Ein Ort, an dem sich Felsen, Legenden und Stille begegnen 

Wenn man die schmalen Pfade hinaufsteigt, über Geröll und Dolomitengestein, gelangt man irgendwann an einen Ort, der wie aus einer Sage geboren scheint: die Gartlhütte – oder wie sie auf Italienisch heißt, das Rifugio Re Alberto I. Auf 2.621 Metern Höhe thront sie im Herzen der Rosengartengruppe in den Dolomiten, direkt zu Füßen der berühmten Vajolet-Türme

Lage – im Gartl, wo König Laurins Rosengarten blüht 

Man steht auf einem Schuttkar, das die Menschen hier schlicht „Gartl“ nennen. In der klaren Höhenluft erzählt die Landschaft selbst ihre Geschichten: Hier, so sagt die Legende, erblühte einst der geheimnisvolle Rosengarten des Zwergenkönigs Laurin. Und noch heute färben die Felsen bei Sonnenuntergang in glutrotem Alpenglühen, als hätten sie das Geheimnis jener Sage bewahrt. 

Von der Gartlhütte aus scheint man die Vajolet-Türme fast berühren zu können: den Delagoturm (2.790 m), den Stabelerturm (2.805 m) und den Winklerturm (2.800 m) – allesamt filigrane, steil aufragende Felsspitzen, benannt nach ihren Erstbesteigern. 

Geschichte der Gartlhütte 

Errichtet wurde die Hütte 1929 von Marino Pederiva. Bald darauf übernahm der berühmte Bergsteiger Tita Piaz, der sie seinem einstigen Seilgefährten widmete: dem belgischen König Albert I. – daher der Name Rifugio Re Alberto. Seither wurde sie mehrfach erweitert und ist heute ein lebendiger Treffpunkt für Bergsteiger, Kletterer und Wanderer aus aller Welt. 

Atmosphäre und Gastfreundschaft 

Wer die Gartlhütte betritt, spürt sofort ihre besondere Stimmung. Sie ist keine gewöhnliche Einkehr, sondern eine wahre alpine Zuflucht – ein Ort der Begegnung, der Wärme und des Schutzes inmitten der gewaltigen Dolomiten. 
Man sitzt zwischen knarrenden Holzbänken, genießt ein Glas Südtiroler Wein oder eine dampfende Schüssel mit hausgemachter Suppe. Während draußen der Wind durch die Felsen pfeift, teilen die Hüttenwirte ihre Geschichten vom Leben hoch oben im Gebirge. 

Aufstiegsmöglichkeiten zur Gartlhütte 

Es gibt viele Wege, die zur Gartlhütte / Rifugio Re Alberto I führen – und jeder von ihnen erzählt seine eigene Geschichte. 

Von der Trentiner Seite (Fassatal) 

  • Pera di Fassa: Mit den Sesselliften Vajolet 1 & 2 sowie Pian Pecei, dann auf dem „Weg der Legenden“ bis Gardeccia

  • Vigo di Fassa: Mit der Rosengarten-Seilbahn und anschließend zu Fuß nach Gardeccia. 

Von dort erreicht man in etwa einer Stunde die Vajolet-Hütte (2.243 m). Der weitere Weg führt über Steig Nr. 542 mit gesicherten Passagen – anspruchsvoll, aber auch für Kinder ab ca. fünf Jahren machbar, wenn sie von erfahrenen Erwachsenen begleitet werden. 

Von der Südtiroler Seite (Welschnofen, Karerpass, Tiers) 

  • Mit der modernen Seilbahn König Laurin I & II bis zur Kölner Hütte (2.337 m)

  • Alternativ über den Paolina-Sessellift oder von Tiers mit der Panoramabahn. 

Von dort bieten sich zwei Varianten: 

  • Santnerpass-Klettersteig (mittelschwer bis schwer, nur mit Ausrüstung). 

  • Wanderung über markierte Wege, etwas länger, aber landschaftlich eindrucksvoll. 

Hüttencharakter – mehr als nur ein Ziel 

Die Gartlhütte ist nicht nur eine Schutzhütte. Sie ist ein Ausgangspunkt für alpine Abenteuer: 

  • Klettertouren an den Vajolet-Türmen 

  • Klettersteige wie der Santnerpass oder Routen am Rosengarten 

  • Wanderungen über den Grasleitenpass, zur Antermoia-Hütte oder hinüber zum Schlernhaus 

Sie ist auch ein Ort für stille Momente – beim Sonnenaufgang über den Gipfeln, beim Blick hinunter ins Fassatal oder wenn der Abend die Dolomiten in flammendes Rosa taucht. 

Wandertipp: Sanfte Touren und Highlights rund um die Rosengartengruppe 

Die Rosengartengruppe in den Dolomiten ist ein Ort, an dem Natur und Mythos ineinanderfließen. Man wandert durch stille Täler, über sonnige Almen und hinauf zu wilden Felswänden. Dabei öffnet sich immer wieder der Blick auf das UNESCO-Welterbe Dolomiten – ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst. 

Hier finden sich sanfte Wanderungen, aussichtsreiche Hüttenwege und alpine Klettersteige, die jede Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. 

1. Wanderung über den Antermoia-Pass mit Sonnenaufgang am Antermoia-See 

Man startet im ersten Licht des Tages und wandert Schritt für Schritt dem Himmel entgegen. Der Weg führt über den malerischen Antermoia-Pass bis zum glasklaren Antermoia-See (Lago di Antermoia)

Wer früh aufbricht, erlebt hier einen magischen Sonnenaufgang in den Dolomiten: Die Gipfel spiegeln sich im stillen Wasser, und das Licht taucht den See in leuchtendes Gold. 

Am Abend führt der Weg vorbei an den markanten Vajolettürmen, die im Sonnenuntergang in glühenden Rottönen erstrahlen. Ein Naturerlebnis, das tiefe Ruhe schenkt. 

2. Hüttentour vom Vajolonpass zur Rotwandhütte (Rifugio Roda di Vaèl) 

Diese Route beginnt am stillen Vajolonpass, wo man die klare Bergluft einatmet und den Blick über Wiesen und Felsformationen schweifen lässt. Von hier schlängelt sich der Weg hinunter zur Rotwandhütte (Rifugio Roda di Vaèl) auf 2.283 Metern. 

Die Hüttentour ist technisch moderat und perfekt für Genusswanderer. Auf der Sonnenterrasse genießt man Südtiroler Spezialitäten, während sich die Gipfel der Rosengartengruppe wie eine steinerne Krone am Horizont erheben. 

Wer noch Kraft hat, krönt die Tour mit der Besteigung der Rotwand (2.806 m). Oben öffnet sich ein Rundblick, der die Dolomiten in ihrer ganzen Vielfalt zeigt – von der Marmolata bis zum Schlern. 

3. Bergtour über den Santnerpass-Klettersteig zur Rotwandhütte 

Etwas abenteuerlicher wird es auf dem Santnerpass-Klettersteig, einem der bekanntesten Klettersteige der Dolomiten. Hier braucht man Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine Klettersteigausrüstung. 

Die Route führt durch schroffe Felswände und enge Schluchten, immer begleitet von Ausblicken über das Tierser Tal und die Vajolet-Türme. Wer den Santnerpass (2.734 m) erreicht, spürt den Zauber der Dolomiten hautnah. 

Nach dem Klettersteig geht es weiter zur Rotwandhütte, wo ein Teller Polenta oder Knödel und ein Glas Südtiroler Wein auf der Terrasse den perfekten Abschluss bieten. 

Tipp: Touren kombinieren für das volle Dolomiten-Erlebnis 

Alle drei Routen lassen sich individuell verbinden – je nach Zeit, Kondition und Lust. So erlebt man die Rosengartengruppe in all ihren Facetten: von der sanften Panoramawanderung über die klassische Hüttentour bis hin zum alpinen Klettersteig-Abenteuer

Wer diese Wege geht, trägt nicht nur Erinnerungen, sondern auch ein Stück Rosengarten im Herzen – für immer. 

Praktische Informationen 

  • Höhe: 2.621 m 

  • Betten: 60 

  • Winterraum: 4 Schlafplätze 

  • Öffnungszeiten: Juni bis Oktober (ca. 20. Juni – 20. September regulär bewirtschaftet) 

  • Kontakt: Valeria & Stefan Pallotta 

  • Tel: +39 334 724 66 98 

  • Mail: info@rifugiorealberto.com

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team