Bürstenstein Ottenhöfen – Panorama & Geologie am Felsenweg
Weiter Himmel, freier Blick, stille Größe. Der Bürstenstein ist einer der eindrucksvollsten Aussichtspunkte im Nordschwarzwald – und für viele das stille Highlight des Ottenhöfener Felsenwegs.
Bürstenstein am Felsenweg Ottenhöfen – Panorama, Geologie & Wandertipps
Der Bürstenstein bei Ottenhöfen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Palmfelsen und bildet zusammen mit diesem das Filetstück der Wanderung. Der Fels ist nach Westen ausgerichtet – direkt in Richtung Rheinebene, Straßburger Münster und Vogesen. Bei klarer Sicht ein Panorama, das seinesgleichen sucht.
Unter Wanderern gilt er als einer der besten Orte für Sonnenuntergangsfotos auf der gesamten Tour.
Aussicht: Schwarzwald trifft Rheinebene
Von der exponierten Felskante blickt man weit über die Weinberge von Waldulm und das Achertal. Bei guter Fernsicht reicht der Blick über die gesamte Oberrheinebene bis zum Straßburger Münster und zu den Vogesen in Frankreich.
Während viele Wanderer am bekannten Palmfelsen rasten, bietet der Bürstenstein durch seine Ausrichtung den noch freieren Blick in die Ebene.
Geologie: Der Rand einer Katastrophe
Der Bürstenstein steht auf dem festen Rand des Rheingrabens – und wer hier oben steht, blickt auf eines der gewaltigsten geologischen Ereignisse Europas.
Das Gestein unter den Füßen ist der Kappelrodecker Granit, eine lokale Ausprägung des Oberkirch-Granits. Auch hier lässt sich die Wollsackverwitterung beobachten: Die Felsen sind stark zerklüftet und bilden markante Rippen und Schroffen, die aus dem Waldboden ragen.
Der Rheingraben in drei Sätzen
Vor etwa 50 Millionen Jahren begann die Erdkruste hier zu reißen. Schwarzwald und Vogesen bildeten ursprünglich eine zusammenhängende Gebirgsplatte – durch die Dehnung der Kruste drifteten sie auseinander, das Mittelstück sank bis zu 3.000 Meter tief ab. Was heute als friedliche Rheinebene liegt, ist das aufgefüllte Innere dieses gewaltigen Einbruchs.
Die Vogesen drüben sind das Spiegelbild: gleiches Gestein, gleiche Geschichte, einst ein Gebirge.
Was steckt hinter dem Namen Bürstenstein?
Der Name ist eine treffende Beschreibung – und hat gleich mehrere mögliche Wurzeln.
Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine visuelle: Durch das Absanden des Granits ragen harte Kalifeldspat-Kristalle und Quarze spitz und kantig aus dem Gestein heraus. Die Oberfläche wirkt rau, borstig – wie eine grobe Bürste. Im Volksmund hieß es: der Fels sei „bürstig".
Eine zweite Theorie verweist auf altes Forstarbeiterwissen: Dichte Büschel von Heidekraut und Ginster wurden früher als „Bürsten" bezeichnet. Felskanzeln mit struppigem Bewuchs auf nährstoffarmem Boden trugen diesen Namen oft.
Eine dritte Deutung führt auf das Wort „bersten" zurück – brechen, reißen. Direkt an der tektonischen Bruchkante gelegen, könnte der Bürstenstein ursprünglich der „geborstene Stein" gewesen sein.
Wandern am Bürstenstein: Tipps & Anreise
Der Bürstenstein liegt auf dem Ottenhöfener Felsenweg. Der Zugang erfolgt über schmale, wurzelige Pfade – Trittsicherheit ist erforderlich. Eine Holzaussichtsplattform ermöglicht den freien Blick über die Rheinebene.
Kurztour ab Blaubronn: Wer nicht die gesamte Runde gehen möchte, startet am Wanderparkplatz Grillplatz Blaubronn. Eine kleine Schleife von ca. 3–4 km verbindet Bürstenstein und Palmfelsen in etwa einer Stunde – ohne langen Aufstieg aus dem Tal.
Anfahrt: Von Ottenhöfen Richtung Blaubronn (K5371), kurvenreich bergauf bis zum Waldrand. Navi: „Blaubronn, 77833 Ottenhöfen" oder Koordinaten ca. 48.560, 8.138.
Bürstenstein Ottenhöfen – Praktische Infos im Überblick
- Lage: Ottenhöfener Felsenweg, Nordschwarzwald, westlicher Rand
- Highlight: Panorama über Achertal, Rheinebene, Straßburger Münster & Vogesen
- Geologie: Kappelrodecker Granit, Wollsackverwitterung, Rheingraben-Tektonik
- Schwierigkeit: Mittelschwer, Trittsicherheit erforderlich
- Kurztour: Ca. 3–4 km ab Wanderparkplatz Blaubronn
- Kombinierbar mit: Palmfelsen, Katzenschrofen, Sesselfelsen
- Beste Zeit: Spätnachmittag für Sonnenuntergang
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