Bei der Ankunft kurz stehenbleiben und genießen. Einen Moment lang. Denn was sich oberhalb von Saas-Fee auftürmt, ist mehr als nur Landschaft. Es ist eine Bühne aus Eis, Fels und Licht. Der Feegletscher, hoch oben an der Ostseite der Mischabelgruppe in den Walliser Alpen, öffnet hier seine Welt. 

Saas-Fee liegt auf einem Hochplateau, umgeben von elf Viertausendern. Der Blick schweift über Gipfel und Gletscherflächen, und schon dieser erste Anblick macht deutlich: Allein dafür lohnt sich der Weg ins Saastal. Saas-Fee gehört zu jenen Orten in der Schweiz, an denen sich die Welt der Gletscher ohne Umwege erschliesst. Rund 20 Gletscher verteilen sich im gesamten Tal – klein, gross, verborgen oder allgegenwärtig. Wer einem Gletscher ganz nah kommen will, ist hier willkommen. 

Feegletscher erleben – zwischen Sommer und Winter 

Bereits an der Talstation des Alpin Express auf 1800 m ü. M. verändert sich die Wahrnehmung. Zwischen Ausflüglern in Wanderschuhen stehen Skifahrer und Snowboarder in winterlicher Montur. Während einige hastig Jacken aus dem Rucksack ziehen und vorsichtige Schritte setzen, schnallen andere ihre Hightech-Bretter an und gleiten davon. 

Hier existieren Sommer und Winter nebeneinander. Der Feegletscher macht diese Gleichzeitigkeit möglich – Bewegung trifft auf Staunen, Hitze auf Eis, Leichtigkeit auf alpine Ernsthaftigkeit. 

Zahlen, Eis und Zeit – Fakten zum Feegletscher 

Der Feegletscher erstreckt sich über eine Länge von rund fünf Kilometern, erreicht eine Breite von bis zu sechs Kilometern und bedeckt eine Fläche von etwa 13 km². Insgesamt lagern hier rund 570 Millionen Kubikmeter Eis (Stand 2024). 

Das Eis zieht sich von 4200 m ü. M. bis hinunter auf 1900 m ü. M. und teilt sich in zwei Bereiche: den Nord-Feegletscher – auch Kleiner Feegletscher genannt – und den Süd-Feegletscher, den Grossen Feegletscher. 

Seit dem ersten Gletscherinventar von 1850 hat der Feegletscher rund ein Drittel seiner Fläche verloren. Im Vergleich zu anderen Alpengletschern ist dieser Rückgang moderat, da das Eis in grosse Höhen reicht. Am tiefsten liegt es unterhalb des Mittelallalin. Weite Teile des Süd-Feegletschers sind heute als Sommerskigebiet Saas-Fee erschlossen – dem zweitgrössten Sommerskigebiet der Schweiz. 

Lage und Geschichte von Nord- und Süd-Feegletscher 

Der Nord-Feegletscher entspringt der steilen Ostflanke der Mischabelgruppe. Seine schmale Zunge zieht nördlich von Längfluh talwärts. 1955 wurde ihr vorderster Teil durch einen Bergsturz auf 500 Metern Länge verschüttet. Über Jahrzehnte überfuhr das Eis den Schutt, regenerierte sich – bis sich ab 1988 erneut ein deutlicher Rückzug einstellte. 1973 betrug die Fläche des Nord-Feegletschers noch rund 7,5 km². 

Der Süd-Feegletscher liegt am Nordhang des Allalinhorns (4027 m ü. M.) und endet in mehreren Zungenlappen. Beide Gletscher speisen die Feevispa, die ihr Wasser durch das Saastal zur Rhone trägt. 

Während der Kleinen Eiszeit reichte das Eis bis in den Talkessel hinter Saas-Fee und umschloss die damalige Gletscheralp vollständig – ein stilles Zeugnis der Kraft des Eises. 

Anreise zum Feegletscher bei Saas-Fee 

Die Anreise führt mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehr von Sierre über Visp nach Saas-Fee. Von dort tragen Bergbahnen Schritt für Schritt hinauf in die hochalpine Gletscherwelt. 

Gletscherlehrpfad Feegletscher – Wissen im Gehen 

Langsam setzt man sich in Bewegung. Zwischen der Felskinnbahn und dem Restaurant Gletschergrotte entfaltet sich der Gletscherlehrpfad Feegletscher. Auf 1,9 Kilometern vermitteln zwölf Informationstafeln anschauliche Einblicke in naturwissenschaftliche Zusammenhänge. 

Der Pfad verbindet Wissen mit Bewegung, führt durch eine vom Gletscher geprägte Landschaft und öffnet immer wieder weite Ausblicke. Trotz teils schwindelerregender Passagen ist der Weg gut für Familien geeignet. Von Frühling bis Herbst zeigt sich hier, wie ein Gletscher Landschaft formt – sichtbar, greifbar, eindrücklich.

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team