Wandern in Bad Rippoldsau, Kniebis und Hausach – Seen, Flüsse und Wasserfälle im Mittleren Schwarzwald

Manchmal braucht man keinen Plan. Nur ein Paar gute Schuhe, genug Wasser im Rucksack und eine Richtung. Der Mittlere Schwarzwald liefert den Rest: dichte Wälder, die das Licht in tausend Fragmente zerlegen, Wasserfälle, die man hört, bevor man sie sieht, und Karseen, deren Oberfläche wie schwarzes Glas aussieht.

Bad Rippoldsau, der Kniebis und Hausach im Kinzigtal sind keine Geheimtipps mehr – aber sie sind auch keine Orte, die man sich einmal ansieht und wieder vergisst.

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Hausach im Kinzigtal | © Sunhikes
Blick auf Hausach im Kinzigtal

Der Ortenaukreis: Wo Weinland auf Wildnis trifft

Der Ortenaukreis – flächengrößter Landkreis in Baden-Württemberg – ist weniger eine Verwaltungseinheit als ein Versprechen. Im Norden: Weinberge, die Hornisgrinde, die Schwarzwaldhochstraße. Im Süden: das Kinzigtal, das Wolftal, Täler, die tiefer und stiller werden, je weiter man hineingeht.

Die Grenze zwischen Nördlichem und Mittlerem Schwarzwald ist keine scharfe Linie, sondern ein fließender Übergang – und der Kniebis liegt genau auf dieser Naht. Hier wechselt die Geologie von Buntsandstein zu Granit, das Licht wird anders, die Wälder dichter. Die B33 durchs Kinzigtal und die B28 über den Kniebis verbinden diese zwei Charaktere zu einer Region.

Bad Rippoldsau: Raus aus dem Alltag, rein ins Wolftal

Bad Rippoldsau liegt im Wolftal, südlich des Kniebis, und ist höchstgelegenes Mineral- und Moorbad des Schwarzwalds. Wer hier ankommt, merkt schnell: Die Welt draußen interessiert hier niemanden. Stattdessen: das leise Rauschen der Wolf, Nadelbaumduft, und Wege, die in alle Richtungen führen.

Plattbauch-Libelle am Glaswaldsee | © Sunhikes
Plattbauch-Libelle am Glaswaldsee

Burgbachwasserfall – 32 Meter freier Fall

Etwa 15 bis 20 Minuten vom Wanderparkplatz entfernt wartet einer der beeindruckendsten Wasserfälle Deutschlands: der Burgbachwasserfall. 32 Meter Fallhöhe, dunkler Granit, weißes Wasser. Wer einmal davor steht, versteht, warum dieser Ort immer wieder auf Wanderlisten auftaucht. Oberhalb lädt der Burgbachfelsen mit einem Pavillon zur Pause ein – mit Blick weit über das Wolftal.

der Burgbachwasserfall  | © Sunhikes
der Burgbachwasserfall mit 32 Meter Fallhöhe

Glaswaldsee – Schwarz, still, eiszeit-alt

Tiefer im Naturschutzgebiet liegt der Glaswaldsee: ein moorig-dunkler Karsee, eingebettet in den steilen Osthang der Lettstädter Höhe. Gletscher haben das Becken in der letzten Eiszeit aus Buntsandstein herausgeschabt. Das Wasser ist bis zu 11 Meter tief, unterirdische Quellen halten es lebendig. Der See hat etwas Archaisches, Unberührtes – und der Name erinnert an eine ganz andere Industrie: Frühere Glashütten benötigten enormes Holz, der See diente einst der Holztrift.

Karsee Glaswaldsee | © Sunhikes
der Glaswaldsee: ein moorig-dunkler Karsee

Wanderungen rund um Bad Rippoldsau

Klösterle Schleife – 8,1 km, der klassische Einstieg

Der Genießerpfad Klösterle Schleife ist die Tour für alle, die Bad Rippoldsau das erste Mal erleben wollen. Start am Kurhaus, leicht ansteigend durch lichte Wälder, dann die Wolfsschlucht – moosig, kühl, fast ein bisschen märchenhaft. Am „Schießhüttele" öffnet sich der Blick auf die Wallfahrtskirche Mater Dolorosa, danach kommt der Burgbachfelsen, dann der Wasserfall. Auf der Himmelsliege legt man sich kurz hin, schließt die Augen. Fertig.

→ Wandern auf der Klösterle Schleife – Genießerpfad 
Rundwanderung | 8,1 km | 413 hm | moderat

Pavillon am Burgbachfelsen | © Sunhikes
Pavillon am Burgbachfelsen

Burgbachwasserfall zum Kinzigstausee – 14,9 km, die große Tour

Mehr Kilometer, mehr Landschaft: Der Weg führt vom Burgbachfelsen entlang der kleinen Kinzig, durch den Weiler Zwieselberg, zurück ins Wolftal. 617 Höhenmeter, moderat – aber lang genug, um wirklich anzukommen.

→ Wanderung Burgbachwasserfall zum Kinzigstausee 
Rundwanderung | 14,9 km | 617 hm | moderat

Talsperre der Kleinen Kinzig | © Sunhikes
Talsperre der Kleinen Kinzig

Teufelskanzel und Glaswaldsee – 16,7 km, Geschichte inklusive

Aus dem Wolftal hinauf zur Holzwälder Höhe, weiter zur Teufelskanzel – eine markante Buntsandsteinformation, an der laut Legende der Teufel predigte. Vom Kamm geht es zum Glaswaldsee. Ein Viertel der Strecke verläuft auf dem Westweg, dem ältesten Fernwanderweg Deutschlands (seit 1900, Pforzheim bis Basel). 603 Höhenmeter, moderat.

Felsen am Teufelskanzelweg | © Sunhikes
Felsen am Teufelskanzelweg

Kupferberg und AugenBlick – 11,3 km, Ausblick pur

Start in Schapbach, steil hinauf auf den Kupferberg, Pause an der Otmarhütte (an Sonn- und Feiertagen bewirtschaftet), weiter zum AugenBlick – einem der besten Panoramapunkte im oberen Wolftal.

→ AugenBlick-Runde Wolftal Kupferberg im Schwarzwald 
Rundwanderung | 11,3 km | ca. 520 hm | moderat

Wolf- und Bärenpark – 6,8 km, für alle

Die kürzeste und zugänglichste Tour der Region führt vom Rathaus Schapbach entlang der Wolf zum Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald – einem Tierschutzprojekt, das seit 2010 Bären, Wölfe und seit 2016 auch Luchse aufnimmt, die aus nicht artgerechter Haltung kommen. Auf einem 2,5 km langen Rundweg beobachtet man die Tiere in weitläufigen Freigehegen. 247 Höhenmeter, leicht.

→ Wandern zum Wolf- und Bärenpark über die Höll 
Rundwanderung | 6,8 km | ca. 250 hm | leicht

Der Kniebis: Zwischen zwei Schwarzwaldwelten

Der Kniebis ist kein Berg, den man bezwingt. Er ist ein Rücken, den man überquert – und dabei merkt, dass sich die Landschaft verändert. Hier verlief Jahrhunderte lang die Grenze zwischen Baden und Württemberg, heute verbindet er den Nationalpark Schwarzwald mit den Ferienregionen des Kinzigtals.

Im Sommer ist der Kniebis Nordic-Walking- und Wandergebiet. Der Kniebiser Heimatpfad ist als Premiumwanderweg ausgezeichnet, Ziele wie Sankenbachsee und Buhlbachsee laden zur ruhigen Rast ein.

der Buhlbachsee bei Zuflucht | © Sunhikes
der Buhlbachsee bei Zuflucht

Kniebis zum Glaswaldsee – 20,7 km, der große Bogen

Die anspruchsvollste Tour ab Kniebis: 20,7 km entlang des Westwegs hinunter zum Glaswaldsee, weiter zur Grünen Sitzbank mit Blick ins Wolftal, zurück über den Eichelbach. 578 Höhenmeter – aber die Aussichten über Rheinebene und Renchtal machen jeden Meter wett. Schwer.

→ Von Bad Rippoldsau zur Teufelskanzel und zum Glaswaldsee    
Rundwanderung | 20,7 km | 603 hm | moderat

der Glaswaldsee im Mittleren Schwarzwald | © Sunhikes
der Glaswaldsee im Mittleren Schwarzwald

Westweg Etappe 5 – Alexanderschanze zum Harkhof, 16,9 km

Der sanftere Teil des Westwegs. Breite Forstwege, Höhenrücken, und immer wieder unerwartete Ausblicke durch Schneisen, die Orkan Lothar hinterlassen hat. Highlight: der Glaswaldsee, eines der „Blauen Augen" des Schwarzwalds.

→ Westweg Etappe 5 
Fernwanderweg | 16,9 km | 209 hm Aufstieg und 461 hm Abstieg | moderat

Wiesenlandschaft auf der Harkhöhe | © Sunhikes
Westweg Etappe 5 – Wiesenlandschaft auf der Harkhöhe

Alexanderschanze – Teufelskanzel & Wasserfälle, 11,6 km

Von der Alexanderschanze über den Bauernkopf, die Teufelskanzel, den Griesbacher Wasserfall, hinauf zum Haberer Turm – mit Blick über Dollenberg und Griesbächer Tal – abwechslungsreich.

→ Wandern von der Alexanderschanze zum Haberer Turm
Streckenwanderung | 11,6 km | 127 hm Aufstieg und 628 hm Abstieg | moderat

der Südliche Griesbacher Wasserfall | © Sunhikes
der Südliche Griesbacher Wasserfall

Tal der wilden Rench – 17,7 km, Wasser von Anfang bis Ende

Vom Kniebis-Gebiet zur gefassten Renchquelle auf 822 Metern, dann dem Fluss folgend hinunter nach Bad Griesbach. Die Landschaft wirkt hier besonders ursprünglich – kaum Infrastruktur, viel Natur, und auf dem Weg die historische Schwedenschanze von 1635. Einkehr an der Renchtalhütte mit Panoramablick. Moderat.

→ Von der Alexanderschanze durch das Tal der wilden Rench   
Streckenwanderung | 17,7 km | 351 hm Aufstieg und 852 hm Abstieg | moderat

Hausach: Westweg, Burg und Kirschtorte

Hausach liegt nahezu auf halber Strecke des Westwegs und ist damit einer der natürlichsten Haltepunkte der gesamten Route. Über dem Ort thront die Burg Husen – begehbarer Turm, weiter Blick über das Kinzigtal. 

Burg Husen bei Hausach im Schwarzwald | © Sunhikes
Burg Husen bei Hausach im Schwarzwald

Westweg Etappe 7 – Hausach zur Wilhelmshöhe, 20,8 km

Diese Etappe unterschätzt man leicht. 1.123 Höhenmeter Aufstieg, Farrenkopf, Prechtaler Schanzen, Huberfelsen, Karlstein – teils sehr steil, teils mühsam. Ab dem Karlstein wird der Weg sanfter, und die letzten Kilometer zur Wilhelmshöhe fühlen sich wie eine verdiente Belohnung an. 

→ Westweg Etappe 7 
Fernwanderweg | 20,8 km | 1.123 hm Aufstieg und 382 hm Abstieg | schwer

 Panorama vom Hotel Schöne Aussicht am Westweg | © Sunhikes
Westweg Etappe 7 – Panorama vom Hotel Schöne Aussicht

Hausacher Bergsteig – 13 km, Genießerpfad mit Charakter

Drei steile Auf- und Abstiege, 662 Höhenmeter, Ausblicke tief ins Kinzigtal. Dazu: die Burg Husen, die Hauserbacher Kapelle, ein 2,8 km langer Abenteuerpfad für Kinder. Und kein einziges Gasthaus auf der Route – stattdessen drei Naturkühlschränke mit Getränken. Eine ehrliche Schwarzwälder Lösung.

→ Genießerpfad Hausacher Bergsteig 
Rundwanderung | 13 km | ca. 662 hm | schwer

Turm der Burg Hussen am Hausacher Bergsteig | © Sunhikes
Turm der Burg Hussen am Hausacher Bergsteig

Weitere Highlights in der Region

Talsperre Kleine Kinzig – Stille Trinkwasser-Idylle

Die Talsperre Kleine Kinzig bei Alpirsbach ist die einzige Trinkwassertalsperre in Baden-Württemberg – und damit kein Ort für Wassersport, sondern für Ruhe. Ein 12 bis 13 km langer Rundweg führt um den See, der Wasserpfad Reinerzau eignet sich für Familien. Besonderheit: Führungen durch die technischen Anlagen, darunter ein Gang unter dem Stausee hindurch und der Aufstieg in den 70 Meter hohen Entnahmeturm.

Trinkwassertalsperre Kleine Kinzig | © Sunhikes
Trinkwassertalsperre Kleine Kinzig

Renchtalhütte – Einkehr mit Aussicht

Wer nach einer langen Tour etwas essen möchte, das mehr ist als ein Brotzeit-Riegel, ist in der Renchtalhütte bei Bad Peterstal-Griesbach richtig. Auf 800 Metern Höhe, Panoramablick über den Mittleren Schwarzwald, urige Atmosphäre mit 200 Jahre altem Scheunenholz. Auf der Karte: Elsässer Bäckeoffe, Maultaschen, Schwarzwälder Kirschtorte – und mittwochabends Livemusik. Die Hütte liegt direkt am Premiumwanderweg Wiesensteig.

die Renchtalhütte bei Bad Peterstal-Griesbach | © Sunhikes
die Renchtalhütte bei Bad Peterstal-Griesbach

Alle Wanderungen im Überblick

Wanderung

Schwierigkeit

Distanz

Aufstieg

Abstieg

Wolf- und Bärenpark über die Höll – Schapbach

leicht

6,8 km

247 hm

247 hm

Klösterle Schleife – Genießerpfad Bad Rippoldsau

moderat

8,1 km

413 hm

413 hm

AugenBlick-Runde Wolftal Kupferberg

moderat

11,3 km

520 hm

520 hm

Wandern von der Alexanderschanze zum Haberer Turm

moderat

11,6 km

127 hm

628 hm

Hausacher Bergsteig – Genießerpfad

moderat

13,0 km

662 hm

662 hm

Burgbachwasserfall zum Kinzigstausee

moderat

14,9 km

617 hm

617 hm

Wanderung Bad Rippoldsau zum Glaswaldsee

moderat

15,9 km

541 hm

541 hm

Von Bad Rippoldsau zur Teufelskanzel und zum Glaswaldsee

moderat

16,7 km

603 hm

603 hm

Westweg Etappe 5 – Alexanderschanze zum Harkhof

moderat

16,9 km

209 hm

461 hm

Von der Alexanderschanze durch das Tal der wilden Rench

moderat

17,7 km

351 hm

852 hm

Alexanderschanze über den Glaswaldsee zum Bahnhof Bad Peterstal

moderat

18,2 km

292 hm

865 hm

Vom Kniebis über den Höhenweg zum Glaswaldsee

schwer

20,7 km

578 hm

578 hm

Westweg Etappe 7 – Hausach – Wilhelmshöhe

schwer

20,8 km

1.123 hm

382 hm

Wanderpfad am Glaswaldsee | © Sunhikes
Wanderpfad am Glaswaldsee

Tipps für die Planung

Der Mittlere Schwarzwald funktioniert für alle: für Familien mit Kindern auf dem Bärenpark-Weg, für Ausdauerwanderer auf dem Westweg, für alle dazwischen auf der Klösterle Schleife oder dem Hausacher Bergsteig.

Wer mehrere Tage plant, findet in Bad Rippoldsau solide Unterkünfte – vom Hotel Ochsenwirtshof bis zum Schwarzwaldcamping Alisehof. Für Einkehr empfehlen sich der Klösterle Hof (gehobene Regionalküche), Zum Schlüssel (herzhafte Schwarzwälder Küche) oder die Alte Tränke mit Sonnenterrasse und Ziegengehege.

Festes Schuhwerk. Genug Wasser. GPX-Track aufs Handy. Der Rest ergibt sich von selbst.