Wer hier oben ankommt, merkt sofort: Das ist kein Ort für halbe Sachen. Das Ibacher Kreuz auf rund 1.050 Metern über NHN ist kein romantischer Aussichtsgipfel – es ist ein echter Knotenpunkt, rau, zugig, mit einem Panorama, das einen kurz verstummen lässt. Denn direkt zu Füßen öffnet sich die Hochwehraschlucht, der wildeste Abschnitt des gesamten Wehratals

Aussicht, die Bilder hinterlässt 

Man tritt ans Kreuz, und plötzlich fällt das Gelände ab – steil, dramatisch, fast unverschämt schön. Die Hochwehraschlucht liegt da unten wie ein dunkler Spalt im Schwarzwald, eng, felsig, vom Bannwald Wehratal eingerahmt. Die Vegetation ist karg, moosig, oft von Nebel durchwirkt – genau das, was man sich unter „mystischer Hochlage im Hotzenwald" vorstellt. Hier verbindet das Ibacher Kreuz das Ibacher Hochtal mit dem oberen Wehratal – geografisch, aber auch atmosphärisch. 

Wander-Knotenpunkt am Schluchtensteig 

Das Ibacher Kreuz ist kein zufälliger Wegpunkt. Hier treffen drei bedeutende Routen aufeinander: der Schluchtensteig Etappe 5, der Albsteig und regionale Wanderwege. Man muss sich entscheiden – hinunter nach Todtmoos oder weiter Richtung Ibach und Bernau. Diese Entscheidung fühlt sich an wie eine aus einem anderen Jahrhundert: Tal oder Kamm? 

Wer von Todtmoos startet, braucht rund 45 bis 60 Minuten für den Aufstieg. Der Weg ist knackig, aber lohnend. Am Ibacher Kreuz markiert man den Übergang von der Wehraquelle zum Abstieg in die Schlucht – der Schluchtensteig führt spektakulär am oberen Rand entlang, bevor er tiefer eintaucht. 

Tipp: Direkt am Ibacher Kreuz gibt es eine Schutzhütte mit Bänken. Hier oben pfeift oft der Wind – eine Jacke einpacken, auch wenn es unten in Todtmoos noch angenehm warm war. 

Sagen, Nebel und die Geister der Schlucht 

Wer durch den Nebel wandert, der sich zwischen den Tannen verfängt, versteht sofort, warum die Menschen hier früher an Geister glaubten. Rund um das Ibacher Kreuz und die finstere Hochwehraschlucht rankten sich Geschichten, so rau wie das Gelände selbst. 

Der Graue Mann soll lautlos an den Felswänden der Schlucht entlanggeschwebt sein – ein Wächter des Tals, der unehrliche Holzfrevler in die Tiefe lockte. Nahe der Wehraquelle sollen Irrlichter Wanderer vom sicheren Pfad in sumpfige Wiesen geführt haben – die Seelen derer, so hieß es, die in der Schlucht verunglückten. 

Verborgene Schätze im Bannwald 

Im Bannwald Wehratal, wo keine Axt angesetzt werden darf, blüht der Aberglaube besonders gut. Eine Sage erzählt vom Gold der Wehra: ein verborgener Stollen in der Hochwehraschlucht, nur zur Geisterstunde sichtbar, gefüllt mit den Schätzen der alten Ritter von Wehr. Wer etwas mitnimmt, findet am Morgen nur Kieselsteine in der Tasche. 

Und unter der ältesten Tanne der Schlucht? Ein Kessel voller Goldmünzen – bewacht von einer riesigen Schlange. Ob man's glaubt oder nicht: Diese Orte erzählen ihre Geschichten ganz von selbst. 

Der Hirschsprung – die bekannteste Legende 

Die wohl berühmteste Geschichte trägt der Fels selbst im Namen: Der Hirschsprung. Ein Hirsch, auf der Flucht vor Jägern, soll an der engsten Stelle der Hochwehraschlucht mit einem gewaltigen Satz über den Abgrund gesprungen sein. Die Jäger wagten es nicht, ihm zu folgen. Der Hirsch war frei – und die Stelle hat seitdem ihren Namen. 

Fazit: Ein Ort, der bleibt 

Das Ibacher Kreuz oberhalb der Hochwehraschlucht ist kein Selfie-Spot und kein touristisches Highlight mit Café und Parkplatz direkt daneben. Es ist ein echter Ort des Schwarzwalds – wild, offen, ein bisschen unheimlich. Wer den Schluchtensteig geht, wer die Hotzenwald-Landschaft spüren will, wer versteht, warum alte Sagen in rauem Gelände entstehen: hier ist der richtige Platz. 

Author Sunhikes | © Sunhikes
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Sunhikes
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