt zum Schmied – ließ sie beschlagen. Am nächsten Morgen lag die Nachbarstochter krank im Bett, Hufeisen an Händen und Füßen. – Aus den Achertalsagen, Adolf Hirth
Das Hexenhaus am Hexentanzplatz wurde 2013/2014 errichtet. Es ist kein touristisches Beiwerk – es ist ein Ort, an dem diese Überlieferungen greifbar bleiben.
Geologie: Was unter den Füßen liegt
Der Hexensteig Kappelrodeck führt durch geologisch bemerkenswert altes Terrain. Der Katzenschrofen – eine markante Felsformation auf der Gemeindegrenze Ottenhöfen / Kappelrodeck – besteht aus dem sogenannten Oberkirch-Granit. Jahrmillionen Erosion haben seine Kanten abgerundet; die Blöcke stapeln sich wie übergroße, bemoste Kissen. Ein schmaler Pfad schlängelt sich hindurch – kein Panorama, nur Wald, Stein, Stille.
Der Rappenschrofen bei Ottenhöfen ist sein wilder Bruder: Quarzporphyr (Rhyolith), rund 260 bis 280 Millionen Jahre alt, dunkel, zerklüftet, fast alpin. Ein Blockmeer zu Füßen der Wand erzählt von Frost, Wurzeln und Temperaturschwankungen – den drei Kräften, die Fels über Jahrtausende in Trümmer legen.
Der Bürstenstein schließlich liegt auf dem westlichen Rand des Rheingrabens. Wer hier steht, blickt auf eines der gewaltigsten geologischen Ereignisse Europas: Vor rund 50 Millionen Jahren begann die Erdkruste zu reißen. Schwarzwald und Vogesen – einst ein Gebirge – drifteten auseinander. Das Mittelstück sank bis zu 3.000 Meter tief. Was heute als friedliche Rheinebene liegt, ist das aufgefüllte Innere dieses gewaltigen Einbruchs.
Routenbeschreibung
Die Rundwanderung Kappelrodeck beginnt und endet am Zuckerbergschloss (Zuckerberg 1, 77876 Kappelrodeck). Die Markierung – weiße Hexe auf braunem Grund – führt zuverlässig durch die gesamte Tour.
Startpunkt → Hexensessel – erster Blick auf Schloss Rodeck
Von der Starttafel beim Zuckerbergschloss geht es bergauf zum Hexensessel, einer markanten Felsformation mit direktem Blick auf Schloss Rodeck. Hier beginnen die Sagen des Achertals – und hier beginnt man zu verstehen, warum dieser Weg seinen Namen trägt.
Hexensessel → Hexenwald → Forsthaus Schwend
Der Weg folgt der Beschilderung, passiert den Zinselburehof mit Schnapsbrunnen und biegt nach rund 300 Metern links in den Hexenwald ab – das Reich des weißgekleideten Mädchens der Legende. Das Licht fällt in Streifen. Wurzeln überqueren den Weg. Ein kurzes Stück Teerstraße, dann der stillgelegte Steinbruch, und schon liegt Forsthaus / Schwend vor einem.
Schwend → Soldatengräber → Schwender Buche
Rechts geht es weiter in Richtung Soldatengräber, von wo sich eine erste schöne Aussicht öffnet. An der Schwender Buche lädt eine Sitzgruppe zur Rast ein – Blick auf das Achertal, die Hornisgrinde und das Renchtal. Drei Richtungen, eine Bank, stille Größe.
Schleife: Verhextes Bänkle ✦ Highlight & Ferienhof Benz
Wer möchte, legt hier eine Schleife zum Getränkebrunnen beim Ferienhof Benz ein. Das Verhexte Bänkle – eine überdimensionale XXL-Bank mit weitem Ausblick ins Tal – liegt direkt am Weg. Pflichtfoto. Kurze Rast. Weitergehen. Der Name sagt alles.
Goldene Hexe → Simmersbacher Kreuz & Vesperstube Fiesemichel
Über einen kleinen Pfad geht es abwärts zur „Goldenen Hexe", bis man bei der Bergvesperstube „Zum Fiesemichel" am Simmersbacher Kreuz ankommt – eine der beliebtesten Einkehrmöglichkeiten auf dem Hexensteig Schwarzwald, bekannt für die zünftige Schwarzwälder Vesper. Hier trifft der Kappelrodecker Hexensteig auf den Lautenbacher Hexensteig (weiße Hexe auf rotem Grund). Wer extrem ausdauernd ist: Beide Wege lassen sich zu einer zweitägigen Tour von rund 33 km kombinieren.
Rappenschrofen – spektakulärer Aussichtspunkt ✦ Highlight
Kurz nach dem Simmersbacher Kreuz: der Rappenschrofen. Quarzporphyr, rund 260 bis 280 Millionen Jahre alt, dunkel, zerklüftet, fast alpin. Der Blick öffnet sich unvermittelt über das obere Achertal, Ottenhöfen und – bei guter Sicht – bis zur Hornisgrinde (1.164 m). Kein Geländer, kein Schutz. Vorsicht, besonders mit Kindern.
Hexentanzplatz & Hexenhaus – Herzpunkt des Weges ✦ Highlight
Tief im Wald, fernab der Weinberge: eine schiefe Hütte, ein Riesenbesen, Infotafeln mit den Achertalsagen. Der Hexentanzplatz ist der symbolische Mittelpunkt des gesamten Qualitätswanderwegs. Das Hexenhaus wurde 2013/2014 errichtet – kein touristisches Beiwerk, sondern ein Ort, an dem die Überlieferungen des Achertals greifbar bleiben.
Hexentanzplatz → Katzenschrofen → Grillplatz Blaubronn
Der Weg führt weiter zum Katzenschrofen – die technisch anspruchsvollste Passage der gesamten Tour. Riesige Granitblöcke, bemoste Oberflächen, ein schmaler Pfad, der sich hindurchwindet. Steil, felsig, bei Nässe rutschig. Im Volksglauben des Achertals nahmen Hexen die Gestalt von Katzen an – solche Felsen galten als ihre Versammlungsorte. Trittsicherheit ist Pflicht. Danach geht es über einen steil abwärts führenden Pfad zum Grillplatz Blaubronn.
Blaubronn → Bürstenstein – Panorama bis zu den Vogesen ✦ Highlight
Ein kurzes asphaltiertes Wegstück mit schönen Ausblicken, dann zurück in den Wald. Am Bürstenstein öffnet sich das große Panorama der Tour: Achertal, Rheinebene, Straßburger Münster, Vogesen. Nach Westen ausgerichtet, direkt an der tektonischen Bruchkante des Rheingrabens. Unter Wanderern gilt er als einer der besten Orte für Sonnenuntergangsfotos auf der gesamten Runde.
Bürstenstein → Hexenbänkle → Silberbrünnele
Weiter bergab am Silberbrünnele vorbei, über eine idyllische Viehweide zum Hexenbänkle – mit Blick auf Furschenbach. Eine letzte ruhige Station, bevor der Weg zurück in bewohnteres Terrain führt.
Hexenbänkle → Heidenhöfe → Zuckerbergschloss
Über die Rebflurneuordnung Heidenhöfe und einen kleinen Baumlehrpfad führt der Rückweg schließlich zurück zum Ausgangspunkt Zuckerbergschloss. Kreis geschlossen. Hex vollbracht.
Hinweise + Tipps
Verpflegung & Einkehr
Typisch für die Region: Getränkebrunnen an Höfen am Wegesrand, gegen einen kleinen Betrag zugänglich. Sie sind keine touristische Dekoration – an einem warmen Tag sind sie ein echter Segen.
- Zinselburehof mit Schnapsbrunnen – gleich zu Beginn des Weges
- Ferienhof Benz (Bereich Schwend) – Hofladen und Getränkebrunnen, gut kombinierbar mit dem Abstecher zum Verhexten Bänkle
- Ganzeckerhof / Baßlerhof – weitere Brunnenstation entlang der Route
- Bergvesperstube „Zum Fiesemichel" (Simmersbacher Kreuz) – zünftige Schwarzwälder Vesper, beliebte Einkehr auf dem Hexensteig Schwarzwald
- Backhiesel – regionale Spezialitäten (Ruhetage vorab prüfen)
Anreise
Der offizielle Startpunkt ist das Zuckerbergschloss (Zuckerberg 1, 77876 Kappelrodeck).
GPS-Koordinaten Startpunkt: 48.5498° N, 8.1010° O
Mit der Bahn – Kappelrodeck liegt an der Strecke der Achertalbahn.
- Von Offenburg oder Karlsruhe zunächst bis Achern
- In Achern umsteigen in die Ortenau-S-Bahn (OSB) Richtung Ottenhöfen
- Ausstieg: Kappelrodeck-Ost – rund 10 Minuten Fußweg zum Startpunkt
- Mit der KONUS-Gästekarte (bei Übernachtung in der Region) ist die Fahrt im gesamten Schwarzwald kostenlos
Mit dem Auto
- Über die A5: Ausfahrt Achern (Nr. 53), dann L87 Richtung Kappelrodeck / Ottenhöfen / Schwarzwaldhochstraße
Parkmöglichkeiten:
- Zuckerbergschloss: begrenzte Parkplätze direkt am Start
- Bahnhof Kappelrodeck: großer P+R-Parkplatz
- Ortszentrum / Marktplatz: weitere Parkplätze (ggf. Parkscheibe)
Mit dem Bus
Verschiedene regionale Buslinien verbinden Kappelrodeck mit den umliegenden Gemeinden im Achertal. Zentrale Haltestellen: Kappelrodeck Rathaus oder Bahnhof. Aktuelle Abfahrtszeiten: KVV-App oder bahn.de.
Material & Empfehlungen
- Festes Wanderschuhwerk – Pflicht. Wurzeln, Felsen, nasser Unterwald lassen keinen Spielraum.
- Wetterfeste Kleidung – Das Wetter im Nordschwarzwald wechselt.
- Ausreichend Wasser – Die Getränkebrunnen am Wegesrand sind eine Ergänzung, keine Garantie.
- Karte oder GPS – Die Markierung ist gut, ein Backup schadet nie.
- Beste Reisezeit: April bis Oktober. Fernsicht am besten, Pfade trocken, Einkehrmöglichkeiten geöffnet.
- Besondere Atmosphäre: Herbst und Nebelmorgen – für alle, die den Hexensteig Schwarzwald wirklich in seiner dunkleren Stimmung erleben wollen.
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