Warum Norwegen das Wanderherz höherschlagen lässt
Norwegen ist flächenmäßig fast so groß wie Deutschland, hat aber nur 5 Millionen Einwohner. Was das für Wanderer bedeutet: Es gibt kaum überlaufene Wege, kaum volle Hütten, kaum Schlangen am Trailhead. Selbst auf den berühmten Routen – Trolltunga, Kjeragbolten, Preikestolen – ist die Einsamkeit oft nur einen kurzen Umweg entfernt.
Das Allemannsrecht (Allemannsretten) garantiert jedem das Recht, sich frei in der norwegischen Natur zu bewegen – Zelte aufzustellen, Seen zu überqueren, Berge zu besteigen – solange man mindestens 150 Meter von bewohnten Häusern entfernt bleibt. Dieses kulturelle Fundament prägt die gesamte Wanderkultur Norwegens: Die Natur gehört allen.
Beste Wanderzeit in Norwegen
Die beste Wanderzeit liegt zwischen Mitte Juni und September, wenn die Hochlandrouten schneefrei sind und die Tage in Norwegen lang – im Norden fast endlos. Wer die Mitternachtssonne erleben möchte, kommt im Juni oder Juli, wer die ersten Herbstfarben sehen will, im September.
Vestlandet – Das Land der Fjorde
Westland ist das Kerngebiet der norwegischen Fjordlandschaft. Hier liegen die bekanntesten Fjorde des Landes – der Sognefjord, der Hardangerfjord, der Lysefjord – und mit ihnen einige der spektakulärsten Wanderrouten Europas.
Alle Vestlandet-GPS-Tracks: → Wanderungen Norwegen in der Sunhikes-Trailbox
Preikestolen – Die Kanzel über dem Lysefjord
Der Preikestolen (Pulpit Rock) ist einer der bekanntesten Aussichtspunkte Norwegens. Die flache Felsplatte ragt 604 Meter senkrecht über dem Lysefjord auf – der Blick vom Rand in die Tiefe und über den Fjord ist schwindelerregend und atemberaubend zugleich. Der Weg zum Preikestolen ist gut markiert und mit 8 Kilometern Hin- und Rückweg für halbwegs fitte Wanderer gut zu bewältigen. Der Aufstieg ist anspruchsvoll, aber technisch nicht schwierig.
Am frühen Morgen, bevor die Tagestouristen ankommen, hat man die Felsplatte oft fast für sich allein. Dann ist der Blick auf den nebelverhangenen Fjord von einer Stimmung, die sich in keine Kategorie einordnen lässt.
→ Hinauf zum Predigtstuhl – Wandern am Preikestolen in Norwegen
10,0 km | 482 hm | 3:30 – 4:15 h | moderat
Kjeragbolten – Der Stein zwischen den Felsen
Kjeragbolten ist einer der meistfotografierten Orte Norwegens: ein runder Felsblock, der zwischen zwei Felswänden über dem Lysefjord eingeklemmt ist und auf dem man für das obligatorische Foto stehen kann. Der Weg zum Kjeragbolten ist deutlich anspruchsvoller als der Preikestolen-Weg – mit starken Auf- und Abstiegen und einigen ausgesetzten Passagen – aber die Aussicht über den Lysefjord von 1.000 Metern Höhe und das einzigartige Felsphänomen machen jeden Schritt lohnenswert.
Nærøyfjord – UNESCO-Weltnaturerbe
Der Nærøyfjord ist der schmalste Fjord Norwegens und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. An der engsten Stelle ist er nur 250 Meter breit, während die Felswände zu beiden Seiten über 1.000 Meter aufragen. Die Wanderwege oberhalb des Fjords bieten Aussichten, die das Konzept von Größe und Tiefe neu definieren.
Der Weg von Bakka entlang des Nærøyfjord-Ufers zu den verfallenen Höfen von Styvi ist einer der schönsten Küstenwanderwege Skandinaviens. Kein steiler Aufstieg, keine technischen Passagen – nur der Fjord, die Felswände und eine Stille, die von gelegentlichen Kreuzfahrtschiffen unterbrochen wird, die sich langsam durch das enge Wasser schieben.
→ Wandern am Ufer des Nærøyfjord – UNESCO-Weltnaturerbe in Norwegen
12,2 km | 294 hm | 3:00 – 4:00 h | leicht
Vestland – Bergseen und Almlandschaften
Die Region Vestland umfasst den Bereich zwischen Bergen und dem nördlichen Sognefjord – eine Welt aus Fjorden, Wasserfällen, Almwegen und kleinen Bergdörfern, die durch spektakuläre Natur verbunden sind.
Mykjedalsvatnet bei Voss
Der Bergsee Mykjedalsvatnet oberhalb von Voss liegt in einer Hochebene, die im Sommer von kleinen Farmen genutzt wird und deren Almwege zu den ursprünglichsten Wanderpfaden der Region gehören. Der Aufstieg vom Tal ist steil und direkt – aber oben angekommen öffnet sich eine alpine Weite, die in der unmittelbaren Nachbarschaft des touristischen Voss kaum zu erwarten ist.
Die Region um Voss ist ideal für Wanderer, die mehr als nur die Hauptattraktionen suchen: Abseits der Trolltunga-Massen finden sich hier Wege von großer Ursprünglichkeit und Schönheit.
→ Rimstigen: Der steile Pfad über dem Nærøyfjord - UNESCO-Weltnaturerbe Nærøyfjord
13,2 km | 1.312 hm | 7:30 – 8:30 h | schwer
Flåmsbana-Wanderung
Die Flåmsbana – die Flåm-Bahn – ist eine der steilsten Eisenbahnlinien der Welt und eine der touristischsten Attraktionen Norwegens. Aber der Wanderweg parallel zur Bahnlinie, der von Myrdal nach Flåm hinabführt, ist deutlich weniger besucht und deutlich eindrucksvoller. Wasserfälle, Schluchten, enge Täler und immer der Blick auf den Aurlandsfjord unten: Diese Wanderung ist eines der stillen Highlights Westjordlands.
Hardangervidda – Das größte Hochplateau Europas
Die Hardangervidda ist Norwegens größter Nationalpark und das größte Hochplateau Europas – eine weite, baumlose Tundralandschaft auf über 1.000 Metern Höhe, die sich in alle Richtungen bis zum Horizont erstreckt. Hier lebt die größte Wildrentier-Herde Europas, hier hat Roald Amundsen für seine Antarktis-Expedition trainiert, und hier finden sich über 1.200 Kilometer markierte Wanderwege.
Das Hochplateau – Weite und Einsamkeit
Was die Hardangervidda so besonders macht, ist die totale Abwesenheit von Orientierungspunkten, die man sonst aus dem Wandern kennt. Kein Gipfel, dem man entgegensteigt, kein Tal, dem man folgt – nur das Plateau, der Wind, der Himmel und die eigene Kraft. Wandern auf der Hardangervidda ist eine Erfahrung die man nicht mit anderen Bergwandererlebnissen vergleichen kann.
Das DNT (Norwegischer Trekking-Club) unterhält ein Netz aus Selbstbedienungshütten über das gesamte Plateau – mit Lebensmitteln, Schlafsäcken und Heizmaterial, die man mit dem Ehrensystem der Norweger nutzt und bezahlt. Diese Infrastruktur macht mehrtägige Touren ohne schweres Gepäck möglich.
Vøringsfossen
Am westlichen Rand der Hardangervidda stürzt der Vøringsfossen 183 Meter in die Tiefe – einer der eindrucksvollsten Wasserfälle Norwegens. Der Weg zum Aussichtspunkt ist kurz, die Wirkung des in der Tiefe donnernden Wassers ist groß. Der umliegende Hardangerfjord-Bereich bietet zudem mehrere Wanderwege, die den Fjord mit dem Plateau verbinden.
→ Erlebe die atemberaubende Måbødalen Schlucht und den gewaltigen Vøringsfossen Wasserfall – Norwegens Naturwunder
11,2 km | 374 hm | 4:30 – 5:00 h | moderat
Rogaland – Kjeragbolten und die Fjordkanten
Die Provinz Rogaland im Südwesten Norwegens ist das Epizentrum des norwegischen Wandertourismus. Hier liegen sowohl der Preikestolen als auch der Kjeragbolten – die zwei bekanntesten Wanderziele Norwegens – sowie eine Reihe weniger bekannter, aber ebenso eindrucksvoller Routen.
Trolltunga – Die Felszunge
Trolltunga (Trollzunge) ist ein horizontaler Felsvorsprung, der 700 Meter über dem Ringedalsvatnet-See hängt und zu den ikonischsten Naturphänomenen Norwegens gehört. Der Weg dorthin ist lang (22–28 km Hin- und Rückweg) und anspruchsvoll (800–1.000 Höhenmeter), aber er zieht jedes Jahr Zehntausende Wanderer an. Wer den Weg früh morgens beginnt, kann die Massen vermeiden und die Trolltunga in einer Stille erleben, die dem Ort gerecht wird.
Eine Alternative für weniger erfahrene Wanderer: Viele lokale Anbieter bieten geführte Touren zur Trolltunga an, die auch weniger konditionsstarke Wanderer sicher ans Ziel bringen.
Praktische Tipps für Wanderungen in Norwegen
Kleidung: Das Wetter in Norwegen kann sich schnell und drastisch ändern. Selbst im Sommer sind Temperaturen unter 10 Grad und starker Regen möglich. Zwiebelprinzip: Merino-Baselayer, Fleece, wasserdichte Hardshelljacke. Auf der Hardangervidda auch im Juli warme Kleidung mitnehmen.
Mücken und Fliegen: Die Mittsommer-Mücken auf der Hardangervidda und in Fjordtälern sind legendär. Mückenschutz und ein Kopfnetz sind im Juni und Juli auf Hochtouren keine Übertreibung.
Allemannsrecht nutzen: Das Recht, überall zu zelten, ist in Norwegen eine Einladung – besonders auf der Hardangervidda. Wer ein Leichtgewichtszelt dabei hat, kann völlig frei entscheiden wo der Tag endet.
Wasser: Norwegisches Bergwasser ist in der Regel sehr rein und direkt trinkbar – das spart das Schleppen großer Wassermengen auf langen Touren.
Hütten buchen: DNT-Hütten sollten in der Hauptsaison vorab gebucht werden. Die Selbstbedienungshütten auf der Hardangervidda sind ohne Reservierung zugänglich – ein Vertrauenssystem, das seit Jahrzehnten funktioniert.
|
Region |
Highlight |
Schwierigkeit |
Beste Zeit |
|
Preikestolen |
Aussicht Lysefjord |
⭐⭐⭐ Mittel |
Mai–Sep |
|
Kjeragbolten |
Klemm-Fels |
⭐⭐⭐⭐ Anspruchsvoll |
Jun–Sep |
|
Trolltunga |
Felszunge |
⭐⭐⭐⭐ Anspruchsvoll |
Jun–Sep |
|
Hardangervidda |
Plateau-Wildnis |
⭐⭐⭐ Mittel |
Jul–Sep |
|
Nærøyfjord |
UNESCO-Fjord |
⭐⭐ Leicht |
Mai–Okt |
|
Mykjedalsvatnet |
Bergsee Voss |
⭐⭐⭐ Mittel |
Jun–Sep |
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