GR 132: Rundwanderung über die Cumbre de Chijeré von Chorros de Epina zur Punta de Alcalá
Tourencharakter
Weite, Erosion, Stille – so lässt sich diese Rundwanderung über die Cumbre de Chijeré auf La Gomera in drei Worten fassen. Rund 21 km und 754 Höhenmeter führen von den Chorros de Epina hinauf zum Mirador Punta de Alcalá und auf einer eigenen Route zurück – eine schwere, anspruchsvolle Tour, die Palmenhaine, uralte Kapellen und eine Landschaft durchquert, die eher an einen versteinerten Meeresboden erinnert als an eine Insel im Atlantik. Durch das ständige Auf und Ab zählt sie zu den konditionell forderndsten Wanderungen der Insel – ein gutes Einteilen der Kräfte ist hier Pflicht.
Hintergrundinformationen
Die Cumbre de Chijeré ist eine geologische Besonderheit La Gomeras: Als sich die Insel vor Millionen Jahren aus dem Meer erhob, wurde eine Gesteinsplatte aus den tiefsten Schichten des Atlantiks mit nach oben gedrückt. Bis heute erinnern ockerfarbene Böden, Muschelsand und bizarre Erosionsformen an diesen Ursprung – eine Landschaft wie ein versteinerter Meeresboden, die sich deutlich von den feuchten Lorbeerwäldern des Inselinneren abhebt. Die eingeschlossenen marinen Ablagerungen, Fossilien und Muschelreste im Gestein sind dabei ein anschaulicher geologischer Beweis für die Entstehungsgeschichte der Kanarischen Inseln. Ähnlich alt ist der Basaltkomplex, dem man auch abseits der Cumbre begegnet: erstarrte Gasblasen im Lavagestein und in Asche eingeschlossene Vulkanbomben zeugen von einer noch früheren Epoche vulkanischer Aktivität. Nahe der Küste liegt das Naturdenkmal Monumento Natural de los Órganos, dessen volle Dimension sich allerdings nur vom Meer aus erschließt.
Entlang des Bergrückens geben zwei kleine Kapellen dieser kargen Landschaft ein menschliches Maß: die Ermita de Santa Clara am südlichen Ende der Cumbre mit Blick auf die Nordwestküste und den Weiler Arguamul, sowie die einsam gelegene Ermita de Nuestra Señora de Coromoto, 1985 von einem venezolanischen Ehepaar errichtet. Verlassene Terrassen und die Ruinen des alten Weilers Chijeré erzählen von Menschen, die einst diese steilen Hänge bewirtschafteten – ebenso wie die Cañada de Teheta bei Epina, wo bis heute Guarapo, der süße Palmensirup, gewonnen wird.
Routenbeschreibung
Von den Chorros de Epina nach Epina
Vom Parkplatz der Chorros de Epina nahe dem Restaurante Los Chorros de Epina an der GM-1 führt der Weg zunächst durch lichten Heide- und Farnwald abwärts zu den Quellen Chorros de Epina. Dann geht es weiter abwärts zur Straße CV-16 und weiter zum kleinen Dorf Epina. Zwischen Agaven, Feigenkakteen und Palmen verengt sich der Pfad, bevor er über eine letzte Treppe die ersten Häuser des Dorfes erreicht.
Durch die Cañada de Teheta
Hinter Epina wechselt die Vegetation: Heidekraut und Wacholder, durchsetzt von Ginster und vereinzelten Palmen, prägen nun das Bild. Wo der Weg ein kleines Schluchtbett quert, wachsen Brombeeren, Farne und Agaven – ein feuchter, grüner Kontrast zum sonst trockenen Gelände. Nach einem kurzen Auf und Ab erreicht man die Cañada de Teheta mit ihrem dichten Palmenhain und den alten Brennofen-Ruinen. An der einstigen „Era de Teheta", einem früheren Treffpunkt der Guanchen, verlässt der Pfad den Palmenhain wieder.
Über Tazo und Arguamul zur Ermita de Santa Clara
Ein kurzes Stück auf einem breiteren Feldweg führt vorbei am Fuß des Berges Puntilla zur Abzweigung nach Tazo und Arguamul – hier liegt einer der artenreichsten Palmenbestände der Kanaren. Danach wird die Vegetation karger: typisches kanarisches Buschland begleitet den Übergang zwischen Lorbeerwald-Resten und Küstenvegetation.
Der Weg führt weiter unterhalb des heidebewachsenen Berges La Caldera (891 m), vorbei an den Schluchten von La Higuera und Bejira, und umrundet den Basaltberg Teselinde (876 m). Man erreicht den Rastplatz mit Grillstellen an der Terrasse der Ermita de Santa Clara – ein lohnender Ausblick auf das steile Arguamul-Tal und, bei klarer Sicht, auf La Palma und El Hierro. Ein Wegkreuz mit einer Inschrift für Pilger markiert diesen Punkt.
Entlang der Schlucht von San Juan
Unter dichtem Fayal-Brezal führt der Pfad weiter, gesichert von Holzgeländern an den steilsten Passagen. Hoch über der Schlucht von San Juan liegt das nur schwer erreichbare Dorf Arguamul. Ein kurzer Abstecher für den Ausblick zur Küste lohnt sich: Der Blick reicht bis nach La Palma, während der Teide noch immer hinter einem am Horizont sichtbar bleibt.
Terreno de las Brujas und Chijeré
Der Weg quert einen wachsenden Bestand aus Baumheide und führt zur Abzweigung „Terreno de las Brujas" – dem Land der Hexen, mit einem kleinen Stausee und einer Anlage zur Wassergewinnung aus Tau und Nebel, umgeben von stark erodierter, uralter Landschaft. Von dort verläuft der Pfad auf der Schattenseite des Hügels flacher weiter, vorbei an der Ermita de Coromoto und weiter nach Chijeré mit seinen alten Terrassenmauern. Wer mag, geht hier noch ein Stück über die Erosionsflächen bis zur nächsten Abrisskante – von dort erhascht man einen Blick auf die Küstenlandschaft der Los Órganos von oben.
Ziel: Mirador Punta de Alcalá
Weiter geht es zum Ziel der Wanderung, dem Mirador Punta de Alcalá – mit Tischen zum Verweilen und einem weiten Blick über das Vallehermoso-Tal, den Berg Alcalá und den majestätischen Teide, der oft in einem Wolkenmeer über Teneriffa thront.
Rückweg über den Cabezo de los Chiquerillos
Zurück geht es zunächst auf dem bekannten Weg entlang des GR 132. Rund 500 Meter nach der Ermita de Coromoto biegt man links auf einen breiten Fahrweg ab, der in einem Bogen um den 777 m hohen Cabezo de los Chiquerillos herum führt – ein Wegabschnitt mit ganz neuen Perspektiven auf das Tal von Vallehermoso. An der Ermita de Santa Clara laufen die Wege wieder zusammen. Nach etwa 1,5 km biegt man links auf den Camino de Epina a Santa Clara ab, der durch Fayal-Brezal-Vegetation bergauf zur Funkstation von Vallehermoso führt. Dort trifft er auf den GR 132, der von Vallehermoso zu den Chorros de Epina zurückführt – und schließt so die Runde zum Ausgangspunkt.
Hinweise + Tipps
Anreise
Ausgangs- und Endpunkt der Rundwanderung ist der Parkplatz an den Chorros de Epina nahe dem Restaurante Los Chorros de Epina an der GM-1, im Norden La Gomeras unweit des Dorfes Epina.
Tipps
- Beste Wanderzeit ist Oktober bis April, am besten am Morgen – nachmittags bilden sich häufig Wolken über der Cumbre.
- Verpflegung selbst mitbringen: Auf der gesamten 21 km langen Strecke gibt es keinerlei Einkehrmöglichkeiten – keine Bars, Restaurants oder Wasserquellen. Start und Ziel liegen zwar am Restaurant der Chorros de Epina, unterwegs ist man aber komplett auf sich allein gestellt. Ausreichend Trinkwasser und Proviant für die gesamte Strecke sind unverzichtbar.
- Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf dieser Tour Voraussetzung – besonders an den mit Holzgeländern gesicherten, aber teils sehr steilen Passagen über der Schlucht von San Juan und an den Abrisskanten der Erosionsflächen.
- An der Ermita de Santa Clara und dem Mirador Punta de Alcalá lohnen sich längere Pausen – beide Orte laden mit Bänken und Tischen zum Verweilen ein.
- Bei klarer Sicht reicht der Blick vom Bergrücken bis nach Teneriffa mit dem Teide, mitunter sogar bis La Palma – ein zusätzlicher Grund für einen möglichst wolkenlosen Tag.
- Aufgrund der Länge und der Höhenmeter früh starten und genug Zeitpuffer einplanen.
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