Man fährt eine schmale Straße hinauf, lässt den Alltag Kurve für Kurve zurück und spürt, wie die Landschaft weiter wird. Plötzlich liegt er da: der Antornosee, auf Italienisch Lago d’Antorno, still eingebettet in die Sextner Dolomiten. Das Wasser ruht zwischen Wiesen, Moor und Fels, während sich die umliegenden Berge darin spiegeln. Hier oben, in der Provinz Belluno in Venetien, wirkt alles einen Moment langsamer. 

Der kleine Bergsee in den Dolomiten liegt rund zwei Kilometer nördlich des Misurinasees und gehört zum Gemeindegebiet von Auronzo di Cadore. An den westlichen Ausläufern der Cadini-Gruppe öffnet sich ein stilles Hochtal, durch das die Mautstraße zur Auronzohütte und ins berühmte Drei-Zinnen-Tal führt. Der See grenzt direkt an diese Straße – und doch scheint er ihr entrückt. 

Lage & Landschaft – Dolomiten zum Innehalten 

Man bleibt am Ufer stehen und hört kaum mehr als den Wind im Gras. Der Antornosee in den Sextner Dolomiten ist nur etwa zwei Hektar groß, aber reich an Leben. Er ist als Biotop ausgewiesen und von einer charakteristischen Sumpf- und Moorvegetation umgeben. Südwestlich, von der Straße getrennt, liegt ein kleines Moorgebiet, das zugleich als Weidefläche dient. Alles wirkt ursprünglich, beinahe unberührt. 

Am Westufer steht das gleichnamige Chalet – ein ruhiger Punkt in dieser Landschaft, der den Blick über das Wasser freigibt. Man verweilt, schaut, atmet. Genau dafür ist dieser Ort gemacht. 

Wandern am Antornosee – Ausgangspunkt für alpine Wege 

Im Sommer wird der Lago d’Antorno zum idealen Startpunkt für Wanderungen in den Dolomiten. Man schnürt die Schuhe und bricht auf – zur Rinbianco Alm, zur Fondo Savio Hütte oder weiter hinauf zur Auronzohütte am Fuß der Drei Zinnen. Die Wege führen durch Lärchenwälder, über Almwiesen und hinauf in felsige Höhen, immer begleitet von weiten Ausblicken. 

Zwischendurch kehrt man zurück ans Wasser, setzt sich ins Gras und lässt die Eindrücke nachklingen. Auch Sportfischen am Antornosee ist in den Sommermonaten möglich – ruhig, konzentriert, im Einklang mit der Natur. 

Winter am Lago Antorno – Magie aus Schnee und Stille 

Wenn der Winter kommt, verändert sich alles. Schnee legt sich über Wiesen und Moor, das Wasser wird still, die Berge rücken näher. Der Antornosee im Winter ist besonders beliebt als Ausgangspunkt für Motorschlitten-Touren zu den Drei Zinnen. Man gleitet über verschneite Wege, spürt die Kälte im Gesicht und erlebt die Dolomiten aus einer völlig neuen Perspektive. 

Noch intensiver wird es bei einer Schneeschuhwanderung rund um den Lago Antorno. Schritt für Schritt zieht man Spuren in den Schnee, hört nur das leise Knirschen unter den Füßen und sieht die verschneiten Drei Zinnen vor sich aufragen. Hier oben ist Winter kein Lärm, sondern Stille. 

Antornosee – ein Ort für alle Jahreszeiten 

Man verlässt den Antornosee, wie man ihn betreten hat: langsamer, ruhiger, mit Bildern im Kopf. Ob als Wanderziel in den Sextner Dolomiten, als Naturidylle nahe den Drei Zinnen oder als winterlicher Ausgangspunkt für besondere Erlebnisse – dieser See bleibt. Ein stiller Spiegel der Berge, der zeigt, wie kraftvoll Zurückhaltung sein kann. 

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team