Auf der Terrasse der Britanniahütte schweift der Blick über ein endloses Meer aus Eis, und plötzlich ist er da. Still. Klar. Vollständig. Das Strahlhorn zeigt sich hier in seiner ganzen Schönheit. Ein Berg, der nichts beweisen muss und doch alles erzählt. 

Mit 4.190 Metern erhebt sich das Strahlhorn hoch über Saas-Fee in den Walliser Alpen. Nur wenige Kilometer trennen seinen Gipfel von der italienischen Grenze. Eingebettet zwischen Mischabelgruppe und Monte-Rosa-Massiv gehört er zur Allalingruppe und ist deren dritthöchster Gipfel. Sein Name erinnert an die Form eines Seesterns – ein passendes Bild für diesen Berg, der seine Grate in alle Richtungen ausstreckt. 

Ein „Einstiegsviertausender“ mit Anspruch 

Unter Kennern gilt das Strahlhorn als Einstiegsviertausender. Technisch mag das stimmen. Doch man merkt schnell: Dieser Berg fordert Ausdauer. Der lange Auf- und Abstieg verlangt eine sehr gute Kondition. Der Weg beginnt meist an der Britanniahütte und führt über Hohlaubgletscher und Allalingletscher hinauf zum Adlerpass, bevor sich der Gipfel auf 4.190 m ü. M. öffnet. 

Man bewegt sich stundenlang durch eine hochalpine Welt aus Eis und Weite. Spalten, Schnee und Wind begleiten jeden Schritt. Der Gipfel belohnt nicht mit Dramatik, sondern mit Ruhe – und einem Panorama, das sich tief einprägt. 

Geografie zwischen Mattertal und Saastal 

Das Strahlhorn markiert den südlichsten Viertausender einer stark vergletscherten Gebirgskette, die Mattertal und Saastal voneinander trennt. Unmittelbar nordwestlich erhebt sich das Rimpfischhorn, verbunden über den Adlerpass (3.786 m). Nördlich liegt das Allalinhorn, südlich das Schwarzberghorn an der italienischen Grenze. Zermatt und Saas-Fee liegen rund elf Kilometer entfernt. 

Vom Gipfel ziehen mehrere markante Grate: ein Südwestgrat über das Adlerhorn zum Findelgletscher, ein Grat über das Fluchthorn Richtung Mattmarksee, sowie ein Südgrat zum Schwarzberg Weisstor. Der Berg liegt – einem Seestern gleich – mitten im Eismeer von Findel- und Allalingletscher

Eis, Grate und Gegensätze 

Die Vielschichtigkeit dieses Berges wird schnell erkennbar. Im Norden reichen sanft geneigte Kämme fast bis an den Gipfel. Im Westen und Nordosten gleiten Grate elegant zu seinen Trabanten Adlerhorn und Fluchthorn. Im Süden bricht der Berg abrupt über Felswände auf ein einsames Gletscherplateau ab. Besonders eindrücklich ist die Ostwand, die steil zum Schwarzberggletscher abfällt. 

Fast der gesamte Berg ist vergletschert. Nur die obersten Meter des Gipfels sind eisfrei. Gerade bei diffuser Sicht kann die Orientierung schwierig werden – Respekt vor dem Gletscher ist hier unerlässlich. 

Hochtouren & Skitouren am Strahlhorn 

Die Hochtour Strahlhorn gehört zu den klassischeren Unternehmungen der Region. Die Normalroute von der Britanniahütte über den Adlerpass und den WNW-Grat wird mit WS bewertet. Eine sehr lange, selten begangene Route führt vom Mattmarksee über das Fluchthorn. Von Westen erreicht man den Gipfel vom Berghaus Fluhalp oberhalb von Zermatt. 

Im Winter zeigt sich das Strahlhorn besonders beliebt als Skitour. Der weite, vergletscherte Charakter macht den Berg zu einem idealen Ziel für erfahrene Skitourengeher. 

Geschichte eines stillen Gipfels 

Man blickt zurück in die goldene Zeit des Alpinismus. Am 15. August 1854 erreichten Christopher Smyth, Edmund J. Grenville sowie die Schweizer Bergführer Ulrich Lauener und Franz Joseph Andenmatten erstmals den Gipfel. 

Seitdem hat sich wenig verändert. Das Strahlhorn bleibt ein Berg für jene, die Weite suchen – und Stille. 

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team