Freiburg: Das Tor zum Schwarzwald
Bevor man sich ins Grüne stürzt, lohnt sich ein Streifzug durch Freiburg. Am Münstermarkt beginnt der Tag am besten mit einer „Langen Roten" – der legendären Kult-Wurst, die man nirgendwo sonst in dieser Form bekommt. Wer durch die Gässchen schlendert, stößt unweigerlich auf die Bächle: Die kleinen Wasserrinnen, die sich durch die Altstadt ziehen, sind eine Freiburger Institution. Legende besagt: Wer reintappt, muss einen Freiburger heiraten. Also: Augen auf.
Freiburg ist aber mehr als Kulisse. Es ist der Ausgangspunkt für alle Wanderungen im Hochschwarzwald – perfekt angebunden durch Bus, Bahn und die spektakuläre Höllentalbahn, die Richtung Hinterzarten durch enge Felsschluchten prescht.
Schauinsland: Freiburgs Hausberg mit Gipfelblick
Kaum eine andere Bergstation lässt sich so komfortabel erreichen wie die des Schauinslands. Die Schauinslandbahn – Deutschlands längste Umlaufseilbahn mit 3,6 Kilometern – bringt einen in rund 20 Minuten von Horben bei Freiburg auf 1.220 Meter Höhe. Wer lieber selbst fährt: Die Passstraße über Hofsgrund ist eine der eindrucksvollsten Auffahrten im Schwarzwald.
Gipfel mit Geschichte
Oben angekommen, öffnet sich die Welt. Vom Eugen-Keidel-Turm, einem 31 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Schauinslandgipfel (1.284 m), schweift der Blick über die Oberrheinebene, die Vogesen, den Feldberg – und an klaren Tagen bis zu den Schweizer Alpen. Es ist einer jener Momente, für die man morgens früh aufsteht.
Der Schauinsland hat aber mehr als Aussicht zu bieten. Das Museums-Bergwerk Schauinsland ist das größte Besucherbergwerk im Schwarzwald und lässt einen auf Führungen von 45 Minuten bis 2,5 Stunden tief in 800 Jahre Bergbaugeschichte eintauchen. Wer danach noch Energie hat, folgt dem Weg zum Schniederlihof, einem über 400 Jahre alten Bauernhausmuseum rund 30 Minuten zu Fuß von der Bergstation entfernt.
Wandern am Schauinsland
Zwei Routen stechen besonders heraus:
→ Die Große Panoramatour (9,7 km, moderat, 279 Höhenmeter) führt vom Gipfel über den Schauinslandgrat mit urwüchsigen Buchenwäldern und Almwiesen, vorbei an der Windbohrer-Skulptur und dem Engländerdenkmal mit Feldbergblick, hinunter nach Hofsgrund. Dort wartet die historische St.-Laurentius-Kirche und der pittoreske Schniederlihof auf Entdeckerinnen und Entdecker.
→ Die Kurze Panoramatour (2,6 km, leicht, 144 Höhenmeter) ist ideal für alle, die den Gipfeltag entspannt angehen wollen. Sie führt über sanfte Wege durch Wälder und Wiesen, vorbei am Skulpturenpfad und am Museumsbergwerk zurück zur Bergstation.
Einkehr: Cordon bleu als Geheimtipp
Wer nach der Tour hungrig ist, fährt nach Hofsgrund in den Gasthof zum Hof. Das Cordon bleu dort gilt unter Kennern als einer der kulinarischen Geheimtipps der Region – große Portionen, gutbürgerliche Küche, exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Unter der Woche gibt es warme Küche ab 16 Uhr, am Wochenende ab 11:30 Uhr. Reservierung empfohlen: +49 7602 9208222.
Direkt an der Bergstation lockt das Café & Restaurant „Die Bergstation" mit Panoramaterrasse und Blick über Freiburg bis zu den Vogesen. Das Frühstücksbuffet ist besonders beliebt – also lieber vorab reservieren.
Ravennaschlucht: Wildromantik pur im Hochschwarzwald
Von Freiburg aus führt die Höllentalbahn durch eine der dramatischsten Bahnstrecken Deutschlands – vorbei an spektakulären Brücken und steilen Felsen – zum Startpunkt eines der schönsten Wanderziele im Schwarzwald: der Ravennaschlucht. Wer mit dem Auto kommt, parkt beim Hofgut Sternen – einem historischen Anwesen am Schluchteingang, in dem einst Marie Antoinette und Goethe übernachteten und das heute eine Glasmanufaktur und Kuckucksuhren-Vorführungen beheimatet.
Der Wanderweg durch die Ravennaschlucht
Die Schlucht ist ein Naturschauspiel. Die Ravenna bahnt sich ihren Weg über Kaskaden und Wasserfälle durch enges Felsgestein. Zwei Wasserfälle sind absolute Highlights: der Große Ravenna-Wasserfall mit 16 Metern Fallhöhe und der Kleine Ravenna-Wasserfall mit 6 Metern. Das Rauschen des Wassers, das Licht, das durch das Blätterdach fällt, die bemoosten Steine – hier entstehen Bilder, die bleiben.
Das vielleicht stärkste Motiv wartet im unteren Teil der Schlucht: das Ravennaviadukt. Die 37 Meter hohe Steinbogenbrücke der Höllentalbahn überspannt die Schlucht in einer Eleganz, die Architektur und Natur verschmelzen lässt. Wenn eine Bahn darüberfährt, wird der Moment unter dem Viadukt zum echten Erlebnis.
Drei Touren durch die Ravennaschlucht
Tour 1 → Wanderung vom Höllental zum Wasserfall (7,3 km, moderat, 395 Höhenmeter): Vom Hofgut Sternen vorbei an den Kaiserwachtfelsen im Höllenbachtal, hinunter in die mittlere und untere Schlucht, an beiden Wasserfällen vorbei und unter dem Viadukt hindurch. Für ein ruhiges Naturerlebnis empfiehlt sich der Besuch unter der Woche in den frühen Morgenstunden.
Tour 2 → Rundwanderung Ravennaschlucht (8,1 km, moderat, 411 Höhenmeter): Diese Route nimmt sich mehr Zeit für die obere Schlucht und führt entlang des Jungholzbächles bis zur Einmündung in die Ravenna. Weniger frequentiert, dafür umso stiller – ideal für alle, die Massenanläufen ausweichen wollen.
Tour 3 → Wanderung vom Grillplatz Ödenbach über die Piketfelsen (7,5 km, moderat, 401 Höhenmeter): Ödenbach, ein idyllischer Ortsteil von Breitnau, ist der perfekte Startpunkt für alle, die die Ravennaschlucht von oben erschließen wollen. Der Aufstieg zu den Piketfelsen ist steil – aber die Aussicht ins Höllental ist die Anstrengung mehr als wert. Danach geht es hinunter an den Wasserfällen vorbei und am Gasthof Sternen wieder heraus.
Breitnau und Hinterzarten: Hochplateau mit Charakter
Breitnau – Luftkurort über der Schlucht
Breitnau liegt auf etwa 1.000 Metern Höhe und ist ein sonniger Luftkurort mit direktem Zugang zur Ravennaschlucht. Neben den Wanderwegen lohnt im Winter ein Besuch des berühmten Weihnachtsmarkts unter dem Ravennaviadukt – einer der atmosphärischsten Weihnachtsmärkte des Schwarzwalds. Kulinarisch ist der Feriengasthof Löwen (4,7 Sterne) eine sichere Bank – das Schwarzwald Cordon Bleu ist hier Pflicht.
Wer Kunsthandwerk schätzt: Im Hofgut Sternen gibt es eine beeindruckende Glasmanufaktur. Und wer Geschichte sucht: Die St. Oswald-Kapelle von 1148 gilt als älteste erhaltene Kirche im Hochschwarzwald.
Hinterzarten – mehr als ein Kurort
Hinterzarten ist das edle Basislager des Hochschwarzwalds. Der heilklimatische Kurort begeistert mit einem überraschenden Mix: Die Adlerschanze ist das Wahrzeichen des Ortes – hier trainierten Skisprung-Legenden wie Georg Thoma und Sven Hannawald. Im Schwarzwälder Skimuseum auf dem historischen Hugenhof von 1716 wird die Geschichte des Wintersports lebendig.
Wer es lieber naturmystisch mag: Das Hinterzartener Moor ist ein barrierefreier Naturerlebnispfad durch eines der größten Hochmoore Mitteleuropas – still, leicht urtümlich, unbedingt empfehlenswert. Für Kaffee und Kuchen in historischem Ambiente gibt es das Parkhotel Adler (seit 1446 im Familienbesitz, einst Quartier von Marie Antoinette) und das Café Hanselmann mit der echten Schwarzwälder Kirschtorte.
Wer von Hinterzarten aus weitergeht, hat die Qual der Wahl: Der Genießerpfad Säbelthomaweg (11,1 km, moderat, 367 Höhenmeter) führt durch verwunschene Wälder, vorbei am stillen Mathisleweiher und zum Milchhisli am Feldberg – einer der schönsten Panoramapausen des Hochschwarzwalds.
Belchen: Das Panorama am Ende der Welt
Wer den Südschwarzwald einmal von seiner besten Seite sehen will, muss auf den Belchen. Der 1.414 Meter hohe Gipfel gilt als der schönste Aussichtsberg des gesamten Schwarzwalds – und das ist keine Übertreibung. Bei klarem Wetter reicht der Blick über die Rheinebene, die Vogesen, den Jura und weit in die Schweizer Alpen: Eiger, Mönch, Jungfrau, Mont Blanc bis zur Zugspitze – alles auf einmal.
Belchen-Seilbahn: Entspannt nach oben
Die Belchen-Seilbahn (barrierefrei) befördert Gäste von der Talstation in Aitern-Multen bequem auf 1.220 Meter. Aktuell ist die Seilbahn im Winterbetrieb täglich von 09:15 bis 16:30 Uhr geöffnet (Wintersaison bis 29. März 2026). Berg- und Talfahrt kosten 12,50 € für Erwachsene, 8,50 € für Kinder. Mit der Belchen-Gästekarte gibt es 1,00 € Rabatt.
Von der Bergstation führt ein 30-minütiger, gut ausgebauter Gipfel-Rundweg zum Gipfelkreuz. Oben: das Belchenhaus, höchstgelegenes Rasthaus Baden-Württembergs, mit deftigem Hüttenessen, Kuchen und großer Panoramaterrasse. Nur Barzahlung, aber das Panorama ist die Währung.
Wandern auf den Belchen – drei Routen
→ Über das Wiedener Eck (8,6 km, moderat, 653 Höhenmeter): Start in Wieden, einem staatlich anerkannten Erholungsort im sonnigen Hochtal zwischen Feldberg und Belchen. Über den Geldenweg und das Wiedener Eck geht es entlang des Westwegs durch den Nordhang des Dietschel und über steile Serpentinen im Rübgartenwald bis zum Gipfel. Eine der klassischsten Routen auf den Belchen.
→ Genießerpfad Belchensteig vom Wiedener Eck (15,1 km, schwer, 674 Höhenmeter): Der zertifizierte Premiumwanderweg führt durch dichte Wälder, über saftige Wiesen und an klaren Bächen entlang, immer wieder unterbrochen von atemberaubenden Fernsichten. Rastplätze mit Panoramablick laden zum Innehalten ein.
→ Westweg Etappe 11: Wiedener Eck – Kandern (31,9 km, schwer, 933/1.624 Höhenmeter): Für ambitionierte Weitwanderer ist dies eine der schwersten und zugleich eindrucksvollsten Etappen des gesamten Westwegs. Über den Belchen und den Blauen geht es hinunter ins Markgräflerland – und damit raus aus dem Schwarzwald.
Wieden: Mehr als nur Ausgangspunkt
Wieden selbst ist ein Schwarzwalddorf mit Substanz. Das Besucherbergwerk Finstergrund ist das einzige seiner Art in Baden-Württemberg: eine echte Grubenbahn fährt tief in den Berg – Kinderaugen leuchten garantiert. Kulinarisch empfehlen sich das Berghotel Wiedener Eck mit Panoramablick und das Käsefondue sowie das Finstergrund Bergwerksstüble direkt am Bergwerk.
Praktische Tipps für die Tour
Beste Reisezeit: Frühjahr und Sommer für die Ravennaschlucht und Gipfeltouren. Für Winterpanoramen auf dem Belchen: klare Tage im Januar/Februar.
Ravennaschlucht: Unter der Woche früh morgens besuchen – so entgeht man dem Besucherandrang und hat die Wasserfälle ganz für sich.
Belchen-Seilbahn: An Märzwochenenden mit gutem Wetter ist die Alpenfernmeile vom Gipfel geradezu unglaublich.
Ödenbach: Kurz am Backhof Helmle stoppen und echtes Bauernbrot für die Heimfahrt kaufen – eines der kleinen Dinge, die eine Tour perfekt abrunden.
GPS-Tracks: Für alle genannten Wanderwege gibt es auf Sunhikes kostenlose GPX-Tracks zum Download.
Alle Wanderungen im Überblick
|
Wanderung |
Schwierigkeit |
Länge |
Höhenmeter Aufstieg |
Höhenmeter Abstieg |
|
leicht |
2,6 km |
144 hm |
144 hm |
|
|
moderat |
9,7 km |
279 hm |
279 hm |
|
|
moderat |
11,1 km |
367 hm |
367 hm |
|
|
moderat |
7,5 km |
401 hm |
401 hm |
|
|
moderat |
7,3 km |
395 hm |
395 hm |
|
|
moderat |
8,1 km |
411 hm |
411 hm |
|
|
moderat |
8,6 km |
653 hm |
94 hm |
|
|
schwer |
16,2 km |
546 hm |
234 hm |
|
|
schwer |
26,2 km |
837 hm |
721 hm |
|
|
schwer |
15,1 km |
674 hm |
674 hm |
|
|
schwer |
18,3 km |
793 hm |
793 hm |
|
|
schwer |
18,6 km |
672 hm |
431 hm |
|
|
schwer |
31,9 km |
933 hm |
1.624 hm |