Auf 2.177 Metern, eingebettet zwischen Sommerstein (2.308 m) und Breithorn (2.504 m), liegt das Riemannhaus wie ein stiller Wächter über dem Talbecken von Maria Alm. Wer die Hütte betritt, spürt sofort die alpine Geschichte, die sich in jedem Balken und Stein spiegelt. Die ursprüngliche Hütte wurde 1885 eröffnet und trägt den Namen von Rudolf Ehrenfried Riemann, dem visionären Vorsitzenden der Sektion Zell am See des Deutschen Alpenvereins. Heute bietet das Riemannhaus 120 Schlafplätze und dient als Ausgangspunkt für zahlreiche Gipfeltouren, Übergänge und Alpenüberquerungen im Steinernen Meer. 

Historische Wurzeln und Namenspatron 

Rudolf Riemann, geboren 1825 in Posen, setzte sich mit Herzblut für die Alpen ein. 1872 bis 1880 führte er die Sektion Zell am See, während er gleichzeitig den Ramseidersteig finanzierte – den Aufstieg zur Ramseider Scharte, an der das Riemannhaus liegt. Die Eröffnung 1885 war ein Fest für die Berggemeinschaft, obwohl Riemann selbst bereits schwer erkrankt war und wenige Wochen später verstarb. Ein Bildnis erinnert bis heute an ihn, eingebettet in die Wände der Hütte, als stilles Andenken an den Gründer. 

Anreise zum Riemannhaus 

Es gibt mehrere Zugänge, die Trittsicherheit und Kondition erfordern: 

  • Von Maria Alm (Parkplatz Sandten, 1.100 m) über den versicherten Hüttenweg, Gehzeit: 2,5 Stunden. 

  • Von Saalfelden-Kaltenbachtal (850 m) über den Ramseider Steig, mittel, Gehzeit: 4 Stunden. 

  • Von Sankt Bartholomä am Königssee (605 m, erreichbar mit Boot) über das Kärlingerhaus, Gehzeit: 7 Stunden. 

Jede Route eröffnet spektakuläre Ausblicke auf das Steinerne Meer und die umliegenden Berchtesgadener Alpen, von stillen Almwiesen bis zu schroffen Felstürmen. 

Gipfel und Kletterabenteuer 

Direkt vom Riemannhaus aus lassen sich zahlreiche Gipfel erklimmen: 

  • Sommerstein (2.308 m), Gehzeit 30 Minuten, ideal für einen schnellen Panoramablick.
  • Breithorn (2.504 m), Gehzeit 1,25 Stunden, mittelschwere Route über die Nordostseite.
  • Schönfeldspitze (2.653 m), Schwierigkeitsgrad I–II nach UIAA, Haken- und Stiftsicherung an Schlüsselstellen. 

Für Kletterfans locken Routen am Sommerstein bis VII+ und am Breithorn (V+), bei denen der anstrengende Zustieg entfällt, wenn die Übernachtung in der Hütte erfolgt. 

Übergänge im Steinernen Meer 

Die zentrale Lage macht das Riemannhaus zum Knotenpunkt vieler Weitwanderwege

  • Peter-Wiechenthaler-Hütte: 3,5–4,5 Stunden, über Breithorn, Mitterhorn, Persailhorn, Schwierigkeitsgrad I–II, teilweise gesichert. 

  • Ingolstädter Haus: über Eichstätter Weg, mittel, Gehzeit 3,5 Stunden. 

  • Kärlingerhaus: 3,5 Stunden, über Salzburger Kreuz und Funtensee. 

  • Franz-Eduard-Matras-Haus: 10–12 Stunden, anspruchsvolle Tour über Hochplateau und Herzogsteig, Grödel und Pickel können erforderlich sein. 

Der Nordalpenweg und der Rupertiweg kreuzen hier, ebenso die Europäischen Fernwanderwege E4 alpin und E10, sodass sich das Riemannhaus perfekt als Basislager für lange Alpenüberquerungen eignet. 

Natur erleben und ausruhen 

Die Terrasse der Hütte bietet einen unvergesslichen Blick über das Steinerne Meer. Am Abend tauchen die Felsen in rötliches Licht, während das Tal langsam in Schatten versinkt. Nach einer Wanderung auf Sommerstein oder Breithorn kann man die Füße hochlegen, den Duft von Holz und frischer Bergluft genießen und den Tag in den Bergen ausklingen lassen. 

Im Winter dient das Riemannhaus als Stützpunkt für Skitouren, der Winterraum bietet Platz für bis zu sechs Personen. Auch dann bleibt die alpine Atmosphäre erhalten, wenn der Schnee die Landschaft in ein stilles, funkelndes Weiß taucht. 

Anfahrt und praktische Hinweise 

Mit dem Auto führt der Weg über Maria Alm bis zum kostenfreien Parkplatz Sandten. Von dort startet der Zustieg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man über Saalfelden und regelmäßige Busverbindungen nach Maria Alm. Für ambitionierte Wanderer beginnt das Abenteuer direkt an der Hütte.

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team