Wo Wasser tobt: Wasserfälle und wilde Schluchten im Schwarzwald
Man hört sie, bevor man sie sieht. Das dumpfe Grollen des Wassers, das sich durch enge Felsspalten zwängt, kündigt die Allerheiligen-Wasserfälle bei Oppenau schon von weitem an. Sieben Kaskaden stürzt der Lierbach durch eine tief eingeschnittene Felsschlucht, gesäumt von senkrechten Felswänden, die das Wasser über Jahrhunderte geformt hat. Treppen und Brücken – kunstvoll angelegt seit 1840 – führen den Besucher mitten hinein in dieses Naturschauspiel, das zugleich mit der nahe gelegenen Klosterruine Allerheiligen Geschichte atmet. Wer den Ort einmal gesehen hat, versteht, warum er zu den bekanntesten Naturwundern des Nordschwarzwaldes zählt.
Etwas wilder und von alten Sagen umwoben präsentieren sich die Edelfrauengrab-Wasserfälle im Gottschlägtal bei Ottenhöfen. Die Kaskaden, drei bis acht Meter hoch, folgen einem sich plötzlich verengenden Tal zwischen moos- und farnbewachsenen Felshängen. Um diesen Ort rankt sich eine düstere Geschichte: einer Adeligen, so heißt es, wurde hier ein grausames Schicksal zuteil – lebendig eingemauert, dann ertränkt. Die Schwarzwald-Wanderung durchs Gottschlägtal bleibt deshalb im Gedächtnis: nicht nur wegen des Wassers, sondern wegen der Atmosphäre, die zwischen Schönheit und Schauer schwebt.
Wer es familienfreundlicher bevorzugt, findet in den Gaishöll-Wasserfällen bei Sasbachwalden das perfekte Gegenstück. Moosige Felsen, Holzstege und die sanft tosenden Kaskaden der Schlucht lassen Kinder und Erwachsene gleichermaßen staunen. Der direkte Aufstieg durch die Schlucht misst kaum 1,8 Kilometer – kurz, aber eindrucksvoll. Auch die Gertelbach-Wasserfälle im westlichen Schwarzwald bieten auf engen Pfaden durch enge Schluchten echtes Schwarzwald-Feeling, mit jenem charakteristischen Duft nach nassem Moos und frischem Bergwasser.
Hornisgrinde & Mummelsee – Gipfelblick und Hochmoor im Nordschwarzwald
Wer den nördlichen Schwarzwald wirklich verstehen will, muss auf die Hornisgrinde. Mit 1.164 Metern ist sie der höchste Gipfel des Nordschwarzwaldes – ein lang gestreckter Bergrücken in Nord-Süd-Richtung, der zu den niederschlagsreichsten Orten Deutschlands zählt. Mehr als 99 Prozent der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes verzeichnen niedrigere Regenmengen als dieser beeindruckende Berg. Das erklärt, warum hier oben eine Welt herrscht, die sich von den Wäldern der Täler grundlegend unterscheidet: die sogenannten Grinden, baumlose Hochflächen mit Moorböden, die dem Gipfelplateau ein fast arktisches Gepräge verleihen.
Vom Hornisgrindeturm, einem 23 Meter hohen Aussichtsturm aus Buntsandstein, erbaut 1910, schweift der Blick an klaren Tagen weit über die Schwarzwaldgipfel hinaus: zu den Vogesen, zum Pfälzerwald, zur Schwäbischen Alb – und bei außergewöhnlicher Fernsicht sogar bis zu den Alpen. Neben dem Turm steht der historische Bismarckturm, einst Signalturm im 19. Jahrhundert, heute stiller Zeuge einer anderen Zeit.
Das Hochmoor der Hornisgrinde ist auf einem Bohlenweg begehbar, gesäumt von Informationstafeln, die erklären, wie dieses Biotop entstanden ist und welche seltenen Tier- und Pflanzenarten es beherbergt. Wer eine moderate Rundtour sucht, findet mit der AugenBlick-Runde Seebach-Hornisgrinde (4 km, 141 Höhenmeter) einen idealen Einstieg – mit Panoramablick inklusive.
Direkt unterhalb, in einer Mulde aus der letzten Eiszeit geformt, liegt der Mummelsee auf 1.036 Metern Höhe. Dieser dunkle Karsee, 17 Meter tief, von steilen bewaldeten Hängen umschlossen, ist einer der meistbesuchten Seen Baden-Württembergs – und das aus gutem Grund. Er ist Ausgangspunkt für mehrere der schönsten Schwarzwald-Wanderwege: den Mummelsee-Hornisgrindepfad (ca. 6,5 km, 2,5 Stunden), die Rundtour durchs Hochmoor sowie den Seensteig und den Westweg, zwei der bedeutendsten Fernwanderwege im Schwarzwald. Wer die Stille des frühen Morgens erlebt, wenn Nebel über den See zieht und die Berghänge sich im dunklen Wasser spiegeln, begreift, warum sich seit Jahrhunderten Sagen um diesen Ort ranken.
Karlsruher Grat – der einzige Klettersteig im Nordschwarzwald
Etwas östlich von Ottenhöfen, eingebettet ins Naturschutzgebiet Gottschlägtal, wartet eine der ungewöhnlichsten Herausforderungen der gesamten Region: der Karlsruher Grat. Rund 400 Meter Felsgrat – ohne Drahtseilsicherung, ohne Leitern, nur Fels, Luft und der eigene Gleichgewichtssinn. Der Klettersteig Nordschwarzwald, wie er oft genannt wird, ist der einzige seiner Art in dieser Region und verlangt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und trockenes Wetter.
Der Kamm verläuft auf etwa 750 Metern Höhe über dem Gottschlägtal. Wer ihn überquert hat, blickt ins Achertal hinab und über die umliegenden Bergrücken – ein Panorama, das den Adrenalinschub der Überquerung vergessen lässt. Die Kombination Edelfrauengrab-Wasserfälle und Karlsruher Grat gehört zu den beliebtesten Touren der Region: sagenumwobene Schlucht unten, alpines Abenteuer oben.
Wer mehr möchte, wählt die Rundwanderung Edelfrauengrab über Karlsruher Grat zum Ruhestein (6,6 km, 541 Höhenmeter) oder die anspruchsvolle Panorama Tour Nordschwarzwald: Hornisgrinde & Karlsruher Grat (20,3 km) – eine der konditionsstärksten Touren der gesamten Ortenaukreis Wanderungen.
Durbach – Wandern zwischen Wein und Weitblick
Es gibt Wanderregionen, die man nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit allen Sinnen erlebt. Durbach im Ortenaukreis ist eine davon. Der Ort liegt malerisch zwischen Rebhängen und bewaldeten Höhen, von Süden und Westen von Weinbergen umgeben, im Norden und Osten von den ersten Ausläufern des nördlichen Schwarzwaldes. Wer hier wandert, riecht den Wein in der Luft, sieht Schloss Staufenberg von fern und versteht, warum Durbach als einer der besten Weinorte Baden-Württembergs gilt.
Der Durbacher Weinpanorama-Weg (ca. 15 km) ist der Flaggschiff-Premiumweg der Region: ein Rundweg durch sanfte Rebhänge mit Panoramen bis weit nach Straßburg hinein. Schloss Staufenberg, die Brandstetter Kapelle und das Plauelrainer Köpfle sind die Höhepunkte einer Tour, die Wandern zur Genussreise macht. Ein Glas Durbacher Wein auf halber Strecke gehört dazu wie der Blick auf die Vogesen.
Übersicht der Touren-Daten
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Wanderweg |
Länge |
Höhenmeter |
Anspruch |
Besonderheit |
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11 km |
ca. 440 hm |
Mittel |
Panorama, Weinberge & Kulturhighlights |
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10 km |
ca. 430 hm |
Mittel |
Schwarzwaldhöfe & regionale Spezialitäten |
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15 km |
ca. 375 hm |
Mittel |
Schloss Staufenberg & Blick bis Straßburg |
Etwas geerdeter, aber nicht weniger reizvoll ist der Gebirger Höfe-Weg (10,4 km, rund 430 Höhenmeter): ein Schwarzwald-Genießerpfad durch schattige Wälder und vorbei an traditionellen Schwarzwaldhöfen, die Schnaps, Most und andere regionale Spezialitäten anbieten. Wer auf dem Durbacher Weitblick-Genießerpfad (11 km) unterwegs ist, erlebt aussichtsreiche Passagen, Weinberge und Höhenzüge in einem – eine Route, die Natur und Kultur auf das Engste verknüpft.
Sasbachwalden – Genießerpfade, Schnapsbrunnen und Weinberge
Kaum ein Ort im Ortenaukreis verbindet Naturerlebnis und kulinarischen Genuss so konsequent wie Sasbachwalden. Das Schwarzwaldstädtchen ist bekannt für seine zertifizierten Premiumwanderwege und seine legendären Schnapsbrunnenwege – Strecken, entlang derer Winzer und Brenner Selbstbedienungsstationen mit Schnäpsen, Likören und alkoholfreien Getränken in kaltem Bergquellwasser aufgestellt haben.
Das Aushängeschild ist die Alde Gott Panoramarunde (10 km, ca. 4,5 Stunden, mittlerer Anspruch): ein Premiumweg, der durch Gaishöll-Wasserfälle, über 13 Brücken und 225 Stufen, durch Kastanienwälder und Weinberge führt und weite Ausblicke über die Rheinebene bis nach Straßburg bietet. Zahlreiche Rastplätze und Einkehrmöglichkeiten machen die Tour zum Erlebnis für Genusswanderer.
Übersicht der Touren-Daten
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Wanderweg |
Länge |
Dauer (ca.) |
Anspruch |
Besonderheit |
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10 km |
4:30 h |
Mittel |
Wasserfälle & Weinberge |
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Schnapsbrunnenweg 1 |
7,4 km |
2:10 h |
Leicht |
Nord-Route mit Aussicht |
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Schnapsbrunnenweg 2 |
12,8 km |
4:00 h |
Mittel |
Süd-Route, mehr Höhenmeter |
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Wilder Sasbach |
2,3 km |
0:50 h |
Mittel |
Abenteuerpfad für Kinder |
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Sasbachwaldener Steig |
17 km |
5:50 h |
Schwer |
Über 1.100 Höhenmeter |
Familien finden im Kinderwanderweg „Wilder Sasbach" (2,3 km) eine abwechslungsreiche Route, die am Wanderparkplatz Straubenhöfmühle startet. Ambitionierte Wanderer wählen den Sasbachwaldener Steig (17 km, über 1.100 Höhenmeter) – eine anspruchsvolle Tour, die zu den konditionsreichsten im nördlichen Schwarzwald gehört.
Oppenau & Schliffkopf – Natur, Geschichte und Nationalpark
Oppenau ist mehr als ein Ausgangspunkt – es ist ein Tor in eine der geschichtsreichsten Wanderregionen des Nationalparks Schwarzwald. Von hier starten Touren zu den Allerheiligen-Wasserfällen, zum Renchtalsteig und hinauf zum Schliffkopf (1.055 m), einem Berg, der bereits seit 1938 unter Naturschutz steht.
Der Schliffkopf liegt an der Schwarzwaldhochstraße, umgeben von Hochmoorflächen, ausgedehnten Bannwäldern und Legföhrenbeständen. Mehrere Fernwanderwege führen über seinen Gipfel, darunter der Westweg. Die weiten Panoramen ins Renchtal und über die Rheinebene belohnen jeden Aufstieg.
Übersicht der Touren-Daten
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Wanderweg |
Länge |
Höhenmeter |
Anspruch |
Besonderheit |
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3,7 km |
139 hm |
Leicht |
Wasserfälle, Klosterruine & Sagenpfad |
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8,0 km |
252 hm |
Leicht |
Familienfreundlich, Panorama & Einkehr |
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12,6 km |
472 hm |
Mittel |
Panorama ins Renchtal & Rheinebene |
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10,3 km |
↗︎ 207 hm |
Mittel |
Natur, Geschichte & Sagenwelt |
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→ Von Wasserfall zu Wasserfall: Allerheiligen – Edelfrauengrab |
9,7 km |
↗︎ 273 hm |
Mittel |
Zwei Wasserfälle, Schluchten & Kaskaden |
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19,3 km |
↗︎ 504 hm |
Schwer |
Wasserfälle, Klosterruine & Gipfelblick |
Eine der eindrucksvollsten Kombinations-Touren verbindet Allerheiligen-Wasserfälle, Klosterruine und Schliffkopf auf 12,6 Kilometern mit 472 Höhenmetern – Naturwunder und Geschichte in einem einzigen Ausflug. Wer noch mehr Ausdauer mitbringt, wählt die große Tageswanderung über den Schliffkopf nach Oppenau (19,3 km, 504 Höhenmeter), auf der Wasserfälle, Ruinen und Gipfelblick zu einem unvergesslichen Erlebnis verschmelzen.
Seebach & Unterstmatt – Hochgelegene Ausgangspunkte mit Alpenflair
Vom kleinen Ort Seebach aus eröffnet sich ein breites Fächer an Wandertouren: der Mummelsee-Hornisgrindepfad (7 km, moderate Anforderungen), der Bosensteiner Almpfad (9,1 km) durch alte Wälder und offene Hochweiden mit fast alpinem Flair, oder die große Panorama Tour Nordschwarzwald: Hornisgrinde & Karlsruher Grat (20,3 km) für erfahrene Bergwanderer.
Unterstmatt, eine kleine Häusergruppe an der Schwarzwaldhochstraße auf 928 Metern Höhe, bietet direkten Zugang zu den höchsten Gipfeln des Nordschwarzwaldes. Von hier führen Wege zur Hornisgrinde, zum Wildsee, zum Mummelsee und zum Ruhestein. Durch Unterstmatt verläuft der Fernwanderweg Westweg – einer der bekanntesten Wanderwege Deutschlands.
Warum der nördliche Schwarzwald jeden Wandertyp begeistert
Die Region um Mummelsee, Durbach und den Ortenaukreis ist kein gewöhnliches Wandergebiet. Sie ist eine Komposition aus Gegensätzen: stille Moore und tosende Wasserfälle, sonnenüberflutete Weinberge und dunkle Schluchten, gemütliche Genießerpfade und alpine Kletterpassagen. Auf engstem Raum bietet der nördliche Schwarzwald eine landschaftliche Vielfalt, die sonst nur große Gebirge vorweisen.
Ob die familienfreundliche Rundtour am Mummelsee, der adrenalingeladene Ritt über den Karlsruher Grat, die kulinarische Genusswanderung durch die Durbacher Weinberge oder die stille Einkehr am Hochmoor der Hornisgrinde – jede Tour hinterlässt Bilder, die lange nachwirken. Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieser Gegend: dass man immer mit dem Gefühl zurückkommt, noch nicht alles gesehen zu haben.
GPX-Tracks und individuelle Routenplanung für alle genannten Touren sind in den Trailboxen der Region und unter den jeweiligen Wanderzielen verfügbar. Über den Sunhikes-Routenplaner lassen sich die Routen flexibel umplanen und kostenlos herunterladen.