Die Levada do Rei zählt zu den schönsten und eindrucksvollsten Levada-Wanderungen auf Madeira. Wie ein stilles Band zieht sich der Wasserlauf seit den 1920er-Jahren durch das grüne Herz der Insel – den Lorbeerwald von São Jorge, ein Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Laurisilva. Entlang des sanft plätschernden Wassers öffnet sich eine Welt aus Moos, Farn und Nebellicht, in der Madeira seine ursprüngliche Seele zeigt.
Startpunkt Quebradas – Der Weg in die grüne Wildnis
Der Einstieg liegt am Waldrand des kleinen Weilers Quebradas bei São Jorge.
Von hier führt ein kurzer Anstieg über gestufte Treppen hinauf zum schmalen Pfad entlang der Levada do Rei, die auf etwa 535 Metern Höhe beginnt. Der Weg ist als PR 18 markiert und gut begehbar; an ausgesetzten Stellen sorgen Drahtseile für Sicherheit.
Schon zu Beginn begleitet das leise Rauschen des Wassers jeden Schritt – ein beruhigender Klang, der durch die feuchte, klare Luft des Nordens hallt.
Geschichte und Bedeutung der Levada do Rei
Die heutige Trasse der Levada do Rei wurde in den 1920er-Jahren angelegt, ihre Wurzeln reichen jedoch bis ins 18. Jahrhundert zurück.
Ursprünglich zur Bewässerung der Felder von São Jorge und Arco de São Jorge gebaut, versorgt sie bis heute die Region mit Wasser – ein Meisterwerk traditioneller Ingenieurskunst, das Wasser aus den Bergen über viele Kilometer verteilt.
An ihrem Lauf erkennt man die Bedeutung der Levadas für die Insel: Sie sind Lebensadern, die Natur und Kultur seit Jahrhunderten verbinden.
Durch den Lorbeerwald – Madeira im ursprünglichen Kleid
Nach wenigen Minuten taucht der Weg in den Laurisilva-Wald ein – einen der letzten seiner Art in Europa. Hier wachsen Madeira-Lorbeer (Ocotea foetens), Kanarischer Lorbeer (Laurus novocanariensis), Madeira-Mahagoni (Persea indica) und Baumheide (Erica arborea). Farne, Moose und rankende Pflanzen bedecken Felsen und Äste, während das Sonnenlicht in feinen Strahlen durch das dichte Blätterdach fällt.
Es riecht nach feuchter Erde und Harz, das Zwitschern von Buchfink und Sommergoldhähnchen mischt sich mit dem stetigen Murmeln der Levada.
Wasserfälle, Tunnel & das Tal des Ribeiro Bonito
Entlang der Strecke stürzen kleine Wasserfälle in den Kanal, und immer wieder öffnet sich der Blick auf den Ribeiro Bonito – den „Schönen Fluss“, der als Quellgebiet der Levada gilt. Das klare Wasser fließt über moosbewachsene Steine, Nebel hängt in der Luft, und das grüne Tal wirkt fast märchenhaft.
Ein besonders eindrucksvoller Moment erwartet Wanderer am Wasserfall-Tunnel: Hier führt der Pfad hinter einem Wasserfall hindurch, bevor man das abgeschiedene Tal des Ribeiro Bonito erreicht – einen Ort voll Ruhe und urwüchsiger Schönheit.
Sägemühle & Picknickplatz – Zeugnisse alter Nutzung
Am Anfang der Route befindet sich ein kleiner Picknickplatz, ideal für eine Rast im Schatten hoher Bäume. Nur wenige Schritte entfernt liegt die alte Sägemühle von São Jorge, ein geschütztes Kulturgut. Sie erinnert an die Zeit, als das Wasser der Levada nicht nur Felder bewässerte, sondern auch Mühlräder und Werkzeuge antrieb – ein Stück lebendige Inselgeschichte.
Wanderinfos zur Levada do Rei