Raumünzach: Knotenpunkt im Murgtal mit Charakter
Wer mit der S-Bahn durchs Murgtal fährt, erlebt Raumünzach zunächst nur als kurzen Halt. Doch wer aussteigt, begreift schnell: Dieser Ort ist mehr als ein Durchgangspunkt. Am Zusammenfluss von Murg und Raumünzach prallt Geschichte auf Natur, und beides lässt sich auf Wanderungen ab Raumünzach unmittelbar erleben.
Energiemuseum, Wasserfall und Granitfelsen
Mitten im Ort erinnert das historische Wasserkraftwerk Raumünzach an die Zeit der Holztrift, als gewaltige Baumstämme durch die Wildwasser der Murg geflößt wurden. Das angeschlossene Energiemuseum erzählt davon mit Akribie und Leidenschaft – ein technisches Denkmal, das auch Nicht-Technikern den Atem verschlägt.
Nur wenige Schritte entfernt stürzt der Raumünzacher Wasserfall über mächtige Granitfelsen ins Tal. Nach Regentagen verwandelt er sich in ein donnerndes Spektakel, das Fotografen wie Wanderer gleichermaßen fesselt. Die markanten Steinformationen rund um den Ort sind übrigens kein Zufall: Sie zeugen von einer langen Geschichte des Steinbruchhandwerks, die Raumünzach bis heute ihr kantiges Gesicht verleiht.
Murgleiter Etappe 3 – Premiumweg durch den Nordschwarzwald
Wer Raumünzach wirklich verstehen will, wandert die Murgleiter Etappe 3 – einen der spektakulärsten Abschnitte dieses Premiumwegs im Schwarzwald. Knapp 17,3 km und 794 Höhenmeter trennen Forbach von Schönmünzach, und der Weg führt direkt am Kraftwerk vorbei, durch dichten Wald, über schmale Pfade und steile Anstiege Richtung Schwarzenbachtalsperre. Dieser Fernwanderweg Murgtal ist kein Spaziergang – aber genau das macht ihn unvergesslich.
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Kürzeste Wanderung zur Schwarzenbachtalsperre
Wer weniger Zeit hat, wählt die direkte Route: Etwa 4 km und rund 518 Höhenmeter trennen den S-Bahnhalt Raumünzach von der Staumauer der Schwarzenbachtalsperre. Der Aufstieg durch abwechslungsreichen Mischwald ist steil und fordernd – doch oben wartet nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch Kiosk-Verpflegung und Restaurants direkt am Wasser.
Wer mag, verlängert zur Rundwanderung Schwarzenbachtalsperre: Der Abstieg über den Murgtalwanderweg zurück nach Raumünzach (Gesamtlänge ca. 14,6 km) rundet das Erlebnis ab und schenkt weitere Perspektiven auf das tiefe Blau des Stausees.
Höhenwanderung über die Schwarzenbachtalsperre nach Forbach
Anspruchsvoller, aber landschaftlich noch reicher ist die Höhenwanderung ab Raumünzach über den ehemaligen Steinbruch am Schneiderskopf hinauf zur Talsperre. Das Bauwerk – 1922 begonnen, 1926 eingeweiht, heute zentrales Oberbecken des Rudolf-Fettweis-Werks der EnBW – beeindruckt durch seine schiere Größe. Am Seeufer öffnen sich immer wieder Blicke auf das tiefblaue Wasser und die umgebenden Wälder. Der Weg trifft auf den legendären Westweg des Schwarzwaldvereins, der zugleich Teil des Europäischen Fernwegs E1 ist.
An der Wegscheid wird der höchste Punkt erreicht. Eine Schutzhütte lädt zur Rast ein, bevor der Abstieg nach Forbach beginnt. Unten im Tal wartet die historische Holzbrücke über die Murg – ein Ort, der als Filmkulisse für „Lenz oder die Freiheit" über die Badische Revolution 1848 diente. Die Wanderung endet am Bahnhof Forbach und misst 11,4 km bei 424 Höhenmetern im Aufstieg und 529 Höhenmetern im Abstieg.
Raumünzach ist ideal an die Murgtalbahn (S8/S81) angebunden – perfekt für Streckenwanderungen ohne Rückweg zum Auto. Festes Schuhwerk und gute Grundkondition sind Pflicht.
Herrenwies: Basislager auf der Hochebene
Wer von Raumünzach aufsteigt, landet früher oder später in Herrenwies – und versteht sofort, warum Wanderer immer wiederkommen. Auf rund 750 Metern Höhe gelegen, direkt am Rand des Nationalparks Schwarzwald, ist dieser kleine Schwarzwaldort das Basislager für die wirklich großen Touren im Nordschwarzwald.
Schwarzenbachtalsperre und Herrenwieser See
Nur ein kurzes Stück vom Ort entfernt erstreckt sich die Schwarzenbachtalsperre – das größte Stausee-System im Nordschwarzwald. Im Sommer lädt das Wasser zum Baden, zur Bootsfahrt oder zu einer Rundwanderung um den See (ca. 6,5 km) ein. Wer ruhigere Gewässer sucht, wandert zum Herrenwieser See: Dieser eiszeitliche Karsee liegt auf 830 Metern Höhe am Osthang des Seekopfs und ist als Naturdenkmal geschützt. Infotafeln am Ufer, eine Schutzhütte und Sitzbänke laden zur kontemplativen Rast ein.
Rundwanderung Herrenwies – Herrenwieser See – Seekopf – Badener Höhe
Die schönste Rundwanderung ab Herrenwies verbindet all diese Highlights in einer Tour: vom Ort über den Herrenwieser See und den Seekopf hinauf auf die Badener Höhe (1.002 m ü. NN).
Der Weg führt zunächst bequem zum See, vorbei am Seeblick mit Panorama auf die Schwarzenbach-Talsperre. Ein steiler Pfad führt weiter hinauf zum Westweg und zum 2-Seenblick – einem der schönsten Aussichtspunkte im Nordschwarzwald, von dem man gleichzeitig auf Herrenwieser See und Talsperre blickt. Am Bussemer-Gedenkstein, gewidmet dem Initiator des Höhenwegs Philipp Bussemer, lohnt ein kurzer Halt.
Oben auf der Badener Höhe öffnet sich das große Panorama: Hornisgrinde, Ochsenkopf, Murgtal – und mittendrin der Friedrichsturm, ein 30 Meter hohes Kulturdenkmal, das auf 145 Stufen bestiegen werden kann. Bei klarer Sicht reicht der Blick über das Rheintal, die Vogesen, den Pfälzer Wald, die Schwäbische Alb – und manchmal sogar bis zu den Alpen. Mit 1.002,2 m ü. NHN ist die Badener Höhe der höchste Punkt im Baden-Badener Stadtwald.
Der Rückweg führt über den Herrenwieser Sattel zurück zum Ausgangspunkt. Die Rundwanderung misst 8,5 km bei 273 Höhenmetern und ist auch für geübte Genusswanderer gut geeignet.
Rundwanderung Herrenwies – Badener Höhe (ausführliche Variante)
Eine ausgedehntere Variante startet an der St.-Antonius-Kirche in Herrenwies – einem kleinen kulturellen Schatz mit gotischem Flügelaltar und der historischen Voltorgel von 1905. Herrenwies selbst hat eine bewegte Geschichte: Gegründet als Glashütte (1732–1778), blickt der Ort auf jahrhundertelange Traditionen in Holzgewinnung und Waldweide zurück.
Diese Wanderung auf die Badener Höhe misst 8,9 km bei 282 Höhenmetern und gilt als moderat – bietet dafür aber das volle kulturelle und landschaftliche Programm des Hochschwarzwalds.
Im Winter ist Herrenwies ein Langlaufzentrum mit top-gepflegten Loipen und Skiverleih. Der benachbarte Mehliskopf lockt mit Ganzjahres-Bobbahn und Klettergarten – ideal für Familien und Aktivurlauber.
Hundsbach: Das stille Hochplateau
Wer wirklich abschalten will, fährt nach Hundsbach. Das hochgelegene Kirchendorf von Forbach thront auf einem sonnigen Plateau zwischen 700 und 800 Metern – ruhiger, ursprünglicher und weniger bekannt als das Haupttal. Hundsbach liegt zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Nationalparks Schwarzwald und ist einer der besten Geheimtipps für Wanderer im Nordschwarzwald.
Pfarrkirche, Sägewerk und Sternenhimmel
Das Gesicht des Dorfes prägt die weithin sichtbare Pfarrkirche St. Antonius – eine neugotische Kirche, die über den Dächern thront wie ein stiller Wächter. Unten im Ort erinnert ein historisches Sägewerk an die Zeit, als Harzer, Köhler und Hirten dieses Hochtal im 16. Jahrhundert erschlossen. Und wenn nachts die Lichter ausgehen – was hier früh passiert –, verwandelt sich der Himmel über Hundsbach in ein Sternentheater. Die Milchstraße ist von hier mit bloßem Auge sichtbar: einer der seltensten Luxusse in unserer Zeit.
Wanderung von Hundsbach nach Herrenwies
Die härteste, aber auch eindrucksvollste Tour ab Hundsbach ist die Verbindung nach Herrenwies: 24,1 km, 866 Höhenmeter im Aufstieg und 778 Höhenmeter im Abstieg – das ist eine echte Schwarzwald-Expedition. Der Weg führt über das Seibelseckle, vorbei am Mummelsee, über den Dreifürstenstein und das Grindenplateau zur Hornisgrinde – einem der bekanntesten Gipfel des Nordschwarzwalds. Weiter geht es über das Hundseck und den Mehliskopf bis nach Herrenwies. Von dort ist ein Rückweg über den Alten Kirchweg nach Hundsbach möglich, oder man nimmt den Bus.
Rundwanderung Hundsbach – Schurmsee – Erbersbronn
Wer eine moderatere Tour bevorzugt, wählt die Rundwanderung zum Schurmsee: Der eiszeitliche Karsee liegt idyllisch zwischen Hundsbach und Schönmünzach, eingebettet in Schwarzwaldhänge, von denen sich herrliche Ausblicke ins Raumünztal eröffnen. Eine kleine Hütte am See lädt zur Rast ein. Der Rückweg führt über Hugenloch und Erbersbronn zurück – durch ausgedehnte Wälder, teils mit wärmeliebenden Kiefern auf der Südseite.
Die Rundwanderung misst 16,1 km bei 553 Höhenmetern (moderat) und folgt dem verlässlich ausgeschilderten Naturparkwegenetz: Von Wegweiser zu Wegweiser geben Rautenmarkierungen die Richtung vor – auch in den abgeschiedensten Waldabschnitten.
Wanderung Hundsbach – Schurmsee – Raumünzach
Als Streckenwanderung lässt sich der Schurmsee auch als Durchgangspunkt nutzen: Die Tour startet am Skihang von Hundsbach, steigt über schmale Pfade durch den Schwarzwald zum Karsee auf, passiert die Rohrgrundhütte und folgt der Raumünz talwärts – vorbei an der Kraftwerksanlage, die einst beim Bau der Schwarzenbachtalsperre für Strom sorgte und noch heute in Betrieb ist. Am Ende wartet der S-Bahnhalt Raumünzach.
13,9 km, 417 Höhenmeter im Aufstieg und 660 Höhenmeter im Abstieg – und kein Schritt zurück zum Ausgangspunkt nötig. Eine perfekte Einwegtour im Murgtal.
Fazit: Drei Orte, eine Landschaft, unzählige Wege
Raumünzach, Herrenwies und Hundsbach bilden zusammen ein Wanderdreieck, das kaum zu überbieten ist. Ob man die Kraft der Murg am Kraftwerk spürt, den weiten Blick vom Friedrichsturm auf der Badener Höhe genießt oder nachts unter dem Sternenhimmel von Hundsbach steht – der Nordschwarzwald zwischen Murgtal und Nationalpark ist ein Ort, der sich ins Gedächtnis brennt. Leise, beharrlich und unvergesslich.
Alle Wanderungen im Überblick
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Wanderung |
Region |
Schwierigkeit |
Distanz |
Aufstieg |
Abstieg |
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Rundwanderung Herrenwies – Herrenwieser See – Seekopf – Badener Höhe |
Herrenwies |
leicht |
8,5 km |
273 hm |
273 hm |
|
Herrenwies |
moderat |
8,9 km |
282 hm |
282 hm |
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|
Raumünzach |
moderat |
11,4 km |
424 hm |
529 hm |
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|
Hundsbach |
moderat |
13,9 km |
417 hm |
660 hm |
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Hundsbach |
moderat |
16,1 km |
553 hm |
553 hm |
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|
Kürzeste Wanderung Raumünzach – Schwarzenbachtalsperre (mit Rundtour) |
Raumünzach |
schwer |
14,6 km |
518 hm |
518 hm |
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Hundsbach |
schwer |
24,1 km |
866 hm |
778 hm |
Für alle Touren sind GPS-Tracks als GPX-Datei kostenlos verfügbar. Der Routenplaner von Sunhikes bietet zudem die Möglichkeit, eigene Wanderungen zu planen oder in den Karten zu stöbern.