Wo Steine sprechen und Riesen schlafen

Hoch oben auf einem Rhyolithfelsen, 550 Meter über dem Haseltal, hält die Burgruine Nideck seit Jahrhunderten Wacht. Rotes Mauerwerk, zerwühlt von Efeu und Zeit. Direkt darunter stürzt der Nideck-Wasserfall 25 Meter in die Tiefe – weißes Rauschen, Gischt, das Schweigen uralter Wälder. Wer das Château du Nideck besucht, betritt keinen gewöhnlichen Aussichtspunkt. Er betritt eine Erzählung.

Die Riesensage vom Nideck

Die Burg Nideck – im Elsässischen auch Niedeck genannt – ist der Schauplatz einer der bekanntesten Sagen des Elsass. Die Riesensage vom Nideck wurde von den Brüdern Grimm aufgezeichnet und von Adelbert von Chamisso in Verse gefasst. Eine Gedenktafel an seinem Bergfried erinnert bis heute an den Dichter.

In der Sage entdeckt die Riesentochter von Nideck bei einem Ausflug ins Tal die kleinen Bauern bei der Feldarbeit. Aus ihrer riesenhaften Perspektive erscheinen Menschen, Pflug und Gespann wie Spielzeug. Sie nimmt alles mit auf die Burg. Ihr Vater weist sie zurecht: Kein Brot ohne den Bauern. Sie trägt alles zurück.

Château du Nideck – Geschichte in Stein 

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg Nideck 1262 – auf Siegeln des Burggrafen Günther, eines Gefolgsmanns des Straßburger Bischofs. Im 14. Jahrhundert gelangte sie teils in den Besitz der Grafen von Leiningen und wurde zur Ganerbenburg mehrerer Straßburger Niederadeliger. 1454 nahm Ludwig von Lichtenberg sie als Raubritternest. Danach Stille. Vermutlich schon im 15. Jahrhundert aufgegeben, die abgelegene Lage ihr endgültiges Urteil.

Die Burganlage Nideck gliedert sich in zwei Teile. Ober-Nideck, um 1200 erbaut, zeigt Reste der Schildmauer aus Buckelquadern, eines Wohnturms und der Umfassungsmauern – mehr Andeutung als Architektur, aber genug, um sich das Ganze vorzustellen. Unter-Nideck, nach 1260 errichtet, bewahrt den bis heute aufragenden 20 Meter hohen quadratischen Bergfried, frühgotisch und erstaunlich gut erhalten.

Der Wasserfall – Stein, Wasser, Moos

Direkt unterhalb der Ruine stürzt die Cascade du Nideck 25 Meter über rötliches Porphyrgestein in die Tiefe – vulkanisch erstarrt vor rund 250 Millionen Jahren. Das Wasser zerstäubt beim Aufprall, in der Spritzzone wachsen dicke Moospolster. Kühle Luft, feuchter Fels, satte Farben. Der Nideck-Wasserfall gehört zu den eindrucksvollsten Naturdenkmälern der Nordvogesen und bildet zusammen mit der Burgruine Nideck eines der schönsten Ausflugsziele im Elsass.

Wandern zu Burg und Wasserfall

Gut ausgebaute Wanderwege Nideck führen vom Forsthaus Maison forestière du Nideck und von der nahe gelegenen Auberge Moosberg – beide an der RD 218 zwischen Oberhaslach und Wangenbourg – zu Burg und Wasserfall. Die Rundwanderung Nideck verbindet beide Ziele auf engem Raum: zuerst der Wasserfall im Tal, dann der Aufstieg zur Burgruine, schließlich der Blick zurück über das Haseltal. Im Frühjahr begleitet die Ginsterblüte den Weg in leuchtendem Gelb, im Herbst färbt sich der Vogesenwald tief und warm. Eine Route, die zu jeder Jahreszeit trägt.

Anreise

Die Burgruine Château du Nideck befindet sich in den elsässischen Vogesen im Département Bas-Rhin in der Gemeinde Oberhaslach etwa 35 Kilometer westlich von Straßburg. Mit dem Auto führt die Route über Molsheim und Rosheim nach Oberhaslach, von dort weiter auf der D218 Richtung Wangenbourg. Parkmöglichkeiten bestehen am Forsthaus Nideck und bei der Auberge Moosberg direkt an der Straße. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Molsheim per Zug erreichbar; von dort verbinden regionale Buslinien nach Oberhaslach.

Author Sunhikes | © Sunhikes
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