Wanderung Colada de la Costa: Küstenpfad mit Meerblick und Geschichte
Tourencharakter
Küstenwanderung Tarifa – Torre de Guadalmesí – Besucherzentrum Huerta Grande im Naturpark del Estrecho
Der Sendero Colada de la Costa gilt als eine der eindrucksvollsten Küstenwanderungen Andalusiens. Die lineare Wanderroute zwischen Tarifa und dem Torre de Guadalmesí folgt einem historischen Viehtriebweg und verläuft durch den Naturpark del Estrecho. Dieser Schutzraum umfasst sowohl Land- als auch Meeresgebiete und liegt genau dort, wo Europa und Afrika, Mittelmeer und Atlantik aufeinandertreffen.
Man wandert durch einen ökologischen Übergangsraum, der seit Jahrtausenden als Korridor für Zugvögel und Meeresarten dient. Besonders im Frühling verwandelt sich der Weg in ein farbiges Band aus intensiver Blütenpracht.
Vom südlichsten Punkt Europas entlang der Küste
Man steht am Anfang eines schmalen Wanderwegs bei Tarifa, der sich wie eine alte Viehtrift an den Klippen der Costa del Estrecho entlangschlängelt. Die rund 16 Kilometer lange Küstenwanderung führt vom südlichsten Punkt des europäischen Festlands bis zum Besucherzentrum Huerta Grande in der Gemeinde Algeciras.
Die Tour bietet großartige Ausblicke auf das offene Meer und zerklüftete Felsen, und immer wieder kann man hinüber nach Afrika blicken, das so greifbar nah am Horizont erscheint.
Atemberaubende Ausblicke auf die Straße von Gibraltar
Entlang der Wanderung öffnet sich immer wieder der Blick auf die Straße von Gibraltar. Dort verschmelzen Land, Meer und Himmel zu einer Landschaft von rauer Schönheit. Die kräftigen Levante- und Poniente-Winde formen Vegetation und verleihen der Route ihren unverwechselbaren Charakter.
Historische Bunker, Wachtürme und militärische Relikte
Unterwegs begegnet man stillen Zeitzeugen der Geschichte: verlassene Bunkeranlagen, alte Kasernen der Guardia Civil und versteckte Wachtürme. Besonders markant ist der Torre de Guadalmesí an der Flussmündung – ein Ort, an dem man die strategische Bedeutung der Region spürt.
Flysch-Geologie im Naturpark del Estrecho
Der Weg führt durch den spektakulären Flysch des Naturparks del Estrecho. Schicht um Schicht erzählen Kalkstein, Sandstein, Mergel und Ton von uralten Meeresböden. Bei Ebbe entstehen beeindruckende Brandungsplattformen, auf denen man die Kraft von Erosion und Meer unmittelbar erlebt.
Flora und Fauna zwischen Wind und Meer
Trotz der exponierten Lage wächst hier eine robuste, charaktervolle Küstenvegetation. Oleander, Mastixsträucher und hohe Eukalyptusbäume bilden grüne Inseln entlang des Pfades. Nahedem Torre de Guadalmesí lädt eine Vogelbeobachtungsstation zum Innehalten ein. Jedes Jahr überqueren tausende Zugvögel die Meerenge von Gibraltar – ein Naturschauspiel, das diese Wanderung mit Leben erfüllt.
Höhenprofil
Routenbeschreibung
Beginn in Tarifa – am Puls eines historischen Hafenstädtchens
Die Wanderung startet direkt am Fuß der Burgmauer, in der Nähe des Torre de los Maderos, nur wenige Schritte vom Hafen Tarifa entfernt. Hier beginnt die Colada de la Costa, auch Colada del Camino de Algeciras genannt, – ein alter Viehtriebweg, der Tarifa mit Algeciras verbindet und seit Jahrhunderten die Küste begleitet.
Zunächst führt der Weg in östlicher Richtung durch Obstgärten und vorbei an vereinzelten Landhäusern. Das Meer bleibt stets präsent, der Horizont offen. Bei der Punta Camorro weicht man aufgrund privater Bebauung kurz nach Norden aus. Man umrundet den Cerro Camorro auf einem schmalen, reizvollen Pfad, gesäumt von dichten Schilfgürteln und üppigen Akanthuspflanzen. Eine steile Schlucht wird über Stufen und Holzstege überwunden, bevor der Weg erneut zur Küste hinabführt.
Von Monte Camorro bis Barranco Hondo: Zwischen Bauernhöfen und Meerblick
Vorbei am Monte Camorro, wo sich eine Beobachtungsstation für Zugvögel befindet, hält der Weg stets einen atemberaubenden Küstenblick bereit. Unterwegs passiert man Viehweiden mit rostroten Rindern.
Bei Barranco Hondo schwenkt er kurz in Richtung des Bauernhofs und zeigt dann beeindruckende Flysch-Formationen im Wasser. Diese Ablagerungen sind ein Paradies für Geologie- und Naturliebhaber.
Ständiges Auf und Ab zwischen Schluchten, Klippen und Hochebenen
Die Route ist geprägt von einem kontinuierlichen Auf und Ab. Man durchquert Schluchten, steigt über Hochebenen und wandert entlang steiler Klippen. Immer wieder öffnen sich weite Ausblicke: Vorne erhebt sich der Torre de Guadalmesí, zur Rechten schimmert die afrikanische Küste mit Djebel Musa und Tanger, im Rücken liegt Tarifa.
Die Klippen des Flysch-Komplexes Campo de Gibraltar zeigen eindrucksvoll die Kräfte der afrikanischen und europäischen tektonischen Platten. Vertikal gestellte Schichten wechseln sich mit Abrasionsplattformen und Meeresbänken ab – geologische Geschichte, sichtbar im Fels.
Militärgeschichte im Campo de Gibraltar
Entlang der Route stößt man immer wieder auf Bunker, Militärruinen und Überwachungsstellen der Meerenge. Sie stammen überwiegend aus der Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg, als unter Franco zwischen Conil und Guadiaro zahlreiche Verteidigungsanlagen errichtet wurden – aus Angst vor einer alliierten Invasion im Zweiten Weltkrieg.
Finale Etappe zum Torre de Guadalmesí und Huerta Grande
Nach dem Passieren des Barranco de los Alhelíes erreicht man den Torre de Guadalmesí. Der zylindrische Turm stammt nicht aus islamischer Zeit, sondern wurde Ende des 16. Jahrhunderts unter Philipp II. errichtet und diente der Überwachung der Straße von Gibraltar. Der alte Wachturm wacht über die Mündung des Flusses Guadalmesí, benannt als „Frauenbach“ – einst die einzige Süßwasserquelle für Boote. Hier befinden sich auch Beobachtungsstationen für Zugvögel. Die letzte Etappe führt bergauf durch Mastixsträucher und Ginster bis zum Ökotourismuszentrum Huerta Grande.
Fazit: Eine eindrucksvolle Küstenwanderung
Man erlebt eine einfache, aber außerordentlich empfehlenswerte Wanderroute, besonders im Frühling, wenn die Landschaft in voller Blüte steht. An heißen Tagen ist Sonnenschutz unerlässlich, denn schattige Abschnitte sind rar. Wer diese Route geht, nimmt Bilder mit, die lange bleiben.
Hinweise + Tipps
Um die beeindruckenden Brandungsplattformen sehen zu können, sollte die Wanderung bei Ebbe unternommen werden. Es lohnt sich immer wieder, kurze Abstiege zur Küste zu machen, um die Felsformationen aus der Nähe zu betrachten.
Beim Betreten der Gezeitenplattformen ist besondere Vorsicht geboten. Die Felsen sind sehr rutschig und bei einsetzender Flut können einzelne Wellen höher sein als gedacht.
Ausrüstung:
Da der Küstenpfad felsig und rutschig ist, sollte man geeignetes Schuhwerk tragen. Außerdem ist es wichtig, unterwegs ausreichend Wasser und Sonnenschutz mitzunehmen, da es dort keinen Schatten gibt.
Öffentliche Verkehrsmittel: Die Buslinie M-150 verkehrt auf der Strecke zwischen den Städten Algeciras und Tarifa. Von Huerta Grande aus kann man bis zur Nationalstraße N-340 weitergehen und in Las Piedras den Bus zurück nach Tarifa nehmen.
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