Stiegelesfels: Der schroffe Felswächter über dem Donautal
Wo die Donau sich in engen Schleifen durch das Kalkgestein der Schwäbischen Alb windet, erhebt sich der Stiegelesfels über dem Tal. Steile Kalksteinwände und bewaldete Hänge prägen das Massiv. Von den Aussichtspunkten der Umgebung eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf das Durchbruchstal der Oberen Donau.
Stiegelesfels: Lage im Oberen Donautal
Das Gestein stammt aus dem Weißen Jura und ist rund 160 Millionen Jahre alt. Der Fels liegt bei Fridingen an der Donau im Landkreis Tuttlingen, unweit der kleinen Mattheiser Kapelle, die als stiller Zwischenstopp am Weg liegt.
Statt eines einzelnen, freistehenden Felszackens erwartet einen hier ein ganzer, weitläufig gestufter Felsenkamm mit steilen, stellenweise fast senkrechten Wänden. Mal tritt der helle, graubeige Kalkstein offen zutage, mal verschwindet er unter Baumwurzeln und Gestrüpp, die sich zäh in jede Spalte und jeden Absatz krallen. Darunter zieht sich das enge Donautal entlang – Fluss, Wiesenstreifen und bewaldete Hänge, die das Massiv wie eine natürliche Bühne umrahmen.
Stiegelesfels auf einen Blick
- Lage: östlich von Fridingen an der Donau, Landkreis Tuttlingen, Baden-Württemberg
- Gestein: Kalkstein des Oberjura (Weißer Jura)
- Höhenlage der Burgstelle: etwa 770 m ü. NN
- Schutzstatus: Naturschutzgebiet Stiegelesfels-Oberes Donautal, rund 342 Hektar
- Burgruine: Höhenburg aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts
- Historische Nachbaranlagen: Burgstallhöhle und Burgruine Stein
Aussicht vom Stiegelesfels
Rund um den Stiegelesfelsen liegen mehrere Aussichtspunkte, die den Felsen aus verschiedenen Perspektiven zeigen.
Vom Aussichtspunkt Burgstall bietet sich ein Blick auf die markante Kalksteinwand und hinunter ins Donautal. Auch die gegenüberliegende Ruine Kallenberg gehört zum Panorama. Zwei Sitzbänke laden hier zum Verweilen ein und machen den Platz zu einem idealen Standort, um die gesamte Felsformation im Zusammenspiel mit der Landschaft im Bild festzuhalten. Aussicht auf das Felsmassiv und mittelalterliche Burgenlandschaft des Donautals verbinden sich hier zu einem Bild.
Der Stiegelesfels selbst, wo einst die Burg über dem Donautal thronte, kehrt die Perspektive um: Statt auf den Felsen zu blicken, steht man nun auf ihm – und sieht tief hinab ins gewundene Donautal, während direkt gegenüber die Ruine Kallenberg aus dem Wald der anderen Talseite aufragt.
Naturschutzgebiet und Hintergrund
Geschützt wird die Landschaft durch das Naturschutzgebiet Stiegelesfels-Oberes Donautal, bereits in den 1930er-Jahren erstmals unter Schutz gestellt und 2005 auf über 340 Hektar erweitert.
An den kargen Felsköpfen überdauern eiszeitliche Reliktarten wie Pfingstnelke, Milchweißer Mannsschild und Österreichisches Federgras. In den Wänden brüten Uhu und Wanderfalke, in den Karsthöhlen überwintern Fledermäuse. Seit den 1960er-Jahren streifen auch Gämsen durch das Gelände – ihr Appetit auf die seltene Felsvegetation macht eine behutsame Bestandsregulierung nötig.
Die Burgruine am Fels
Auf dem schmalen Felsgrat liegen die Reste der Burgruine Stiegelesfels, einer Höhenburg aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Anlage bestand aus einer Oberburg auf dem Grat und einer tiefer gelegenen Unterburg. In der Oberburg befand sich vermutlich ein wohnturmartiges Gebäude; von der Unterburg sind noch Mauerreste aus Kleinquadermauerwerk erhalten. Die Burgreste sind aufgrund ihrer steilen und ungesicherten Lage nicht zugänglich.
In der Nähe liegt die Burgstallhöhle, eine befestigte Höhlenanlage, die bereits zu Beginn des 11. Jahrhunderts genutzt wurde. Archäologische Funde stützen diese frühe Datierung. Möglicherweise diente sie als Vorgängeranlage der später errichteten Burgen Stein und Stiegelesfels. Die genauen Zusammenhänge zwischen den drei Befestigungsanlagen sind jedoch nicht abschließend geklärt.
Burgruine Stein – erreichbar über schmale Pfade
In der Nähe des Stiegelesfelsens liegt die Burgruine Stein, eine weitere mittelalterliche Burgstelle. Die Anlage entstand vermutlich im 12. Jahrhundert und wurde bereits im Mittelalter wieder aufgegeben. Anders als die Anlage auf dem Stiegelesfels lässt sich Stein tatsächlich erreichen – man kann über schmale, exponierte Pfade zu den Mauerresten hinabsteigen. Erhalten sind der Stumpf eines Bergfrieds, Teile der Ringmauer und Spuren des einstigen Palas. Ein tiefer, hufeisenförmiger Graben trennte die Burg einst von der Hochfläche. Die Nähe zum Stiegelesfels und zur Burgstallhöhle macht aus dem Gebiet eine seltene Ansammlung dreier mittelalterlicher Befestigungsanlagen auf engstem Raum.
Wandern rund um den Stiegelesfels
Rund um den Stiegelesfels bei Fridingen an der Donau gibt es mehrere schöne Wanderungen. Besonders lohnend sind die Wege über die Aussichtsfelsen oberhalb des Donautals: Sie bieten Blicke auf die steilen Kalksteinwände, die Flussschlingen und die gegenüberliegenden Höhenzüge.
Donauwelle Donaufelsen-Tour: Rundtour · ca. 15,7 km · ca. 6,5 Stunden · schwer
Die anspruchsvolle Tour verbindet den Stiegelesfels mit dem Knopfmacherfelsen, der Ruine Kallenberg, Schloss Bronnen und dem Jägerhaus. Sie kombiniert aussichtsreiche Höhenwege mit Abschnitten im engen Durchbruchstal.
Knopfmacherfelsen und Jägerhaus: Kurze Rundwanderung · je nach Variante etwa 6–7 km
Wer eine kürzere Tour bevorzugt, kann im Bereich des Knopfmacherfelsens wandern und den Ausflug mit einer Einkehr im Jägerhaus verbinden. Der Schwerpunkt liegt auf den Ausblicken ins Donautal und auf Schloss Bronnen; der Stiegelesfels lässt sich je nach Streckenführung ergänzen.
Anreise
Drei Startpunkte eignen sich für eine Wanderung zum Stiegelesfelsen – jeder mit eigenem Charakter.
Fridingen an der Donau ist der klassische Ausgangspunkt aus dem Tal, etwa ab den Wanderparkplätzen am Stadtrand oder im Liebfrauental. Von dort führt der Weg hinauf zur Hochfläche – vorbei an Hangwäldern und Kalkfelsen. Praktisch für die Anreise mit der Bahn oder eine Einkehr nach der Tour.
Das Jägerhaus liegt direkt an der Donau bei Bronnen. Von hier geht es in einem kräftigen, steilen Anstieg über Serpentinenpfade hinauf zum Fels – ein Startpunkt direkt am Fluss, gut mit einer Einkehr im Gasthaus zu verbinden.
Der Knopfmacherfelsen auf der Hochfläche nahe Beuron bietet den gemütlichsten Einstieg: Von hier wandert man überwiegend eben entlang des Albtraufs zum Stiegelesfels, ohne die großen Höhenmeter aus dem Tal – mit Panoramablick von der ersten Minute an.
Tipps
- Auf den markierten Wegen bleiben – die Felsköpfe sind Lebensraum seltener Pflanzen und Vögel.
- Der Abstieg zur Burgruine Stein verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
- Bei Nässe sind die schmalen Pfade und Kalkfelsen rutschig – festes Schuhwerk ist unverzichtbar.
- Der Stiegelesfels liegt am Donauberglandweg und an der Donaufelsen-Tour – beide verbinden ihn mit weiteren Aussichtspunkten im Donautal.
Häufige Fragen zum Stiegelesfels
Wo liegt der Stiegelesfels und wie hoch ist er?
Der Stiegelesfels liegt östlich von Fridingen an der Donau im Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg, mitten im Oberen Donautal der Schwäbischen Alb. Die Burgstelle auf dem Felsgrat befindet sich auf etwa 770 m ü. NN. Das Gestein ist Kalkstein des Weißen Jura und rund 160 Millionen Jahre alt.
Welche Wanderungen führen zum Stiegelesfels?
Die Donauwelle Donaufelsen-Tour ist eine anspruchsvolle Rundtour von etwa 15,7 km und rund 6,5 Stunden. Sie verbindet den Stiegelesfels mit dem Knopfmacherfelsen, der Ruine Kallenberg, Schloss Bronnen und dem Jägerhaus. Für eine kürzere Variante eignet sich die Rundwanderung rund um Knopfmacherfelsen und Jägerhaus mit etwa 6–7 km. Außerdem liegt der Fels am Donauberglandweg.
Wo starte ich am besten zur Wanderung zum Stiegelesfels?
Es gibt drei sinnvolle Startpunkte: Fridingen an der Donau ist der klassische Einstieg aus dem Tal und gut mit der Bahn erreichbar. Vom Jägerhaus bei Bronnen führt ein steiler Anstieg über Serpentinenpfade zum Fels. Der Knopfmacherfelsen auf der Hochfläche nahe Beuron bietet den gemütlichsten Einstieg, denn von dort wandert man überwiegend eben am Albtrauf entlang.
Kann man die Burgruine auf dem Stiegelesfels besichtigen?
Die Burgruine Stiegelesfels, eine Höhenburg aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, ist wegen der steilen und ungesicherten Lage nicht zugänglich. Die Burgruine Stein in der Nähe lässt sich dagegen über schmale, exponierte Pfade erreichen. Dafür sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig. Auch die Burgstallhöhle, eine befestigte Höhlenanlage aus dem frühen 11. Jahrhundert, gehört zu dieser Burgenlandschaft.
Welche Tiere und Pflanzen leben im Naturschutzgebiet Stiegelesfels-Oberes Donautal?
Das rund 342 Hektar große Naturschutzgebiet schützt eiszeitliche Reliktarten wie Pfingstnelke, Milchweißen Mannsschild und Österreichisches Federgras. In den Felswänden brüten Uhu und Wanderfalke, in den Karsthöhlen überwintern Fledermäuse. Auch Gämsen leben hier: Seit den 1960er-Jahren streifen sie durch das Gelände.
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