Wer den Westweg zwischen Pforzheim und Basel entlangwandert, stößt auf knapp 1.000 Metern Höhe auf einen Felsen, der sich schweigend über den Mittleren Schwarzwald erhebt: den Karlstein am Hauenstein. Granitblöcke, rau und verwittert, schichten sich hier zu einer Kuppe auf 968,9 Metern – einem der markantesten Aussichtspunkte am Westweg. Die Ostseite fällt etwa 20 Meter steil ab – ein jäher Rand, der die Wucht des Felsens erst spürbar macht.

Der Blick öffnet sich weit nach Osten und Süden. Waldhügel, Täler, Stille. Nach Norden und Westen schiebt sich dichter Wald vor den Horizont – der westliche Bergrücken läuft fast auf gleicher Höhe, ein stummer Gegenüber.

Der Karlstein: Ein Fürstenname für einen Gipfel

Ursprünglich trug der Felsen denselben Namen wie der Berg selbst: Hauenstein. Das änderte sich am 23. Juli 1770, als Herzog Carl Eugen von Württemberg den Gipfel bestieg. Zu seiner Zeit galt der Stein als höchster Punkt im Herzogtum – ein kurzer Ruhm, denn mit der Rheinbundakte von 1806 übernahm der Schwarze Grat diesen Rang. Der wahre Höhepunkt Württembergs lag ohnehin woanders: am Dreifürstenstein unterhalb des Hornisgrinde.

Der Name Carl Eugens blieb. Am 7. Juli 1991 betrat Carl Herzog von Württemberg denselben Fels und stiftete eine Metalltafel – ein Echo über Jahrhunderte, das die verwitterte Inschrift des alten Gedenksteins bewahrt.

Vierländereck: wo Grenzen sich trafen

Bis 1805 war der Karlstein mehr als ein Aussichtspunkt – er war ein politischer Kreuzungspunkt. Hier berührten sich die Territorien der Markgrafschaft Baden, Altwürttembergs, des Fürstentums Fürstenberg und Vorderösterreichs

Der Pressburger Frieden vom 26. Dezember 1805 löste die österreichischen und fürstenbergischen Anteile auf; sie fielen an Baden. Der Grenzvertrag vom 2. Oktober 1810 zwischen Württemberg und dem Großherzogtum Baden machte schließlich Hornberg – und mit ihm den württembergischen Teil des Karlsteins – badisch.

Geologie: Wollsäcke aus der Tiefe der Zeit

Der Granitfels zeigt, was Jahrmillionen Erosion aus hartem Gestein formen: gerundete Blöcke, die sogenannte Wollsackverwitterung. Der Karlstein steht als Geotop und Naturdenkmal unter besonderem Schutz – ein Stück geologisches Gedächtnis des Schwarzwalds.

Schalensteine: Rätsel aus der Jungsteinzeit

Im Granit sind schüsselförmige Vertiefungen zu erkennen – Schalensteine, wie sie im Volksmund heißen. In rund 200 Metern Umkreis wurden Steinwerkzeuge gefunden, was auf eine Nutzung in der Jungsteinzeit (Neolithikum) hindeutet: möglicherweise eine Kultstätte, vielleicht ein Siedlungsplatz. Doch die Forschung ist sich nicht einig – natürliche Erosion könnte dieselben Mulden geformt haben. Das Rätsel bleibt offen.

Wanderhinweis: Karlstein am Westweg

Der Karlstein liegt unmittelbar am Westweg (Etappe 7: Hausach nach Wilhelmshöhe) im Ortsteil Niederwasser der Gemeinde Hornberg. Wer den Fernwanderweg geht, passiert ihn zwangsläufig – und sollte hier innehalten. 

Author Sunhikes | © Sunhikes
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