Wer zwischen Fridingen an der Donau und Beuron unterwegs ist, kommt an einer Stelle vorbei, an der sich Landschaft und Geschichte auf besondere Weise berühren. Hier, direkt unterhalb des auf seinem Felsen thronenden Schloss Bronnen, stand über Jahrhunderte die Bronner Mühle. Das alte Wehr im Fluss erinnert bis heute als einziges bauliches Relikt daran, dass hier einst die Wasserkraft der Donau genutzt wurde.

Auf einen Blick: Die Bronner Mühle stand am rechten Donauhang zwischen Fridingen und dem Jägerhaus, unterhalb von Schloss Bronnen. Erste Erwähnung 1409, Gebäude von 1732, Verkauf ans Kloster Beuron 1919. Am 17. Oktober 1960 zerstörte ein Bergrutsch die Mühle vollständig; drei Mitglieder der Müllerfamilie Frey kamen ums Leben, die fünfjährige Tochter Inge überlebte. Erhalten sind heute ein Gedenkstein und das historische Wehr in der Donau.

Lage der Bronner Mühle im Donautal

Nahe der ehemaligen Mühle liegt das Wasser der Donau gestaut und ruhig. Felswände und Wald spiegeln sich darin – ein Abschnitt, in dem sich naturnahe Flusslandschaft und historische Kulturspuren eng verbinden. Wer hier entlangwandert, erlebt das Donautal von seiner stillsten Seite: kein lautes Rauschen, sondern ein ruhig fließender Fluss, der die steilen, bewaldeten Hänge und den Himmel in sich trägt.

Geschichte der Bronner Mühle (1409–1960)

1409 kam die Mühle von der Herrschaft Bronnen an das Geschlecht derer von Enzberg zu Mühlheim – ein Besitzwechsel, der die Bronner Mühle fest in die Herrschaftsgeschichte des Donautals einband. Um 1580 errichteten die Enzberg-Mühlheim hier in ihrer kleinen Herrschaft Bronnen eine erste Mühle am Fluss. 1731 wurde sie abgebrochen, 1732 entstand ein größerer Neubau – jenes Gebäude, das über 200 Jahre Bestand haben sollte. Bis zu fünf unterschlächtige Wasserräder trieb das über ein Streichwehr zugeführte Wasser an; zur Mahlmühle gehörten zudem eine Hanf- und Flachsreibe sowie eine Ölmühle, deren Betrieb 1924 eingestellt wurde.

1919 verkaufte man die Mühle an das Kloster Beuron. 1949 übernahm Hugo Frey den Betrieb – seine Familie lebte bereits seit 1867 dort, er selbst war die fünfte Generation am Ort. Schon damals wusste er um die Gefahr: Der Hang oberhalb der Mühle war in Bewegung. Doch diesen über Generationen gewachsenen Lebensmittelpunkt zu verlassen, kam für ihn nicht infrage.

Der Bergrutsch am 17. Oktober 1960

Als der Druck des Hangs 1958 bereits gegen den Stall drückte, ließ Frey vorsorglich einen neuen Stall errichten – rund 100 Meter donauaufwärts, an einer Stelle, die nach geologischer Einschätzung als sicher galt.

Nach tagelangen, starken Regenfällen löste sich in der Nacht zum 17. Oktober 1960 gegen drei Uhr der Hang oberhalb der Mühle: rund 200 Meter breit, 100 Meter hoch, etwa 200.000 Kubikmeter Geröll- und Erdmassen. Die Wucht traf die Breitseite der Mühlengebäude und schob die Trümmer von Mühle und Stall rund zwölf Meter talwärts in Richtung Donau.

Gegen 7.45 Uhr entdeckte der Jägerhauswirt Karl Stehle das Ausmaß der Zerstörung und alarmierte die Rettungskräfte. Rund 200 Helfer arbeiteten stundenlang, größtenteils mit bloßen Händen, um die Verschütteten zu bergen. Drei der vier Bewohner – der 48-jährige Müller Hugo Frey, seine 47-jährige Frau Paula und ihr zwölfjähriger Sohn Walter – kamen dabei ums Leben. Als Einzige konnte die fünfjährige Tochter Inge lebend geborgen werden.

Ein geologisches Gutachten ordnete das Ereignis später als Naturereignis ein, das sich über Jahre hinweg verdeckt unter der Kieshalde vorbereitet hatte, ehe starke Durchfeuchtung durch die Regenfälle des Spätjahrs 1960 die Reibungskräfte im Hang überwand.

Gedenkstein und Bronner Wehr heute

Ein moosbewachsener Gedenkstein markiert heute den ehemaligen Standort der Bronner Mühle. Seine Inschrift fasst die wichtigsten Stationen zusammen: den Besitzwechsel 1409, den Verkauf an das Kloster Beuron 1919 und die vollständige Zerstörung am 17. Oktober 1960 – mit den Namen der drei Opfer, Hugo, Paula und Walter Frey.

Als einziges bauliches Relikt der einstigen Mühle besteht noch das Wehr in der Donau – jener Bauteil, der einst das Triebwasser für die Wasserräder aufstaute und dem Flussabschnitt bis heute sein ruhiges, spiegelndes Bild verleiht. Bis 1920 wurde am Bronner Wehr noch Energie gewonnen, ehe der Bau des Kraftwerks Fridingen es funktionslos werden ließ. Seither staut es das Wasser auf einer Strecke von mehr als zwei Kilometern. Der zuständige Landesbetrieb Gewässer plant inzwischen eine schonende Renaturierung dieses Flussabschnitts, bei der die Donau wieder freier fließen soll – das malerische Landschaftsbild und die Erinnerung an das historische Mühlenwehr sollen dabei erhalten bleiben.

Wandern zur Bronner Mühle: Route im Donautal

Die ehemalige Mühlenstelle liegt am Donautalweg zwischen Fridingen und dem Gasthaus Jägerhaus und ist Teil der Rundwanderung Donautal über Jägerhaus, Stiegelesfels und Mühle Bronnen. Der Weg führt entlang des ruhig fließenden Flusses, vorbei am alten Wehr, mit Blick auf die bewaldeten Hänge und hinauf zum schwer zugänglichen Schloss Bronnen.

Anreise zum Parkplatz Bergsteig

Als Ausgangspunkt eignet sich der Parkplatz Bergsteig kurz vor Fridingen an der Donau. Von dort führt ein befestigter Weg donauabwärts in Richtung Jägerhaus und weiter nach Beuron – die ehemalige Mühlenstelle liegt auf dieser Strecke. An Sonn- und Feiertagen gilt zwischen 9:00 und 19:00 Uhr ein Fahrverbot – an diesen Tagen empfiehlt sich die Anreise zu Fuß oder mit dem Rad.

Tipps für den Besuch

  • Besonders reizvoll am späten Nachmittag, wenn sich Licht und Felswände im ruhigen Wasser spiegeln
  • Kombination mit einer Einkehr im Gasthaus Jägerhaus lohnt sich
  • Blick hinauf zu Schloss Bronnen nicht verpassen

Häufige Fragen zur Bronner Mühle im Donautal

Wo lag die Bronner Mühle genau?

Die Bronner Mühle stand am rechten Donauhang zwischen Fridingen an der Donau und dem Gasthaus Jägerhaus, direkt unterhalb von Schloss Bronnen. Erhalten ist heute nur noch das Wehr im Fluss sowie ein Gedenkstein an der ehemaligen Standortstelle.

Wie alt war die Bronner Mühle?

Die Mühle reicht urkundlich bis ins Jahr 1409 zurück, als sie von der Herrschaft Bronnen an das Geschlecht derer von Enzberg zu Mühlheim kam. Das letzte Gebäude stammte aus dem Jahr 1732 und bestand bis zu seiner Zerstörung 1960 über 200 Jahre.

Was geschah am 17. Oktober 1960?

In der Nacht zum 17. Oktober 1960 löste sich nach tagelangen starken Regenfällen der Hang oberhalb der Mühle. Rund 200.000 Kubikmeter Geröll- und Erdmassen rissen die Mühlengebäude mit sich und zerstörten sie vollständig.

Wie erreicht man die Bronner Mühle zu Fuß?

Die ehemalige Mühlenstelle liegt direkt am Donautalweg zwischen Fridingen an der Donau und dem Gasthaus Jägerhaus und ist Teil der Rundwanderung Donautal über Jägerhaus, Stiegelesfels und Mühle Bronnen. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Bergsteig kurz vor Fridingen; von dort führt ein befestigter Weg donauabwärts, vorbei am alten Wehr, mit Blick auf die bewaldeten Hänge und hinauf zu Schloss Bronnen.

Ist die Bronner Mühle heute noch zu besichtigen?

Von der Mühle selbst ist nichts erhalten geblieben. Sichtbar sind heute ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Familie Frey sowie das alte Wehr in der Donau, das als einziges bauliches Relikt den Flussabschnitt bis heute prägt.

Author Sunhikes | © Sunhikes
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