Man steigt die letzten Stufen hinauf, tritt aus dem schmalen Treppenhaus ins Licht – und plötzlich liegt der ganze Wasgau zu Füßen. Der Martinsturm thront auf dem 503,7 Meter hohen Treutelsberg im südpfälzischen Klingenmünster, mitten im Herzen des Pfälzerwalds, und gehört zu den beliebtesten Aussichtstürmen der Südpfalz.
Ein Turm aus Dankbarkeit
Errichtet wurde der 14 Meter hohe Martinsturm im Jahr 1886 aus behauenem Sandstein – als „Verschönerungsturm" für den Treutelsberg. Seine Geschichte ist so ungewöhnlich wie anrührend: Zwei begüterte Brüder eines Patienten der damaligen Nervenklinik Klingenmünster finanzierten den Bau mit 800 Mark. Der Patient hieß Martin, und am 11. November 1886, seinem Namenstag, wurde der Turm feierlich eingeweiht. Zur Feier spendete die Familie weitere 200 Mark für Feuerwerk und Festessen in der Klinik – ein Zeichen des Dankes für die dort geleistete Arbeit. So erhielt der Aussichtsturm seinen Namen: Martinsturm.
Heute gehört der Turm dem Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie, steht unter Denkmalschutz und zählt zu den Kulturdenkmälern Klingenmünsters. In den 1990er Jahren wurde er umfassend renoviert, unter anderem mit einem neuen Kupferdach. Früher diente er auch dem Waldbrandschutz und im Krieg als Beobachtungsposten – heute hat er allein touristische Bedeutung.
Der Aufstieg zur Aussichtsplattform
44 Stufen führen hinauf zur überdachten Aussichtsplattform: elf über die vorgesetzte Freitreppe, danach 33 auf einer steilen Wendeltreppe durch das schwach belichtete Treppenhaus. Oben angekommen, umgibt eine hüfthohe Sandsteinbrüstung mit Geländer die Plattform, getragen von acht Holzpfosten unter dem achteckigen Kupferdach. Unten am Fuß des Turms laden Bänke zu einer wohlverdienten Rast ein, bevor es zurück in den Wald geht.
Der Ausblick entschädigt für jede Stufe: Bei guter Fernsicht reicht der Blick bis in den Schwarzwald, den Odenwald und die Vogesen. Näher am Auge liegen die Burgen Trifels, Anebos und Scharfenberg (Münz) sowie die Madenburg über Eschbach – ein Panorama, das die ganze Burgengeschichte der Südpfalz auf einen Blick zeigt. Von der Aussichtsplattform aus öffnet sich zudem der Blick ins Trifelsland, den Wasgau und die Rheinebene.
Wanderungen in der Umgebung
Der Martinsturm ist Ziel und Höhepunkt gleich mehrerer Wanderwege. Ein Aufstieg beginnt an der Pfalzklinik und führt, markiert mit einem grünen Dreieck auf weißem Grund, über die Burg Waldschlössel und die mittelalterliche Fliehburg Heidenschuh hinauf zum Turm. Alternativ erreicht man den Gipfel von Klingenmünster aus, markiert mit einem weißen Dreieck, über die Burg Landeck und die Marthaquelle.
Wer beide Routen verbinden möchte, wandert die Drei-Burgen-Wanderung (auch als Klingenmünsterer Burgenweg bekannt): ein rund 12 Kilometer langer Rundweg mit mindestens dreieinhalb Stunden reiner Gehzeit, der Waldschlössel, Heidenschuh und Landeck zu einer abwechslungsreichen Tour verbindet. Auch der Waldrohrbacher Turm- und Felsenweg führt zum Martinsturm.
Unterhalb des Turms liegt der Aussichtspunkt Treutelskopf – die mittlere und zugleich höchste der drei Kuppen des Treutelsbergs. Auf der nördlichen Kuppe befindet sich die Ruine Heidenschuh auf 457,3 Metern Höhe.
Anreise zum Ausgangspunkt
Der Gipfel des Treutelsbergs mit dem Martinsturm ist nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß erreichbar. Ausgangspunkt ist Klingenmünster im Landkreis Südliche Weinstraße – von dort führen die beiden markierten Wanderwege über die Pfalzklinik oder über die Burg Landeck hinauf zum Turm.
Tipps & praktische Hinweise
Die Geschichte hinter dem Namen: Anders als viele Türme, die nach Königen oder Generälen benannt sind, verdankt der Martinsturm seinen Namen einem Patienten der damaligen Nervenklinik in Klingenmünster. Seine wohlhabenden Angehörigen finanzierten den Bau 1886 aus tiefem Dank für die dortige Betreuung – ein historisches Zeugnis menschlicher Verbundenheit mitten im Pfälzerwald.
Wandern & Anbindung: Der Martinsturm ist nicht mit dem Auto erreichbar, sondern erfordert immer einen kleinen Fußmarsch durch den Wald – etwa ab der Pfalzklinik oder als Station des Klingenmünsterer Burgenwegs. Festes Schuhwerk ist für die teils steilen Waldpfade und die Wendeltreppe im Turm ein Muss.
Das Panorama: Wer den Aufstieg über die 44 Stufen meistert, wird an klaren Tagen mit einem echten Rundum-Blick belohnt: Rheinebene und Schwarzwald liegen im Dunst der Ferne, während die berühmten Nachbarburgen wie der Trifels bei Annweiler oder die Madenburg zum Greifen nah scheinen.
Auf einen Blick:
- Lage: Treutelsberg bei Klingenmünster, 503,7 m ü. NHN
- Turmhöhe: 14 m, Aussichtsplattform auf 12 m, 44 Stufen
- Baujahr: 1886, renoviert in den 1990er Jahren
- Zugänglichkeit: öffentlich zugänglicher Aussichtsturm, nur zu Fuß erreichbar
- Aussicht: Trifels, Anebos, Scharfenberg, Madenburg, bei klarer Sicht bis Schwarzwald, Odenwald und Vogesen
- Wanderwege: grünes Dreieck (via Waldschlössel & Heidenschuh), weißes Dreieck (via Burg Landeck), Drei-Burgen-Wanderung (ca. 12 km), Waldrohrbacher Turm- und Felsenweg
- Rastmöglichkeit: Bänke am Fuß des Turms