Warum die Kanaren das perfekte Wanderziel sind
Die Kanarischen Inseln liegen vor der Küste Nordafrikas, gehören aber zu Spanien – und damit zur EU. Was sie als Wanderziel so besonders macht, ist die außergewöhnliche Kombination aus Erreichbarkeit, Klimavielfalt und landschaftlicher Dramatik. Auf wenigen Quadratkilometern wechseln sich tropische Wälder, Mondlandschaften aus erkalteter Lava, subtropische Küsten und schneebedeckte Gipfel ab.
Das Klima ist das wohl überzeugendste Argument: Mit Durchschnittstemperaturen zwischen 18 und 26 Grad das ganze Jahr über gibt es keinen schlechten Monat zum Wandern. Während in Mitteleuropa die Wege im Winter verschneit oder schlammig sind, blüht auf den Kanaren die Natur. Die beste Wandersaison liegt zwischen Oktober und April – genau dann, wenn der Sommer in der Heimat längst vorbei ist.
Jede der acht Inseln hat einen völlig eigenen Charakter. Sie sind nicht einfach Variationen desselben Themas, sondern eigenständige Welten – mit eigener Geologie, eigener Flora, eigenem Lebensgefühl. Das macht die Kanaren zu einem Ziel, das man immer wieder besuchen kann, ohne sich zu wiederholen.
Teneriffa – Die Insel der Gegensätze
Teneriffa ist die größte und bekannteste der Kanarischen Inseln – und bietet auch das vielfältigste Wanderangebot. Im Süden trockene Lavalandschaften, im Norden üppige Lorbeerwälder, im Zentrum der Teide: mit 3.715 Metern der höchste Berg Spaniens und eines der eindrucksvollsten Wanderziele überhaupt.
Der Teide-Aufstieg
Der Aufstieg zum Gipfel des Teide ist die Königstour der Kanaren. Der Weg führt durch erkaltete Lavafelder, vorbei an bizarren Felsformationen und durch eine Mondlandschaft, die man auf keiner anderen Insel findet. Für den letzten Abschnitt zum Gipfelkrater ist eine gebührenpflichtige Genehmigung erforderlich, die man vorab online beantragen muss. Der Ausblick auf die umliegenden Inseln, der in klaren Nächten bis Madeira reicht, ist von einer Einzigartigkeit, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Masca-Schlucht
Die Schlucht von Masca im Nordwesten Teneriffas gilt als eine der schönsten Wanderungen der gesamten Inselgruppe. Der Weg führt durch ein enges, dramatisch eingeschnittenes Tal bis zum Meer. Wer den Abstieg schafft, kann mit dem Boot nach Los Gigantes zurückfahren. Die Kombination aus Schlucht, Meeresblick und Vulkangestein ist unvergesslich.
Anaga-Gebirge
Das Anaga-Gebirge im Nordosten Teneriffas ist ein UNESCO-Biosphärenreservat und beherbergt einen der ältesten Lorbeerwälder der Welt. Die Wege hier sind oft schmal, feucht und von dichter Vegetation gesäumt – ein vollständiger Kontrast zur Mondlandschaft rund um den Teide. Besonders der Weg von Cruz del Carmen nach Taborno mit Blick auf das Meer und die tief eingeschnittenen Täler zählt zu den eindrucksvollsten auf der Insel.
Gran Canaria – Der Miniaturkontinent
Gran Canaria wird oft als „Miniaturkontinent" bezeichnet – und das aus gutem Grund. Auf einer Fläche kleiner als das Saarland finden sich Sandwüsten, subtropische Wälder, Hochebenen und eine zerklüftete Bergwelt, die an die Rocky Mountains erinnert. Die Insel ist kreisförmig und steigt vom Meer zum zentralen Gipfel Pico de las Nieves (1.949 m) auf – was kurze, aber abwechslungsreiche Wege ermöglicht.
Roque Nublo
Das Roque Nublo ist das Wahrzeichen Gran Canarias: ein 80 Meter hoher Felsmonolith, der aus einem Plateau aufragt und weithin sichtbar ist. Der Weg zum Fuß des Felsens ist vergleichsweise kurz und auch für Einsteiger geeignet – der Ausblick über die Insel und bei klarem Wetter auf Teneriffa und den Teide gehört zu den besten Panoramen der Kanaren.
Playa de Güigüi
Der Playa de Güigüi gilt als einer der schönsten und abgelegensten Strände Gran Canarias – und der Weg dorthin ist Teil des Erlebnisses. Fünf Stunden Fußmarsch über steile, teils rutschige Geröllwege durch eine erodierte Vulkanlandschaft trennen den Strand von der Zivilisation. Wer durchhält, wird belohnt: dunkler Sand, eingerahmt von steilen Felsklippen, unberührte Natur und an klaren Tagen ein freier Blick hinüber zum Teide. Im Sommer füllt feiner vulkanischer Sand den Strand – im Winter kann er nahezu verschwinden.
Lanzarote – Mondlandschaft und Feuerberge
Lanzarote ist die vulkanischste der Kanarischen Inseln – und die, die am stärksten durch ihre Geologie geprägt ist. Der Timanfaya-Nationalpark, wo die Erde stellenweise noch immer glüht, ist das dramatischste Naturschauspiel der gesamten Inselgruppe. Wer Lanzarote wandert, wandert durch eine Welt aus erkalteter Lava, in der das Leben langsam, aber unaufhaltsam zurückgekehrt ist.
Timanfaya und Umgebung
Innerhalb des Nationalparks ist das Wandern stark eingeschränkt – geführte Touren sind Pflicht. Die Umgebung des Parks jedoch bietet spektakuläre, frei zugängliche Wege durch Lavafelder, die in ihrer Einzigartigkeit weltweit kaum ihresgleichen haben. Die Kombination aus schwarzer Lava, grünen Flechten und dem blauen Atlantik ist ein Farbenspiel, das sich in keine andere Kategorie einordnen lässt.
Los Hervideros und die Küstenrouten
Die Küstenrouten im Südwesten Lanzarotes führen durch eine Welt aus Lavatunneln, Brandungsgrotten und Steilküsten. Bei Los Hervideros, wo die Wellen in die unterirdischen Lavatunnel drücken und das Wasser tosend herausschießt, erlebt man die Kraft des Atlantiks in einer seiner eindrucksvollsten Formen.
La Graciosa – Die achte Insel
La Graciosa ist die größte Insel des Chinijo-Archipels – seit 2018 offiziell als achte Kanarische Insel anerkannt und vollständig unter Naturschutz. Nur einen Kilometer trennt sie an der schmalsten Stelle von Lanzarote – dazwischen liegt die Meerenge El Río, auf deren anderer Seite die Klippen des Famara-Massivs aufragen. Die hat keine asphaltierten Straßen und kaum 700 Einwohner. Was hier reichlich vorhanden ist: Sand, Wind, Stille und eine Küste, an der sich atemberaubende Strände, schwarze Basaltfelsen und Natursteinbögen abwechseln.
Montaña Amarilla
An der südwestlichen Spitze der Insel erhebt sich der Montaña Amarilla – der Gelbe Berg. Sein ockerfarbendes Tuffgestein leuchtet weithin sichtbar gegen das Tiefblau des Atlantiks, die Südflanke fällt steil zur kleinen Bucht hinab, an deren Fuß der schmale Sandstrand Playa de la Cocina liegt. Ein Pfad windet sich auf den 175 Meter hohen Gipfel – von dort schweift der Blick über die gesamte Insel, hinüber zum Famara-Gebirge auf Lanzarote und bis zum Nationalpark Timanfaya.
Playa de las Conchas
Die Playa de las Conchas im Norden gilt als einer der schönsten Strände der gesamten Kanarischen Inseln. Der Weg dorthin führt durch das stille Inselinnere, über Sand und erkaltete Lava, bis der Strand plötzlich auftaucht: heller feiner Sand, türkisgrünes Wasser, schwarzes Lavagestein auf beiden Seiten. Gegenüber ragt die Vulkaninsel Montaña Clara aus dem Ozean, dahinter Alegranza. Über allem thront der rote Kegel der Montaña Bermeja. Baden ist wegen starker Strömungen nur etwas für geübte Schwimmer – aber wer hierher kommt, kommt ohnehin nicht nur wegen des Wassers.
Fuerteventura – Weite, Wind und wilde Küsten
Fuerteventura ist die zweitgrößte und älteste der Kanarischen Inseln – geologisch gesehen fast doppelt so alt wie Teneriffa. Diese Verwitterung hat die Insel zu einer offenen, windgepeitschten Hochebene geformt, die von tiefen Barrancos (Schluchten) durchzogen wird und an manchen Stellen an die Sahara erinnert. Wandern auf Fuerteventura bedeutet: weite Horizonte, ursprüngliche Natur, kaum andere Menschen auf dem Weg.
Pico de la Zarza
Der Pico de la Zarza (807 m) ist der höchste Punkt Fuerteventuras und das Ziel der anspruchsvollsten Wanderung der Insel. Der Weg führt von Morro Jable durch Ginsterfelder und offenes Gebirgsgelände zum Gipfel, von dem man bei guter Sicht das gesamte Südzipfel der Insel und die vorgelagerten Inselchen überblickt.
Cofete und der wilde Süden
Die Halbinsel Jandia im Süden Fuerteventuras ist einer der ursprünglichsten Landstriche der Kanaren. Der Strand von Cofete, zu dem man nur über eine schlechte Piste oder zu Fuß gelangt, ist von einer rauen, melancholischen Schönheit, die sich von den belebten Stränden der Insel vollständig unterscheidet.
La Palma – Die grüne Insel
La Palma trägt den Beinamen „La Isla Bonita" – die schöne Insel – und hat ihn verdient. Mit einer Fläche von knapp 700 Quadratkilometern ist sie die steilste Insel der Welt in Relation zu ihrer Fläche. Wasser, das vom Passat mitgebracht wird, staut sich an den Nordhängen und nährt eine üppige Vegetation, die in ihrer Dichte und Artenvielfalt an einen tropischen Regenwald erinnert.
Ruta de los Volcanes
Die Ruta de los Volcanes ist die berühmteste Wanderroute La Palmas – und eine der schönsten der gesamten Kanaren. Sie folgt dem Kamm der Cumbre Vieja, einem aktiven Vulkangrat, und bietet dabei unvergleichliche Blicke auf Lavaseen, Krater und das Meer auf beiden Seiten der Insel. Der Weg ist lang, anspruchsvoll und unvergesslich.
Caldera de Taburiente
Die Caldera de Taburiente ist eine riesige Einsturzstruktur im Herzen La Palmas – kein Vulkankrater, sondern das Ergebnis enormer Erosionskräfte. Der Nationalpark, der die Caldera schützt, bietet Wanderwege durch Lorbeerwälder und Kiefernbestände zu Wasserfällen und Aussichtspunkten, die zu den eindrucksvollsten der Insel zählen.
La Gomera – Urwald und Stille
La Gomera ist die zweitzugänglichste der westlichen Inseln und zugleich die am wenigsten von Massentourismus geprägte. Das Herz der Insel ist der Garajonay-Nationalpark – UNESCO-Weltnaturerbe und einer der letzten großen Lorbeerwälder der Erde. Wer die feuchten, nebelverhangenen Wege durch diesen Urwald geht, betritt eine Welt, die sich seit Millionen von Jahren kaum verändert hat.
Garajonay-Nationalpark
Die Wege durch den Garajonay-Nationalpark sind von einer atmosphärischen Dichte, die sich kaum beschreiben lässt. Moosbedeckte Bäume, geisterhafte Nebelschleier, das Tropfen des Wassers von den Blättern – dieser Wald hat etwas Archaisches. Der höchste Punkt, der Garajonay-Gipfel (1.487 m), ist mit einem kurzen Weg erreichbar und bietet bei klarem Wetter Rundblicke auf die Nachbarinseln.
Barrancos und Küstenwege
Abseits des Nationalparks durchziehen tiefe Barrancos die Insel, die früher die einzigen Verbindungswege zwischen den Dörfern waren. Viele dieser alten Caminos Reales sind noch erhalten und führen durch eine Landschaft, die von Terrassenkulturen, wilden Felswänden und kleinen Ortschaften geprägt ist.
El Hierro – Das Ende der Welt
El Hierro ist die kleinste, westlichste und einsamste der Kanarischen Inseln. Bis zur Entdeckung Amerikas galt der Meridian, der durch El Hierro läuft, als Nullmeridian der damals bekannten Welt – die Insel war buchstäblich der Rand der Erde. Dieses Gefühl der Abgelegenheit ist noch immer spürbar. El Hierro ist UNESCO-Biosphärenreservat, hat kaum Massentourismus und bietet Wanderwege von einer Ursprünglichkeit, die auf keiner anderen Insel zu finden ist.
El Sabinar
Der El Sabinar ist ein Wacholderwald im Nordwesten der Insel, dessen Bäume durch die ständigen Passatwinde in bizarre, horizontale Formen gezwungen wurden. Diese natürliche Skulpturenlandschaft ist eines der faszinierendsten Naturphänomene der Kanaren und ein Wanderziel, das sich in keine Kategorie einordnen lässt.
Risco de los Herreños und Küstenrouten
Die Steilküsten El Hierros zählen zu den dramatischsten der Kanaren. Der Weg entlang des Risco de los Herreños bietet Ausblicke auf senkrechte Felswände, die direkt aus dem Atlantik aufragen, und auf eine Küstenlinie, die in ihrer Wildheit kaum zu überbieten ist.
Die beste Reisezeit für die Kanaren
Die Kanarischen Inseln lassen sich das ganze Jahr über wandern – das ist einer ihrer größten Vorteile. Die Hochsaison für Wanderer liegt zwischen Oktober und April, wenn die Temperaturen angenehm mild sind, die Vegetation nach den ersten Herbstregen aufgelebt hat und die Tage lang genug für ausgedehnte Touren sind.
Im Sommer – von Juni bis September – sind die Temperaturen besonders im Süden der Inseln hoch, und Wanderungen sollten in den frühen Morgenstunden oder am Abend unternommen werden. Die Nordseiten der Inseln und höhere Lagen bleiben auch im Sommer angenehm kühl.
| Monat | Temperatur | Eignung |
|---|---|---|
| Oktober–April | 18–24 °C | ⭐⭐⭐⭐⭐ Beste Wanderzeit |
| Mai–Juni | 22–26 °C | ⭐⭐⭐⭐ Sehr gut (früh starten) |
| Juli–September | 25–30 °C | ⭐⭐⭐ Gut für Nord/Hochlagen |
Ausrüstung & praktische Tipps
Schuhwerk: Festes Wanderschuhwerk mit Knöchelstütze ist auf allen Inseln empfehlenswert. Viele Wege führen über Lavagestein, das rutschig und uneben sein kann.
Wasser: Das Wichtigste auf den Kanaren. Wasserquellen sind auf Wanderwegen selten – mindestens 2 Liter pro Person und Tour einplanen, bei Hitze mehr.
Sonnenschutz: Der UV-Index ist auf den Kanaren das ganze Jahr über hoch. Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung sind keine Option, sondern Pflicht.
Navigation: GPS-Tracks von sunhikes.com auf das Smartphone oder GPS-Gerät laden. Viele Wege sind gut beschildert, aber in abgelegeneren Gebieten kann die Ausschilderung lückenhaft sein.
Genehmigungen: Genehmigungen: Für einige Wanderungen in Nationalparks und Naturschutzgebieten – darunter der Teide-Gipfel und der Timanfaya-Nationalpark – sind Genehmigungen oder geführte Touren vorgeschrieben, teils kostenpflichtig. Alle Genehmigungen lassen sich vorab online beantragen.
GPS-Tracks für alle 8 Kanarischen Inseln – kostenlos auf sunhikes.com
Alle auf sunhikes.com verfügbaren Touren der Kanarischen Inseln lassen sich als GPS-Track kostenlos herunterladen – kompatibel mit Garmin, Suunto, iPhone und Android. Wer seine Route selbst zusammenstellen möchte, kann den kostenlosen 3D-Routenplaner nutzen und einen eigenen GPS-Track für die nächste Wanderung erstellen.
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