Der Hexenstein, italienisch Sasso di Stria, ladinisch Sass de Stria, erhebt sich 2.477 Meter über die Pässe von Valparola und Falzarego. Zwischen dem Lagazuoi und dem Col di Lana gelegen, bietet er eine spektakuläre Aussicht auf das Ampezzo-Tal, das Agordo-Tal und das Gadertal. Vom Felsvorsprung Anticima eröffnet sich der Blick auf die Dolomitenstraße SS48, während die umliegenden Gipfel wie Tofane, Sella, Marmolata und Puez majestätisch die Szenerie rahmen. 

Die Legende erzählt, dass einst eine Hexe auf dem Gipfel gelebt haben soll. Zwischen den Dolomitfelsen, die wie Naturkathedralen in den Himmel ragen, kann man sich in diese alte Sage hineinversetzen und die Magie der Berge spüren. 

Alpinismus am Hexenstein 

Alpinistisch wurde der Hexenstein Dolomiten erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Am 12. August 1899 erklommen Adolf und Emil Witzenmann die Südwand erstmals mit Führern Antonio Dimai und Giovanni Siorpaes. Heute ist der Hexenstein Wanderweg von der Nordseite aus leicht erreichbar, mit einem markierten Klettersteig A–B, der vorbei an historischen Kriegsstellungen und Stollen aus dem Ersten Weltkrieg führt. 

Die Hexenstein-Südkante (UIAA IV+) lockt Kletterer, während am Ostfuß ein kleiner Klettergarten die Felsen für Einsteiger und Familien erschließt. 

Erster Weltkrieg – Freilichtmuseum Hexenstein 

Während des Ersten Weltkriegs war der Hexenstein Dolomiten Schauplatz erbitterter Kämpfe. Das Fort Tre Sassi am Valparolapass wurde 1897–1900 errichtet, 1915 zerstört und später restauriert. Heute kann man die restaurierten Schützengräben, Stellungen und Goiginger-Stollen besichtigen – ein faszinierendes Freilichtmuseum, das Geschichte hautnah erlebbar macht. 

Die strategische Lage zwischen Falzarego-Pass, Valparola-Pass und den Dolomitentälern machte den Hexenstein zum Dreh- und Angelpunkt der Verteidigung. Die alpinen Wege führen durch die Kriegsflanken, vorbei an Dolomitfelsen und alpiner Flora, die in friedlicher Schönheit das Tal überragen. 

Panorama und Wanderung 

Die Sass de Stria Wanderung beginnt am Parkplatz Valparola-Pass nahe dem Museum Forte Tre Sassi. Auf rund einem Kilometer Wegstrecke und etwa 290 Höhenmetern gelangt man in 1–1,5 Stunden zur Gipfelkuppe. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind nötig. Der Abstieg erfolgt über die gleiche Route, die alte Kriegswege, Stahlseile und Leitern einbindet. 

Vom Gipfel eröffnet sich ein atemberaubender Rundblick: Puezgruppe, Sella, Marmolata, Monte Pelmo, Tofane, Sorapiss, Croda da Lago, Cinque Torri und Antelao breiten sich wie ein Panorama-Mosaik aus. Die Kombination aus Natur, alpiner Herausforderung und Historie macht die Wanderung zum unvergesslichen Erlebnis.

Ein Beitrag von
Sunhikes
Redaktions-Team