Betritt man die Schlucht umfängt einen sofort die rohe Kraft der Natur. Das rauschende Wasser der Breitach donnert über Felsbänke, gurgelt durch tiefe Gumpen, spritzt als feiner Nebel gegen die Felsen und fängt das Licht in funkelnden Tropfen ein. Über 2,5 Kilometer und bis zu 150 Meter tief hat sich die Breitachklamm bei Oberstdorf in das harte Gestein gefräst und ist damit die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas – ein Erlebnis, das einem den Atem raubt. 

Schon die alten Namen zeugen von ihrer Macht: der Zwing, der große Zwing, ein Ort, an dem Naturgewalten spürbar sind. Sonnenstrahlen treffen auf kühle Felsen, Eiskristalle glitzern im Winter, Schneegestöber tanzt durch die engen Passagen. Licht und Schatten wechseln sich ab, immer begleitet vom ewigen Fluss der Breitach. 

Entstehung – die Kraft der Gletscher und der Breitach 

Die Breitachklamm entstand während der Gletscherschmelze am Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren. Während die Gletscher weiches Gestein abrissen, blieb das harte stehen, und die Breitach schnitt sich unaufhörlich ein. Heute arbeitet der Fluss täglich noch am Gestein – nur um einen millionsten Millimeter. 

Die Schlucht entstand am Ende eines Hängetals, in dem die Kräfte des Hauptgletschers stärker wirkten als die der Seitengletscher. So formte sich eine Klamm, wie sie extremer kaum sein könnte. Heute kann man auf gesicherten Wegen wandern und diese gewaltige Naturkraft erleben, ohne selbst in Gefahr zu geraten. 

Historische Erschließung – der Mut der Tiefenbacher 

Stellt man sich vor, wie die Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts hier standen, beeindruckt und eingeschüchtert zugleich. 1904 öffneten mutige Bewohner Tiefenbachs den Wanderweg durch die Klamm, angeführt vom Pfarrer Johannes Schiebel. Seit 1905 ist die Breitachklamm erschlossen – ein Meisterwerk menschlicher Beharrlichkeit, das den Respekt vor der Natur nicht mindert. 

Die Klamm beeindruckt mit senkrechten und überhängenden Wänden, an manchen Stellen fast hundert Meter hoch. Moose und Farne kleben an den feuchten Felsen, vereinzelte Fichten trotzen mutig der Schwerkraft. Jeder Schritt, jeder Blick ist ein Abenteuer. 

Naturwunder 2025 – Auszeichnung und Faszination 

Die Breitachklamm wurde 2025 zum Naturwunder des Jahres gewählt. Menschen stimmten in einer Aktion der Heinz Sielmann Stiftung und des Deutschen Wanderverbands ab – und die Klamm setzte sich gegen acht weitere Naturschönheiten durch. Wer hier wandert, versteht sofort, warum: Es ist ein Ort, an dem Wasser, Felsen und Licht eine atemberaubende Inszenierung liefern. 

Man kann die Klamm zu jeder Jahreszeit besuchen. Im Sommer erfrischt der kühle Wassernebel, im Herbst glitzern die Blätter im Sonnenlicht, und im Winter verwandeln sich Wasserfälle in glitzernde Eisvorhänge. 

Wanderwege – Rundwege und Erkundungen 

Auf den Rundwanderwegen der Breitachklamm, über den Zwingsteg und zur Alpe Dornach, wird man immer begleitet von tosenden Wassern, steilen Felsen und überraschenden Ausblicken auf die Oberstdorfer Berge. Für alle Sinne wird gesorgt: das Gurgeln des Wassers, die frische Luft, die grün schimmernden Moose und das Gefühl von Wildnis. 

Von Tiefenbach aus erreicht man den Haupteingang am Parkplatz P1, gut ausgeschildert von der B19. Alternativ fährt man bequem mit dem Bus vom Oberstdorfer Busbahnhof bis zur Klamm. Wer möchte, kann nach der Durchquerung direkt mit dem Bus zurück nach Oberstdorf fahren oder den ca. 1,5-stündigen Rundweg wählen. 

Breitachklamm im Winter – Märchen aus Eis 

Man betritt die Schlucht im Winter und ist sofort verzaubert. Glitzernde Eiszapfen, mächtige Eisvorhänge, erstarrte Wasserfälle und geheimnisvolle Höhlen verwandeln die Klamm in eine märchenhafte Winterlandschaft. Jeder Schritt knirscht im Schnee, jede Kurve eröffnet neue Perspektiven – ein Winterwandern-Erlebnis wie kein anderes. 

Fazit – das Naturerlebnis Breitachklamm 

Die Breitachklamm bei Oberstdorf ist mehr als ein Wanderziel: Sie ist ein Naturwunder, ein Abenteuer, eine Lehrstunde über die Kraft von Wasser, Eis und Zeit. Wer hier war, nimmt Erinnerungen mit, die nicht verblassen – von den tosenden Wassern über die schroffen Felsen bis hin zu den geheimnisvollen Moosen und Fichten.

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team