Wandern in Hauenstein: Paddelweiher, Winterkirchel, Dicke Eiche und Queichquelle
Tourencharakter
Geschichte, Stille und Weitblick: Diese Rundwanderung ab dem Paddelweiher in Hauenstein gehört zu den eindrücklichsten im südlichen Pfälzerwald. Sie verbindet Naturerlebnisse mit Geschichte: ein historischer Arbeiterweg, eine Wallfahrtskapelle tief im Wald, ein gefälltes Naturdenkmal als stilles Mahnmal und die Queichquelle im idyllischen Stephanstal.
Die Tour ist familienfreundlich und gut markiert. Wer rastet, rastet gut – das Wanderheim Dicke Eiche bietet Pfälzer Küche mit Aussicht, die Paddelweiher-Hütte einen letzten Halt kurz vor dem Ziel.
Auf einen Blick
Startpunkt: Paddelweiher, Hauenstein (Parkplatz Farrenwiese)
Charakter: Rundwanderung, abwechslungsreich, historisch
Markierung: gut, GPS-Track empfohlen
Einkehr: Wanderheim Dicke Eiche, Paddelweiher-Hütte
Hintergrundinformationen
Hauenstein im Pfälzerwald: Schuhfabriken, Kapellen und Buntsandstein
Hauenstein war einst das Zentrum der pfälzischen Schuhfabrikation. Die Arbeiter pendelten täglich zu Fuß durch den Pfälzerwald – früh morgens hinein, abends im Dunkeln zurück. Dieser Alltag hat Spuren hinterlassen, die diese Wanderung sichtbar macht.
Die Felsen entlang der Route bestehen wie überall im Wasgau aus Buntsandstein der Trifels-Schichten – vor rund 250 Millionen Jahren abgelagert, heute durch Wind und Wasser in markante Formen geformt. Im Stephanstal entspringt die Queich und beginnt ihren 52 Kilometer langen Weg bis zum Rhein bei Germersheim.
Routenbeschreibung
Vom Paddelweiher in den Pfälzerwald
Startpunkt ist der Paddelweiher in Hauenstein (Parkplatz Farrenwiese) – ein beliebtes Ausflugsziel, an dem Bootsfahrten möglich sind und die Paddelweiher-Hütte mit kleinen Speisen und Getränken aufwartet. Von hier folgt man dem breiten Forstweg entlang des Queichtals nach Süden.
Der Alte Schuhfabrikarbeiterweg – Geschichte unter den Sohlen
Nach gut einem Kilometer zweigt der Alte Schuhfabrikarbeiterweg ab – ein historischer Pfad, der von Erfweiler nach Hauenstein führt und an das tägliche Pendeln der Schuhfabrikarbeiter im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erinnert.
Die Arbeiter standen um 5 Uhr morgens auf, um pünktlich um 7 Uhr an den Maschinen zu stehen. Nach einer zwölfstündigen Schicht liefen sie denselben Weg im Dunkeln zurück – um daheim oft noch Landwirtschaft oder Heimarbeit zu erledigen. Ein stiller Weg, der mehr trägt als man sieht. Man biegt rechts ab – gut 100 Höhenmeter bergauf in Richtung Winterberg, mit Ausblicken auf die Weiher im Stephanstal.
Winterkirchel – Waldkapelle zwischen Weltkriegen und Alltag
Auf dem Bergsattel des Winterbergs, genau zwischen Erfweiler und Hauenstein, liegt das Winterkirchel – offiziell: Waldkapelle Maria Himmelspforte. Die denkmalgeschützte Wallfahrtskapelle gilt als eines der emotionalsten Kulturdenkmäler der Region.
Ihre Entstehung ist eng verknüpft mit der Not der Weltkriegszeit und dem harten Alltag der pfälzischen Schuharbeiter. Stille Wände, ein paar Votivtafeln, Waldluft. Wer hier steht, versteht die Kapelle ohne Erklärung.
Auch heute ist das Winterkirchel ein aktiver Wallfahrtsort: Traditionelle Waldgottesdienste finden jährlich am 1. Mai und am 15. August (Mariä Himmelfahrt) statt.
Naturdenkmal Dicke Eiche – ein Mahnmal im Wald
Vom Winterkirchel führt ein angenehmer Wanderweg durch Buchen- und Kiefernwälder des Pfälzerwalds. Man passiert einen Aussichtspunkt mit Blick ins Stephanstal und erreicht das Naturdenkmal Dicke Eiche.
Das ursprüngliche Denkmal war eine rund 300 Jahre alte Traubeneiche auf dem Sorgenberg – ein mächtiges Wahrzeichen zwischen Hauenstein, Erfweiler und Schwanheim, bis sie einem der bekanntesten Umweltverbrechen der Pfalz zum Opfer fiel: In der Nacht zum 25. März 1994 sägten unbekannte Täter den Baum ein. Der Baum starb langsam. 2011 wurde er gefällt.
Was blieb: Der liegende Riese. Die Überreste des Stammes wurden bewusst liegen gelassen. Eine Nachfolge-Eiche wurde gepflanzt, Schautafeln dokumentieren die Kriminalgeschichte, eine Bank lädt zur Rast ein. Ein stilles, eindringliches Mahnmal.
Wanderheim Dicke Eiche – Einkehr mit Aussicht
Auf einem breiten Forstweg erreicht man wenig später das Wanderheim Dicke Eiche (405 m), auch als Hauensteiner Hütte bekannt. Die ehrenamtlich betriebene PWV-Hütte liegt hoch über dem Stephanstal und bietet schön gelegene Freisitzplätze mit Blick auf die Stephanstürme und den Wolfsfelsen. Gutbürgerliche Pfälzer Küche – ein wohlverdienter Halt.
Queichquelle, Stephanstürme, Paddelweiher – der Rückweg
Steile Serpentinen führen vom Wanderheim hinab zur Queichquelle im Stephanstal. Roter Buntsandstein, eine Sitzbank, das leise Rauschen des Quellwassers – hier beginnt die Queich ihren 52 Kilometer langen Weg bis zum Rhein.
Durchs Stephanstal folgt man dem breiten Talweg, vorbei am Platzturm und den markanten Stephanstürmen: zwei Buntsandsteinfelsen, bis zu 40 Meter hoch, beliebtes Klettergebiet im Wasgau.
Hinweis: Im Frühjahr können die Felsen aus Vogelschutzgründen gesperrt sein.
Das Tal verengt sich. Wiesen, Weiher, kühler Wald, Angelteiche. Am Paddelweiher vorbei zurück zum Ausgangspunkt am Parkplatz Farrenwiese.
Fazit
Die Rundwanderung ab Farrenwiese ist mehr als eine Wanderung durch den Pfälzerwald. Sie ist ein Gang durch Geschichte – auf dem Rücken der Schuharbeiter, vorbei an einer Wallfahrtskapelle, einem gefällten Riesen und dem Ursprung der Queich. Eine Tour, die Bilder hinterlässt.
Hinweise + Tipps
Anreise
Parkplatz Farrenwiese – kostenloses Eingangstor ins hintere Queichtal
Der kostenlose Wanderparkplatz Farrenwiese liegt am südlichen Ortsrand von Hauenstein und ist der zentrale Ausgangspunkt für Ausflüge zum Paddelweiher, zum Grillplatz, zum Spielplatz sowie für Wanderungen zum Winterkirchel und zur Dicken Eiche.
Mit dem Auto
Überregional erreicht man Hauenstein über die Bundesstraße B10 (Landau – Pirmasens), Ausfahrt Hauenstein. Im Ort folgt man der Hauptstraße und biegt kurz vor dem Ortsausgang in die Dahner Straße ab. Diese führt direkt auf das große, unbefestigte Waldparkplatzgelände am Waldrand.
Adresse fürs Navi: Dahner Straße (Ende der Straße), 76846 Hauenstein
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Mit der Regionalbahn bis Bahnhof Hauenstein Mitte, dann zu Fuß südwärts durch den Ort – vorbei an der Kneipp-Anlage und dem Altwiesenpark – zum Paddelweiher. Der Fußweg dauert etwa 15 bis 20 Minuten.
Hinweis: An sonnigen Wochenenden und Feiertagen ist der Parkplatz stark frequentiert. Frühe Anreise empfohlen.
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