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Was gibts in St. Blasien? Kuppel, Schlucht & Schwarzwaldseele

Südlicher Schwarzwald
, Schwarzwald , Deutschland
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Man nähert sich St. Blasien und fragt sich kurz, ob man richtig ist. Dichter Tannenwald, ein enges Tal, die Alb rauscht irgendwo unten – und dann: Diese Kuppel. Weiß. Riesig. Vollkommen fehl am Platz und doch wie selbstverständlich hier. Willkommen in einem der seltsamsten und schönsten Flecken des Schwarzwalds

Der Dom – ein Gigant mitten im Wald 

Der Dom St. Blasien ist kein Gebäude, das man erwartet. Mit 36 Metern Kuppeldurchmesser ist er nach dem Petersdom in Rom und dem Invalidendom in Paris die drittgrößte Kirchenkuppel Europas – und er steht nicht in einer Metropole, sondern zwischen Schwarzwaldhängen und Mischwäldern. 

Der Innenraum ist komplett in strahlendem Weiß gehalten. Keine goldenen Altäre, keine dunklen Holzbänke, die das Licht schlucken – stattdessen eine fast schwebende Helligkeit, die den Raum größer macht, als er ohnehin schon ist. Man tritt ein und hält unwillkürlich die Luft an. 

Der Eintritt ist frei. Wer Glück hat, erwischt ein Orgelkonzert – die Akustik ist legendär, das Echo phänomenal. 

Der Brand, der den Dom formte 

Die heutige Kuppel ist nicht die ursprüngliche. Am 7. Februar 1874 brach in einer im Klosterkomplex ansässigen Baumwollspinnerei Feuer aus – ein glimmender Docht reichte, um die hölzerne Originalkuppel und weite Teile der Klostergebäude in Schutt zu legen. Was danach entstand, ist die markante Eisenkonstruktion, die 1883 fertiggestellt wurde, ergänzt durch eine moderne Innenkuppel aus Eisenbeton. Ein Unglück, das dem Dom seine endgültige Gestalt gab. 

Geschichte, die man spürt 

St. Blasien ist kein Ort, der seine Vergangenheit versteckt. Alles begann im 9. Jahrhundert mit einer kleinen Einsiedelei – Benediktinermönche aus dem Kloster Rheinau brachten Reliquien des heiligen Blasius hierher. Daraus wuchs eines der mächtigsten Klöster im deutschsprachigen Raum. 

Seinen Höhepunkt erlebte der Ort im 18. Jahrhundert unter Fürstabt Martin Gerbert: St. Blasien wurde zum Zentrum für Wissenschaft und Musik. Nach dem verheerenden Brand von 1768 ließ Gerbert den heutigen Dom im frühklassizistischen Stil errichten – Einweihung 1783. 

Mit der Säkularisation 1806 war es vorbei mit dem Klosterleben. Die Mönche zogen mitsamt Kunstschätzen und den Gebeinen früher Habsburger ins Stift St. Paul in Kärnten. Im 19. Jahrhundert übernahm die Industrie – eine Spinnerei zog ein. Später wurde St. Blasien zum exklusiven Lungenkurort, in dem sich die europäische Elite erholte. Etwas davon spürt man noch heute. 

Das Kolleg – Jesuiten mitten im Schwarzwald 

Direkt an den Dom schmiegt sich die ehemalige Benediktinerabtei, heute Heimat des Kolleg St. Blasien – eines der renommiertesten Jesuiten-Internate Deutschlands. Die barocke Klosteranlage prägt das gesamte Stadtbild und gibt dem Ort seine eigentümliche Mischung aus Strenge und Weiträumigkeit. 

Windbergschlucht – wo der Weg dramatisch wird 

Nur wenige Gehminuten vom Domplatz entfernt beginnt eine andere Welt. Die Windbergschlucht ist eng, feucht, laut – Wasser überall, bemoose Felsen, Holzstege über rauschenden Rinnsalen. Der Weg führt über Brücken und Treppen hinauf zum Windbergwasserfall, einem der schönsten Wegziele rund um St. Blasien. 

Es ist auch der krönende Abschluss der 4. Etappe des Schluchtensteigs: Man steigt durch die Schlucht ab, und plötzlich öffnet sich der Wald – und da steht dieser Dom. 

Hinweis Ausrüstung: Die Holzstege in der Schlucht sind durch die Gischt oft feucht – auch bei trockenem Wetter ist trittsicheres Schuhwerk Pflicht. 

Albtal & Albstausee – Stille flussabwärts 

St. Blasien liegt im tief eingeschnittenen Tal der Alb. Wer flussabwärts wandert, erreicht den Albstausee – ein ruhiges Gewässer, eingefasst von steilen Waldhängen. Hier ist es still auf eine andere Art als im Dom: keine Stille aus Stein, sondern eine aus Wasser, Wind und Wald. 

Die Strecke Richtung Häusern bietet dabei tolle Blicke auf die Staumauer des Albstausees – ein Geheimtipp, den viele Durchreisende verpassen. 

Kurpark & Wildgehege – für alle, die es ruhiger mögen 

Wer nach Kilometern im Gelände einfach ankommen will, findet im Kurpark an der Alb den richtigen Ort. Bänke, Bäume, Wasser. Wer noch etwas Energie hat, wandert zum Wildgehege am Haus des Gastes – Rotwild und Steinböcke lassen sich aus nächster Nähe beobachten. 

St. Blasien als Wanderknotenpunkt 

Kaum eine Stadt im Südschwarzwald ist so gut erschlossen wie St. Blasien. Drei große Routen kreuzen sich hier: 

Der Schluchtensteig – einer der spektakulärsten Fernwanderwege Deutschlands – nutzt St. Blasien als Übergang zwischen seiner 4. und 5. Etappe. Der Albsteig folgt dem Flusslauf der Alb vom Feldberg bis zum Rhein, mit St. Blasien als Herzstück. Dazu kommt der klassische Fernwanderweg Pforzheim–Waldshut

→ Schluchtensteig Etappe 4: Fischbach – St. Blasien 

Rund 20 km, etwa 6 Stunden, mittelschwer. Das Highlight: der Abstieg durch die Windbergschlucht direkt in die Stadt – und der Moment, wenn zwischen den Tannen plötzlich die Domkuppel auftaucht. 

Schluchtensteig Etappe 5: St. Blasien – Todtmoos 

Rund 19 km, etwa 6 Stunden, schwer. Viel Aussicht, stille Waldpfade hoch über dem Albtal. Die Etappe führt am Albstausee vorbei und über den felsigen Bildstein zum Lehenwieser Stein – einem einsamen Aussichtspunkt mit Schutzhütte, ideal für eine Rast mit Blick ins Tal. 

Kleine Runde für Kurzentschlossene 

Wer nicht den ganzen Schluchtensteig läuft: Die Windbergschlucht-Runde ab dem Domplatz ist mit rund 4 km überschaubar, aber eindrucksvoll. 

Einkehren & Ankommen 

In der verkehrsberuhigten Innenstadt rund um den Domplatz gibt es Cafés und Restaurants für jeden Geschmack – das Dom-Hotel und das Café Ell sind bewährte Anlaufstellen nach einer langen Etappe. 

St. Blasien – mehr als eine Durchgangsstation 

Man könnte St. Blasien als Etappenort abhaken. Dom anschauen, weiterziehen. Aber das wäre schade. Denn dieser Ort hat etwas, das man nicht sofort benennen kann: eine Mischung aus Größe und Abgelegenheit, aus Geschichte und Wildnis, aus Stille und Rauschen. Man braucht ein bisschen Zeit, um das zu spüren. 

Und spätestens beim Abstieg aus der Windbergschlucht, wenn die Kuppel zwischen den Bäumen auftaucht – dann versteht man es.