Wer den Drachenfels erreicht, steht auf einem der stillsten und zugleich aussichtsreichsten Plätze im Pfälzerwald. Fels, Wald und Sage verschmelzen hier zu einem Ort, an dem man kurz innehält, bevor der Blick über die Baumwipfel schweift.

Das Gipfelplateau: Westfels und Südfels

Westlich von Bad Dürkheim, eingebettet zwischen Isenachtal und Johanniskreuz, erhebt sich der Drachenfels auf 571 Meter – die höchste Erhebung des nördlichen Pfälzerwaldes. Kein spitzer Gipfel, sondern ein langgezogenes Buntsandstein-Plateau: 800 Meter lang, 300 Meter breit, mit mehreren Felsvorsprüngen und Aussichtspunkten. Wer hier oben steht, versteht, warum dieser Berg seit Jahrhunderten Geschichten anzieht.

Das rund 13 Hektar große Gipfelplateau des Drachenfels bei Bad Dürkheim ruht auf mächtigem Buntsandstein und fällt an den Rändern steil ab. Zwei Aussichtspunkte prägen den Ort.

Westfels – Donnersberg, Hunsrück, Kaiserslautern

Der Westfels wird über eine in den Fels geschlagene Treppe erklommen. Oben angekommen, liegt der Blick nach Norden frei: Donnersberg und Potzberg zeichnen sich am Horizont ab, bei guter Fernsicht sogar der Hunsrück. Klare Luft, offenes Land – ein stiller Einstieg ins Plateau.

Südfels – der weiteste Blick im Pfälzerwald

Der Südfels gilt als die eigentliche Hauptattraktion. Ein 180-Grad-Panorama öffnet sich über das grüne Wäldermeer des Pfälzerwaldes – bis zum Schänzel, zur Kalmit, zur Rheinebene und zum fernen Bismarckturm. Wenige Orte im Pfälzerwald zeigen so viel auf einmal.

Kammweg: Zwischen Wurzelpfad und Felsriff

Ein malerischer Kammweg verbindet beide Aussichtspunkte: ein schmaler Pfad, der teils über Buntsandsteinstufen, teils über Wurzelpfade führt. Wer wenige Schritte rechts und links vom Weg abweicht, entdeckt neben Fauna und Flora auch das langgezogene Buntsandsteinriff des Drachenfels.

Drachenhöhle und Durchblickkammer – tief im Fels

Unterhalb des Südfelsens liegt die Drachenhöhle, bereits 1873 vom Drachenfels-Club freigelegt. Ein schmaler Pfad führt über Sandsteinstufen am Fels entlang zu ihrem Eingang.

Ganz in der Nähe, im Umfeld des Hauptplateaus, öffnet sich die kleinere Drachenkammer, auch Durchblickkammer genannt. Der Zugang liegt versteckt zwischen den Felsspalten am Südfels, ehe Stufen hinab zur Kammer führen – ein kleines Abenteuer für alle, die genau hinschauen. Die Durchblickkammer schmiegt sich an das mächtige, steil aufragende Felsmassiv des Westfels.

Naturschutz, Geologie und Geschichte

Seit 1972 steht das Gipfelplateau als Naturschutzgebiet unter Schutz. Fels und Wald bilden einen empfindlichen Lebensraum, der Rückzugsort seltener Arten war – bis 1920 horsteten hier sogar Schlangenadler. Mit 570,8 Metern ist der Drachenfels die höchste Erhebung des Pfälzerwaldes nördlich der Linie Hochspeyerbach/Speyerbach – ein Fels mit Geschichte in mehreren Schichten.

Kelten, Römer, Heidenmauer – Geschichte auf dem Plateau

Auf dem Hochplateau des Drachenfels finden sich Reste einer alten Befestigungsanlage. Im westlichen Teil des Plateaus lassen sich zudem, unter dichtem Bewuchs kaum noch erkennbar, die Reste eines römischen Ringwalls erahnen. Forscher gehen davon aus, dass bereits Kelten den Berg befestigten – später nutzten auch Römer die strategisch günstige Lage. Wallanlagen, die sogenannte Heidenmauer, umgaben einst das Plateau. Der Berg lag an einer alten Heerstraße zwischen Rheinebene und Pfälzerwald. Wer hier geht, geht auf altem Grund.

Nibelungensage: Ein Drache im Volksmund

Der Name des Berges ist – ähnlich wie beim nahen Siegfriedsbrunnen – seit Generationen mit der Nibelungensage verknüpft. Der Überlieferung nach soll in den Höhlen des Berges einst ein feuerspeiendes Ungeheuer gehaust haben, das der Sage nach von Siegfried bezwungen wurde. Belegt ist diese Erzählung nicht – sie lebt als Volkssage weiter und verleiht dem Fels bis heute seine geheimnisvolle Aura.

Wandern am Drachenfels: Auf der Spur des Drachen

Der beliebte Rundwanderweg „Auf der Spur des Drachen" führt in rund zehn Kilometern vom Wanderparkplatz Saupferch hinauf zum Plateau, vorbei an Westfels, Drachenhöhle, Südfels und Durchblickkammer. Der Aufstieg verläuft über teils steile Waldpfade und dauert etwa 45 bis 60 Minuten – lohnenswert für jeden Schritt.

Einkehr am Saupferch

Direkt am Ausgangspunkt liegt die Waldgaststätte Zum Saupferch – Joma Darwiche, idyllisch im Tal des Stuttersbaches gelegen. Der Name erinnert an die historischen Schweinepferche, die einst im Pfälzerwald üblich waren. Vor oder nach der Tour zum Drachenfels lohnt sich eine Rast – aktuelle Öffnungszeiten sollten vorab geprüft werden.

Anreise zum Ausgangspunkt Saupferch

Mit dem Auto: Von Bad Dürkheim auf der B 37 Richtung Kaiserslautern / Enkenbach-Alsenborn, vorbei an Hardenburg und Jägerthal. Wenige hundert Meter nach dem Gasthaus Jägerthal zweigt links die Forststraße zum kostenlosen Wanderparkplatz Saupferch ab.

Mit Bus und Bahn: Bahnanreise nach Bad Dürkheim, von dort mit der Buslinie 485 bis zur Haltestelle „Hardenburg Abzw. Saupferch". Von hier führt ein rund zweikilometerlanger Fußweg (ca. 30 Minuten) entlang einer gesperrten Forststraße zum Parkplatz.

Author Sunhikes | © Sunhikes
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