Wer von den höchsten Bergen der Schweiz spricht, denkt sofort an die Dufourspitze. Doch der Dom (4.545 m) ist der höchste Berg, der vollständig auf Schweizer Territorium liegt. Eingebettet in die Walliser Alpen, erhebt er sich majestätisch und zeigt sowohl die wilde Saaser Seite als auch die sanfte Westflanke. Hier oben spürt man, dass jeder Meter in alpiner Höhe eine Herausforderung und ein Erlebnis zugleich ist. 

Geschichte und Erstbesteigung 

Der Dom wurde erstmals am 11. September 1858 von J. Llewellyn Davies, Johannes Zumtaugwald, Johann Kronig und Hieronymous Brantschen bestiegen. Früher als Grabenhorn bekannt, erhielt der Berg seinen heutigen Namen durch den Domherrn Berthold von Sion während Vermessungsarbeiten im Jahr 1833. Die Mischabelgruppe, deren Zinken der Dom, das Täschhorn und die Lenzspitze bilden, erstreckt sich über sechs Kilometer und umfasst stolze sieben Viertausender

Aufstieg zum Dom – Eine Hochtour für Geübte 

Die Normalroute beginnt im Dorf Randa (1.407 m) im Mattertal. Von hier führt ein Pfad über Wanderwege und versicherte Steige zur Domhütte (2.940 m), einem idealen Rast- und Ausgangspunkt. Über den Hohberggletscher gelangt man auf den Firngrat, der den Gipfel mit seinen 4.545 m erreicht. Wer den Festigrat wählt, muss sich auf ausgesetzte Passagen einstellen. Beide Routen erfordern Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. 

Der Hohberggletscher – Eisige Schönheit 

Der Hohberggletscher bedeckt die Nordwestflanke des Doms, etwa 4 km lang und 3,4 km² groß. Ganzjährig schneebedeckt, bietet er atemberaubende Ausblicke auf die Walliser Alpen. Eisige Risse und Gletscherspalten machen jede Begehung spannend und anspruchsvoll. Wer sich hierher wagt, erlebt die Bergwelt der Schweiz in ihrer reinsten Form. 

Alpine Flora – Höchstgelegene Blüten Europas 

Unterhalb des Südgrats entdeckten Bergführer Ende der 1970er Jahre den zweiblütigen Steinbrech (Saxifraga biflora) – die höchstgelegene je gefundene Blütenpflanze Europas. Heute gilt der gegenblättrige Steinbrech (Saxifraga oppositifolia) als Rekordhalter, etwa 40 m unter dem Gipfel. Trotz rauer Bedingungen dokumentierten Forscher und Künstler 2023 die Pflanze, die am kältesten bekannten Standort der Welt blüht. 

Technische Fakten und Toureninfos 

Höhe: 4.545 m ü. M. 

Routen: Nordflanke (Normalweg, WS+), Festigrat (WS+) 

Hütte: Domhütte, 2.940 m, bewirtschaftet von Ende Juni bis Mitte September 

Zustieg: Von Randa, Gehzeit bis Domhütte ca. 4 Std. 

Schwierigkeit: Nur für erfahrene Bergsteiger:innen 

Der Dom – Ein Gipfelerlebnis für alle Sinne 

Wer den Dom erklimmt, wird nicht nur mit atemberaubender Aussicht belohnt: die Stille der Walliser Alpen, das Eis des Hohberggletschers, die Sonnenstrahlen auf schroffen Felsen und die Blütenpflanze am Grat machen jede Hochtour Dom zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team